Daniela Savoldi – Ragnatele

Daniela Savoldi - Ragnatele - Album der Woche auf BetreutesProggen.de KW23/2019(34:29, LP, Digital (uns lag eine Promo-CD vor), Eigenveröffentlichung, 2019)
Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe unserer beliebten Back- und Koch-Show “Betreutes Puderzuckern”! Heute wollen wir uns einmal an einem etwas fortgeschrittenen Rezept versuchen: Schichttorte Ragnatele (dtsch: Spinnweben) à la Daniela Savoldi.

Die Zutaten dafür sollten eigentlich in jeder gut sortierten Küche aufzufinden sein – man nehme: “a cello, a loop (station), a brief hint of (female) voice and a few effects”.

Die Meisterköchin: Daniela ist eine in Brescia, Italien, lebende Vier-Sterne-Künstlerin mit brasilianischen Wurzeln. Für ihre gehaltvollen und doch urgesunden Kreationen an Cello und Rührbogen für u.a. Le Luci Della Centrale Elletrica, aber auch für Theater- und Tanz-Produktionen erhielt sie viel Lob und zahlreiche Auszeichnungen. Prog-Gourmets dürfte noch am ehesten ihre Mitwirkung an “The Second Law” in Erinnerung geblieben sein, der sechsten Süßspeise der Leckermäulchen von Muse (2012).

Das Rezept: Pure Poesie an einem Hauch von Elektronik, durch die Loop Station-Behandlung besonders luftig geschlagen und durch einige sparsame, aber raffinierte Thermomix-Effekte Bocuse-mäßig verfeinert. Ansonsten aber frei von jeglichen Zusatzstoff… hm, Auditiven!
Das Ergebnis: Aurale Ohrgaumenfreunden, reine Sinnenwollust – und volle zwölf Kochlöffel in der Wertung!

Die Speisen- bzw. Schichten- oder Texturenfolge zum Mitbacken und in etwas mehr Detail

Die Vorspeise trägt den gleichen Namen wie das Gesamtmenü. Ihr Instrument und ihren ganz eigenen, warmen Ton bringt Daniela hier behutsam und mit flirrenden, zarten Flügelschlägen ins Spiel, während die melodisch/geschmackliche Weiterentwicklung der Themen überwiegend in den tieferen Lagen stattfindet, inklusive eines pizzicato genommenen (und geloopten) Basslaufes. Im Hintergrund sorgt die stark verhallte, wortlos erklingende Sirenenstimme der Künstlerin für eine noch etwas märchenhaftere Stimmung.

Beim folgenden ‘Improvviso’ wird viel deutlicher geschwelgt und gewissermaßen geschlemmt, während die ‘Storia Di Un Attentato’ sich aus tieftraurigen Anfängen zu ‘Kol Nidrei’ -hafter Intensität steigert – inhaltlich geht es hier übrigens um die Ermordung des Richters Paolo Borsellino durch Mafia-Killer.

Das ätherische ‘Space’ lässt uns schweben und so Raum ganz neu erleben – ob es sich dabei nur um die eigene Küche oder gleich den Weltraum handelt, wird von der eigenen Bodenhaftung abhängen. ‘Dada’ hingegen überrascht mit ausgeprochen perkussiven Effekten auf dem Cello – und führt dabei ein weiteres Mal den für eine Eigenproduktion (gemeinsam mit Lorenzo Caperchi, der auch für Aufnahme und Mix verantwortlich war) wirklich beeindruckenden Klang dieser Aufnahmen vor.

‘Modulatori’ setzt das “Drumming” auf dem Cello fort und entwickelt über diese nur vermeintliche Gleichförmigkeit seine spannenden Durchführungen.
Nach nur knapp 35 Minuten erheben wir uns wieder von der Tafel – aber stark vermutlich nur, um ein Dessert oder ein Dacapo zu erbitten.

Teapot of the Week

“Teapot of the Week” auf Betreutes Proggen in der KW23/2019

Deliziös! Wem beispielsweise mundet, wie das Echo Collective Radiohead mit ihrem Zauber(rühr)stab auf die bare Essenz heruntergekocht haben oder wer geschmacklich mit den (freilich deutlich weniger minimalistisch arrangierten, ja teils opulenten) “Game of Thrones”-Soundtracks von Ramin Djawadi etwas anfangen kann, der sollte es unbedingt einmal mit “Ragnatele” versuchen.
Bewertung: 12/15 Punkten

PS: Dieses kleine kulinarische Meisterstück hatte Vorläufer in den Solowerken Diamante (2015) und Trasformazioni (2016).

Daniela Savoldi, Cello

Foto: Ezio Franzoni – Alle Abbildungen: Daniela Savoldi

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