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Grobschnitt – Acoustic Album

(75:40, digital, CD, 2LP, Brain/Universal, 2022)
Als diese Grobschnitt-Veröffentlichung angekündigt wurde, hatte unsereins angenommen, eine der wirklich märchenhaft-schönen Acoustic Shows sei tatsächlich mitgeschnitten worden. Doch leider weit gefehlt: Das “Acoustic Album” entstand Februar bis Mai 2021 im Oma Helga Studio, Boelerheide.

Das bietet natürlich den Vorteil, mit Problemchen und Spielfehlerlein unkompliziert verfahren zu können. Hat allerdings auch die Chance vergeben, die magische Atmosphäre des Live-Erlebnisses einzufangen – speziell jener ersten Konzerte in diesem Setting überhaupt. 2019, als das Publikum noch gar nicht fassen konnte, was es da eigentlich grad erleben durfte. Die Band wirkte zwar naturgemäß (meist) etwas weniger überrascht. Aber teilweise ganz ähnlich ergriffen.
Außerdem kommt die ganze Nummer als reguläres Album so sehr viel ernst gemeinter ‘rüber (und stellt sich damit prompt den gleichen Kritik-Kriterien wie jedes andere Studio-Album auch). Und sie wirkt unspaßiger. Vgl. aus unserem Konzertbericht: “Die launigen Ansagen der beiden Original-Sahneschnitten machen einen so großen Teil der Attraktivität des Abends aus, dass man Lupos Scherz “Wir kommen demnächst dann auch mal auf Lesereise” fast ein wenig ernst nehmen könnte.”

Nun, Tempi Passati. Und jetzt ist es halt ein “live im Studio” geworden. Das mit dem immer schon recht akustischen ‘Wonderful Music’ beginnt, gefolgt von Löffelgeklapper und dem wunderbar innigen ‘Morning Song’.

‘Vater Schmidt’s Wandertag’ ist ein Höhepunkt der Platte wie er es auch auf den Konzerten war – und ‘Anywhere’ für den Autoren mindestens ebenso Quintessenz der Grobschnitterei wie ‘Solar Music’. Welchletzterer Titel übrigens absurderweise sowohl auf CD wie der 180-G-Vinyl-Bedienung fehlt, auf Spotify aber quasi für umme gestreamt werden kann. Auf den Kauf-Medien hingegen ist nach ‘Der Weg nach Hause’ einfach Feierabend.

Das ist zwar keine so schrappige Veröffentlichungspolitik, wie z. B. die von Tool. Aber besonders nachvollziehbar ist sie leider auch irgendwie nicht.
Bewertung: 11/15 Punkten (KR 10, KS 10)

PROs:

  • Es gibt jetzt ein Dokument zu den “Acoustic Show” Veranstaltungen – zu deren Vor- oder Nachbereitung.
    Wer weiß, wie viele davon wir noch erleben dürfen.
  • Untadeliger Sound
  • 16-seitiges Booklet mit Texten

CONs:

  • Keine Live-Aufnahme
  • ‘Solar Music Part 3’ auf Streaming Services, aber nicht auf dem Kauf-Album
  • Bei den Konzerten war mir alles viel zu schnell zu Ende (bei 3 Stunden Spielzeit!). Hier ertappe ich mich bei ‘Könige der Welt’ oder ‘Der Weg nach Haus’ dabei, mit der Skip-Taste zu bösäugeln.
  • Das Booklet verzeichnet minutiös nerdige Details wie die Katalognummern der alten Brain-Alben der Erstveröffentlichung, verschweigt aber die Namen der ursprünglich am Songwriting beteiligten Musiker (klassische Credits à la “Lennon/McCartney” hatte es bei den Schnittern ja eh nie gegeben)

Line-up:
“Lupo” (bürgerlich Gerd Otto Kühn-Scholz) – Gitarre
“Willi Wildschwein” (bürgerlich Stefan Danielak) – Gesang, Gitarre
“Nuki” (bürgerlich Stefan Danielak jr.) – Hintergrundgesang, Gitarre, Percussions

Surftipps zu Grobschnitt:
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Umusic
Wikipedia
Wikipedia (Eroc)

Konzertbericht (Acoustic Show, 2019)
Interview: Lupo und Eroc zu “Solar Movie” (2016)
Interview: Lupo und Eroc zur Lebenswerkschau „79:10“ (Grobschnitt-Boxset, 2015)

Abbildung: Grobschnitt