Molesome – Dial

(32:44, CD, Roth Händle Recordings, 2017)
Man ist nie vor echten Überraschungen gefeit. Völlig unerwartet landet im heimischen Briefkasten ein Promoalbum von Molesome. Dazu noch ein mehrseitiger, handgeschriebener(!) Brief: in den heutigen Zeiten sicherlich ein gewisses Paradoxon, aber gleichzeitig ein irgendwie sympathisches anachronistisches Erlebnis. Und von wem kommt die Botschaft? Mattias Olsson. Hmm, ein Name, der irgendwie Erinnerungen weckt, da war doch was…

Und schon klingelt’s: Mattias Olsson war seinen Zeichens Schlagzeuger bei Änglagård, eine der schwedischen Prog Heroen der 90er. Danach verfeinerten seine Beiträge die verschiedensten, teils recht obskuren Bands und Projekte, wie z.B. VLY, Necromonkey, Pixie Ninja, Weserbergland, The Opium Kartel, Kaukasus, sowie White Willow.

Molesome ist das Soloprojekt des Schweden, welches sich jedoch in einem ganz anderen Terrain bewegt, nämlich größtenteils der elektronischen Musik. So enthält das bereits 2016 aufgenommene, in einer sehr limitierten Auflage veröffentliche, sowie 2017 nochmals offiziell aufgelegte “Dial” gerade mal einen Track, der, um es gleich mal vorweg zu nehmen, recht wenig mit den sonstigen eher vom Progressive Rock / Retro Prog dominierten Aktivitäten Olssons zu tun hat. Bereits das Debüt “Songs For Vowels And Mammals” fand auf dieser Seite seine Beachtung, doch im Gegensatz zum ersten Werk, das aus 13 Instrumentaltiteln bestand, bekommt man auf “Dial” lediglich einen 32 Minuten langen Track zu hören.

Aus der Sicht von Mattias Olsson dauerten ihm Alben im Bandkontext einfach zu lange und aus der daraus resultierenden Frustration entstand sein Soloprojekt Molesome. Hinter “Dial” steckt die Idee eines virtuellen Radiohörens, zwischen einzelnen Stationen zu wechseln und die Geräusche und Musik auf sich wirken zu lassen. Doch ist dies alles sehr abstrakt gehalten, schwellen verhallte Klänge langsam, teils verfremdet und mystisch an, während sich hin und wieder eine fragmentierte Melodie hauptsächlich an Blasinstrumenten (u.a. Trompete), sowie Mellotron und Gitarre herausschält. “Dial” ist mehr sperriger, krautiger Ambient, funktioniert eher vor allem durch dröhnende, irgendwie verstörende Atmosphäre, denn durch konkrete Musik. Trotzdem finden sich zwischendurch immer wieder kurze Parts, die als Song durchgehen könnten.

Diese Art experimentelle Kammermusik kann man problemlos mit Adjektiven wie schräg, eigenartig, ungewöhnlich versehen, auch wenn man damit nur an der Oberfläche kratzt. Reinhören wird bei dieser Art von schwer verdaulichen, aber auch irgendwie faszinierenden Klangcollagen dringend empfohlen.
Ohne Bewertung

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