Hypno5e - Trame Noire
Post Metal • Cinematic Rock
(39:22; Vinyl, CD, Digital; Pelagic Records; 06.12.2026)
Das Album erzählt die Geschichte eines Protagonisten, der sich im Laufe einer Nacht seinem Trauma stellt, während jedes Insekt, jeder Flügelschlag und jede Temperaturveränderung längst verdrängte Erinnerungen weckt. Mit “Trame Noire” erlebt man die Band erstmalig vollständig von Anfang an in ihrer aktuellen Reinkarnation. Diese neue Rille braucht anstatt der üblichen langen Laufzeit diesmal nur knapp 40 Minuten, ist trotzdem wahnsinnig voll an Ideen und Facetten. Ein warmer, sehr kompakter Sound macht den doch immer wieder sehr technisch-progressiven Tune der Band angenehm hörbar, den stetigen Warm-kalt-, Leise-laut-Modus nie wirr oder überfordernd. Stattdessen fließt dieses Album auf stimmige Weise durch mich hindurch. Permanente Breaks, zarte akustische Passagen, die innerhalb von Sekunden in meterhohe Wände aufbrechen, vertrackte Djent-Riffs und Rhythmen, viele schöne Clean-Vocals, Melancholie und brachiale Heaviness funktionieren doch wie am Faden gezogen.
Handwerklich ist all das hervorragend in Szene gesetzt. Wer nur in Atmosphäre und sphärischen Passagen versinken will, kommt hier natürlich schwer in die Balance, dafür ist das Setting zu unruhig und sprunghaft. Die Band wollte diesmal weg vom zu kalten, technischen Sound, mehr Richtung organischer Wärme und 70s-affiner Progressivität. In jedem Fall kommunizieren die Kontraste mit maximaler cineastischer Breite – schwere Riffs, die innerhalb von Sekunden ihre Farben wechseln, in orchestralen, fragilen Ruhe-Momenten aufgehen und tief fallen wollen.
Der Anspruch der Band, neue Wege aufzutun, Nuancen und Farben zu entwickeln, darf honoriert werden. “Trame Noire” weiß als großes, kunstvoll-visuelles Statement/Bild in düsteren Zeiten zu überzeugen, welches die kleinen Flügelschläge von Momenten und Transformationen in opulente, dynamische Bilder kleidet und in stetiger Metamorphose Bewegung und Veränderung demonstriert.
Ob Sprachsamples, Piano, ein Hauch von Stille, wehmütige Melancholie, punktuelle Aggression oder technisch-progressive Abfahrten – alles ist auf diesen fünf komplexen, epischen Kompositionen kompakt, dicht ineinander verzahnt, detailverliebt und intensiv in seiner stimmungsvollen Ausrichtung und sollte für jeden offenen Freund der dunklen Nische zwischen Metal, Progressive, Post Rock, akustischen und experimentellen Sounds ein Antesten wert sein.
Bewertung: 12/15 Punkten
Besetzung:
• Emmanuel Jessua (guitar, vocals)
• Jonathan Maurois (guitars)
• Pierre Rettien (drums)
• Charles Villanueva (bass)
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Hold Tight PR zur Verfügung gestellt.
