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Marillion – With Friends From St.David’s

Marillion - With Friends From St.David's (Racket, 13.11.20?)(67:25 + 64:08, CD, Digital, Racket Records, 2020)
Eigentlich sind Marillion weit davon entfernt, irgendwelchen Trends oder dem Zeitgeist nachzujagen. Dennoch finden sich in ihrer Discografie Alben, bei denen das eigene Material im allseits beliebten Unplugged-Format, wie ebenfalls mit klassischer Untermalung neu interpretiert wurden. Zwar hinkte man zeitlich den jeweils angesagten Wellen immer etwas hinterher, aber das ist ja grundsätzlich kein Fehler. Während das akustische 2009er Album „Less Is More“ zwar interessante neue Ansätze aufwies, fehlte den reduzierten Arrangements trotzdem etwas von der eigentlichen Magie der Musik. Ganz im Gegensatz zum 2019er Werk „With Friends From The Orchestra“, bei dem man durch die klassische Komponente den Stücken ein weitere, vielschichtige Facetten verlieh.

Im Anschluss ging man noch in Prä-Corona Zeiten auf „With Friends From The Orchestra Tour“ und lieferte durchweg begeistert aufgenommene Konzerte ab. Als Teil dieser Tour ist der Auftritt vom 16.11.2019 in der St.David’s Hall in Cardiff mittlerweile in diversen Formaten über das eigene Label Racket Records erhältlich. Auch dieser Mitschnitt fängt die Faszination perfekt ein, die mit Hilfe von orchestraler Untermalung der Musik noch etwas mehr Pathos, sinfonischen Bombast und klangliche Tiefe verleiht. So wurde die Band an jenem Abend vom In Praise Of Folly String Quartet unterstützt, bestehend aus Margaret Hermant, Maia Frankowski, Nicole Miller und Annemie Osborne. Weitererhin sind Samuel Morris am French Horn und Emma Halnan an der Flöte zu hören.

Zwar setzte man im wesentlichen auf längere, getragene Stücke, wie z.B. ‚Season’s End‘, ‚Ocean Cloud‘ oder ‚This Strange Engine‘, bei denen die klangliche Ergänzung bestens funktioniert, doch setzen genauso elegische Gitarrensoli, wie auch rockige Momente einen spannenden Gegenpol. So wird z.B. aus dem kraftvoll losrockenden ‚Separated Out‘ im Live-Kontext zu ‚Zeparated Out‘, wobei das „Zep“ logischerweise als Wortspiel dient, da man einfach im Schlusspart Led Zeppelin’s ‚Kashmir‘ ergänzte.

Zwar basiert die Livepräsentation zum Großteil auf dem Studioalbum „With Friends From The Orchestra“, doch ließ man auf „With Friends From St.David’s“ ‚A Collection‘ weg (es ist jedoch mit weiteren Bonustiteln auf der Blu-ray erhältlich), nahm an dieser Stelle dafür überaus passend die beiden Longtracks ‚Gaza‘ und ‚The New Kings‘, sowie das bereits erwähnte ‚Separated Out‘ neu mit auf. Da das Album im Selbstvertrieb herauskam, sind ebenso die teils recht langen Ansagen und Hintergrundgeschichten von Steve Hogarth zu den jeweiligen Titeln enthalten und wurden nicht wie so oft bei anderen Livealben einfach lieblos herausgeschnitten.

Einzig könnte man beim fast perfekten Auftritt in Cardiff darüber nörgeln, warum an diesem Abend ‚The Space…‘ nicht gespielt wurde. Abgesehen davon: ein prächtiger Mitschnitt, der vor Augen führt, dass man orchestrales Beiwerk durchaus geschmackvoll und mit neuen Nuancen mit dem eigenen Material verschmelzen kann.
Bewertung: 12/15 Punkten (WE 12, KS 12)

Surftipps zu Marillion:
Rezension “All One Tonight – Live At The Royal Albert Hall”
Rezension “Marbles In The Park (Blu-ray/DVD)”
Rezension “F.E.A.R. (Fuck Everyone And Run)”
Konzertbericht: 25.07.17, Frankfurt am Main, Batschkapp
Konzertbericht: 16.07.17, Sankt Goarshausen, Freilichtbühne Loreley (XII Night of the Prog Festival)
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