Ange – Escale Heureuse

(52:47 + 64:55 + DVD, CD, Art Disto , 2019)
Auch wenn Ange bereits seit den späten 60ern, frühen 70er aktiv sind, definiert sich die aus dem französischen Belfort stammende Band um den einzigen von der Originalbesetzung verbliebenen Sänger / Keyboarder Christian Décamps keineswegs als reine Verwalter der Vergangenheit. Die aktuelle Besetzung ist mit leichten personellen Veränderungen seit den 2000er Jahren aktiv und bietet nicht nur live, sondern ebenso auf den diversen Studioalben eine frische, modifizierte, zeitgemäße Interpretation von francophilen Progressive Rock.

So überzeugt das aktuelle, rund zweistündige, am 18.Mai 2019 in Nancy mitgeschnittene Livealbum “Escale Heureuse”, welches in erster Linie auf das qualitativ ansprechende letzte Studioalbum “Heureux!” (2018) setzt, als druckvolle, rockige Interpretation bzw. Fortführung der eigenen Historie. Ein Großteil des hier präsentierten Materials gehörte ebenfalls zur Setlist des 2018er Auftritts beim Night Of The Prog Festival auf der Loreley, welches die Franzosen zeitgleich zum WM-Endspiel zwischen Frankreich und Kroatien boten. Einzig das bombastisch überladene ‘Quasiomodo’ fehlt an dieser Stelle, ansonsten geht es bei der Rückblick auf die eigene Historie erstaunlicherweise einige Male in die Achtziger, wie genauso eine nicht unbedingt zu erwartende Auswahl an 70er Material die Setlist verfeinert.

So werden die klassischen Ange-Alben lediglich mit ‘Ballade Pour Une Orgie'” (vom 74er Werk “Au-delà du délire”) kurz gestreift, darf die obligatorische Jacques Brel Zugabe ‘Ces gens-là’ ebenso nicht fehlen, während der Longtrack ‘Capitaine Coeur De Miel’ (vom 77er Album “Guet-Apens”) eine ausgiebige, auf knapp 20 Minuten ausgedehnte Würdigung erfährt. Vor allem hier lebt Sänger Christian Decamps seine theatralische Ader komplett aus (visuell sichtbar auf der dazugehörigen DVD). Doch gehören zu Ange ebenso sein Sohn Tristan, der beim nur von den Keyboards begleitenden ‘Harmonie’ seine volle vokale Kraft entfaltet.

Instrumental ist es vor allem Gitarrist Hassan Hajdi, der mit seinem variablen Spiel von kernig heavy bis gefühlvoll sinfonisch die erkennbaren Eckpunkte setzt. Zusammen mit der tighten Rhythmusfraktion Benoît Cazzulini (Schlagzeug) und Thierry Sidhoum (Bass) bildet der Fünfer eine mal kompakte, mal verspielte Einheit. Der Mix aus sinfonischer, leicht chansonesker Lockerheit und vor allem einer geradezu lässigen, ansteckenden Spiel- und Lebensfreude durchzieht das gesamte Album, bei dem genauso die epischen Longtracks vom aktuellen Album überzeugen können. Nahezu 50 Jahre aktiv und noch immer nicht müde…
Bewertung: 12/15 Punkten

Ange (Foto: Künstler)

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