Gates Of Kiev - Gates Of Kiev
Progressive Rock • Vintage Art Rock
(39:28; Vinyl, CD, Digital; TheLasers Edge; 06.11.2026)
Verrücktes Debüt aus unserem westlichem Nachbarland. Dieses Trio steigt gehörig tief in die frühen bis mittigen Seventies ein, wirbelt zwischen ELO und Orgel-Rock im Stile Atomic Rooster einigen Staub auf. Alles schön wild, ambitioniert, organisch und nie zu sehr auf Perfektion ausgelegt, was ich schon mal grundsätzlich sehr sympathisch finde. Schnoddrige Hammond-Orgeln, ein sehr rockiger Ansatz, kosmische Mellotron-Tunes, abgedreht mehrstimmige Vocals und immer einen Hauch von losgelöstem Jam-Rock integriert man in den traditionellen Art/Progressive Rock. Die Band steht mit fast zwei Beinen im klassischen Prog der Siebziger, hat Spaß an diesem Sound und die vier Songs sind mit knapp 40 Minuten klassiches Terrain für die Freunde des quirligen Prog. Die immer etwas freche, unkonventionelle Gangart ist einfach mit nem Lächeln zu goutieren, die mal dominanten Orgeln zwischen Atomic Rooster, Deep Purple und Siena Root, die verqueren symphonischen Elemente all der großen Dinosaurier des Prog fließen in den Gesamtsound mit hinein, ohne das sich all dies nur wie eine Vintage-Rückschau anfühlen muß. Die Holländer verbreiten mit ihrer melodiösen, aufgekratzten Art gute Laune, das irgendwie schrullig unperfekte ist der Vibe, mit dem man mich hier an der Leine zu halten weiß.
Ein kompakter Sound lässt die Songs atmen, der nie zu glattpolierte Vibe hat was unverbrauchtes und offenes. Immer mit einem halben Fuß im Jam Rock, lebt der quirlige Prog-Sound von seiner unbekümmerten Gangart, variiert spielerisch mit feinen Harmonien, wilden, gar unwirschen Rock-Passagen und proggiger Provokation. Das Mastering übernahm der Norweger Jacob Holm-Lupo (White Willow) und gibt der handwerklich-musikalischen Seite die nötigen Momente zu performen. Der Abschluss ‘Drunkship Of The Mice’ ist mein Favorit, wird hier mit viel Gespür für Dramatik, prägnantem Bass, sanften elegischen Passagen einiges an Atmosphäre aufgefahren.
Energetisch, unaufgesetzt, mit Hang zum Überdrehten wissen die drei Musiker eine gute Schnittmenge aus Rock und elegischen Abschnitten, aus Gesang und instrumentaler Weite zu definieren und machen aus dem selbstbetitelten Debüt einen mehr als ordentlichen Einstand.
Bewertung: 11/15 Punkten
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Earsplit zur Verfügung gestellt.

