Lunar Clock - II

Symphonic Prog
(56:16; CD, digital; Eigenproduktion; 05.12.2025)
Lunar Clock ist ein Trio aus den Niederlanden, das hier ihr – man ahnt es schon – zweites Album vorstellt. Das Debütalbum „The Scream Of Nature“, das auch auf diesen Seiten positive Erwähnung fand, stammt aus dem Jahr 2020, man hat sich also ordentlich Zeit genommen für das Nachfolgewerk. In der Zwischenzeit hat es auch Veränderungen im Line-Up gegeben, der ursprüngliche Vierer ist zum Trio geschrumpft, wobei Keyboarder Robin Boer und Drummer Karsten van Straaten in Achille Regazzoni einen vielseitigen neuen Mitstreiter an Bass, Tasten und Gitarre gefunden haben.

In der Besprechung des ersten Albums war noch von „Experimental Art Rock“ die Rede – das trifft auch in diesem Fall zu, wobei man experimentell nicht mit schräg und dissonant gleichsetzen sollte. Im Wesentlichen handelt es sich um Symphonic Progressive Rock mit gelegentlich jazzigen Einlagen, Soundspielereien, und einer Prise Canterbury, wobei weitgehend die mächtigen Keyboards den Ton angeben.

Drehte es sich beim Debüt noch um das Thema Edvard Munch, werden hier acht inhaltlich in sich abgeschlossene Songs präsentiert. Im Opener dominieren gleich die Tasten, doch der Symphonic Prog findet im nachfolgenden neunminütigen ‚Saturia‘ zunächst keine direkte Fortsetzung, hier geht es mittels E-Piano eher in Richtung Jazzrock.

Musterbeispiel für den symphonischen Tastenwohlklang ist das orchestrale, majestätische ‚Oculus Lunae/Oculus Terrae‘, das nachfolgende ‚Night Owl (Conclusion)‘, sozusagen das Gegenstück zum Opener ‚Night Owl (Announcement)‘ macht in diesem Stile weiter. Mächtige Synthesizer und Mellotronsounds prägen die Szenerie. Im längsten Track ‚Where The Birds Hide‘ wird es dann auch mal ziemlich unruhig und experimentell. Während die Tastenarbeit zwischenzeitlich Erinnerungen an Größen wie Rick Wakeman oder auch Kit Watkins (siehe ‚Night Owl (Conclusion)‘) aufkommen lassen, geht es in diesem Song auch mal in eine andere Richtung, und auch die Bassgitarre darf sich mal in den Vordergrund drängen.

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Auf ‚Life Through Corridors‘ geht es wieder etwas beschaulicher zu, sanfte Töne sind zu hören und Boer überrascht, wie tief er mit seiner Stimme in den Keller gehen kann. Was das Trio prima beherrscht ist die Erzeugung intensiver Atmosphäre, neben ästhetischem Wohlklang tauchen auch mal düster anmutende Arrangements auf. Die wechselnden Stimmungen sorgen dafür, dass keine Langeweile für den Genre-Fan aufkommt. Der Gesang sticht nicht unbedingt hervor, erweist sich aber als durchaus passend, wobei einige Gesangsmelodien auch mit Wiedererkennungswert punkten können (beispielsweise in ‚Metaphors‘).

Speziell die Freunde des tastenhaltigen Symphonic Prog werden hier gut bedient und sollten auf ihre Kosten kommen.
Bewertung: 11/15 Punkten


Tracklist:

  1. Night Owl (Announcement) (2:33)
  2. Sateria (9:01)
  3. Metaphors (7:06)
  4. Oculus Lunae / Oculus Terrae (3:14)
  5. Night Owl (Conclusion) (7:32)
  6. Where The Birds Hide (9:50)
  7. Life Through Corridors (8:40)
  8. The Dreamer (8:13)

Besetzung:
Robin Boer – keyboards / lead vocals
Achille Regazzoni – bass guitars / keyboards / FX / 12-string guitar
Karsten van Straaten – drums / percussion / FX / keyboards / backing vocals

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Abbildungen: Lunar Clock