E-L-R - Atropa

Doomgaze
(44:32; Vinyl, CD, Digital; Prophecy Productions; 06.11.2026)
Trauer, Delirium, Resilienz und obsessive Liebe – ein Album über die Sehnsucht, Schönheit, den Verlust und die Wandlung durch eben diesen. Der rituelle Post Doomgaze der Schweizer geht in die nächste Runde, bringt den Hörer erneut in andere Sphären und Ebenen. Das Hypnotische, Getragene, Schwere, Monotone und Wiederkehrende wird auch hier obsessiv zelebriert, natürlich von gelegentlich aufbrausenden Post-Black-Metal-Frequenzen für kurze Momente ins Gleichgewicht geschoben. Der Titel des Albums bezieht sich passenderweise auf eine Form der Tollkirsche, ein Nachtschattengewächs mit spezieller Giftwirkung. Musikalisch hat sich das Duo längst in seiner eigenen, heidnisch verklärten Nische innerhalb der postigen Doom-Klänge einen sehr markanten Platz gesichert. Mal roh, intensiv, dann schwebend-filigran: Die meist monotone Gangart und das Hineindriften in einen hypnotischen Flow haben die Schweizer längst perfektioniert.

Die sechs Songs zwischen fünf und knapp elf Minuten loten erneut unbekannte Zwischenwelten aus, sind nie nur schwarz und klingen fantasievoll, nebst wie immer sehr gelungenen mehrstimmigen Vokal-Arrangements. Mit der prominenten Unterstützung von Shazzula von Wolvennest in ‘Cobalt Wound’ gibt’s noch feine Gewürzdetails obendrauf. Der sogartige, stets trippige, mit Tribal-/Ethno- und heidnisch-psychedelischen Effekten garnierte Post-Doom ist eigenwillig, surreal und atmosphärisch erneut für die dunkle Stunde komponiert. Verschiedene Chöre und driftende Gesänge verstärken den schleichenden Tune auf natürlich mannigfaltige Weise. Da weiß man längst bei E-L-R, was man zu erwarten hat. Wirklich Neues stellt “Atropa” innerhalb der Diskografie in absoluter Konsequenz nicht dar – die persönlichen und schmerzhaften Prozesse, die die Entstehung des Albums definierten, machen aus der neuen, erneut sehr spirituellen Platte ein weiteres Kleinod emotionaler Nischenmusik.
Bewertung: 12/15 Punkten


Besetzung:
• S.M. – guitar, vocals
• I.R. – bass, vocals
• D.B. – drums (except on ‘Oaken Reaper’)
• M.K. – drums on ‘Oaken Reaper’

Gastmusiker:
• Remo Häberli – additional guitars, sound design
• D.B. – additional vocals on ‘Solace Tracery’
• Shazzula – vocals on ‘Cobalt Wound’

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Prophecy Productions zur Verfügung gestellt.