The Imperfectionist Collective - Solitaire

(46:25; CD, Digital; Eigenveröffentlichung; 07.01.2026)
Unter dem Namen The Imperfectionist Collective tritt der holländische Musiker Leo Kooperstraat an. Kenner der niederländischen Prog Szene wissen mit diesem Namen möglicherweise etwas anzufangen, denn er ist (oder war?) als Gitarrist/Keyboarder/Sänger federführend bei der Formation Fractal Mirror tätig. Nun also sein Debüt als Imperfectionist Collective.
Kollektiv führt schon mal in die Irre, denn dies ist im Wesentlichen ein reines Soloalbum, lediglich auf zwei Songs wird er unterstützt durch zwei halbwegs bekannte Namen, nämlich Echolyns Brett Kull und Rhys Marsh. Imperfectionist mag sich auf die Gesangsleistungen beziehen, denn die sind recht weit von Perfektionismus entfernt. Mit Ausnahme des kurzen Titels ‚And We’re Off …‘ sind die Songs zwischen drei und knapp sechs Minuten lang, lediglich der Opener und das Outro ‚… And We Breathe‘ sind rein instrumental gehalten, der Gesangsanteil ist also durchaus hoch. Und genau dies dürfte bei der Beurteilung des Albums eine wichtige Rolle spielen. Auch bei seiner Stammformation hat Leo Kooperstraat gesungen, und das ist durchaus goutiert worden, wie die Besprechung des 2015er Albums „Garden Of Ghosts“ von Fractal Mirror zeigt. Dort wurde David Sylvian als Anhaltspunkt für die Gesangsperformance genannt, was den Sylvian– oder Japan-Fan erfreuen mag, der Schreiberling jedoch eher als potenziellen Schwachpunkt oder zumindest als Faktor, der die Hörerschaft spalten mag, wahrnimmt. Als Beispiele seien der durchaus interessante Song ‚Blue‘ oder das darauffolgende, symphonisch-bombastische ‚Solitary Man‘ genannt.
Ein weiteres Element, das ebenso wie bei Fractal Mirror eine wesentliche Rolle spielt, ist die häufige Nutzung des Mellotrons, ziemlich massiv beispielsweise in ‚The Safety Of Silence‘. Das wiederum ist natürlich ein dicker Pluspunkt für alle Anonymen Mellotroniker, also auch für den Rezensenten. Angesichts des Mellotrons als Herausstellungsmerkmals sollte man allerdings nicht den Fehler begehen, ein reines Symphonic Prog Album zu erwarten, denn das liegt in diesem Fall eben nicht vor. Vielmehr fallen Begriffe wie Alternative, Indie, Melodic Rock oder New Art Rock, wobei aber auch mal (siehe genanntes ‚Solitary Man‘) Ausflüge in den Symphonic Prog Bereich stattfinden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Die Texte stammen größtenteils von seinem Fractal Mirror Kollegen Frank L. Urbaniak, der Rhythmus ist programmiert, die Gitarre wird meist eher dezent eingesetzt, sodass den Keyboardsounds und dem Gesang eine zentrale Rolle zufällt. Es gibt einige sehr schöne Arrangements, beispielsweise in ‚Reincarnation‘, wo Echolyns Brett Kull und Katie Barbato für gesangliche Unterstützung sorgen oder im stimmungsvollen Outro.
Wer mit dem Gesang klarkommt (siehe oben), wird in der persönlichen Bewertung sicherlich noch 2-3 Punkte draufschlagen können, für den Schreiberling reicht es aber trotz guter Ansätze genau deswegen nicht zu einer zweistelligen Bewertung.
Bewertung: 8/15 Punkten
Besetzung:
• Leo Koperdraat – vocals / keyboards / Mellotron M4000d / Mellotron 400s / guitars / bass guitar
• Brett Kull – vocals / baritone guitar on ‘Reincarnation’
• Katie Barbato – vocals on ‘Reincarnation’
• Rhys Marsh – acoustic and electric guitars / massed backing vocals on ‘Blue’
Surftipps:
• bBandcamp
• YouTube
• Rezensionen, Liveberichte & Interviews
Abbildungen: Leo Koperdraat