Cult Of Luna - In The Shadow of Your Shadow

Post Metal • Sludge Metal • Progressive Metal • Post Rock
(1:11:24; Vinyl (2LP), CD, Digital; Red Crk Recordings, 06.11.2026)
Cult Of Luna – “In The Shadow Of Your Shadow”
Wer nach 25 Jahren und zehn Studioalben noch immer Angst vor musikalischem Stillstand hat, scheint zumindest ein Problem weniger zu kennen als so manche andere Band. Cult Of Luna ruhen sich jedenfalls nicht auf dem Erreichten aus. “In The Shadow Of Your Shadow” wird als bislang dunkelstes Album angekündigt und ist mit 71 Minuten einmal mehr ein ausgewachsener Brocken. Inhaltlich geht es um Verlusterfahrungen, Ängste und Dinge, die man einfach nicht loswird.
Der Titeltrack entwickelt sich von einem sphärischen Beginn zur mächtigen Post-Metal-Walze. Repetitive Gitarren, wuchtiges Schlagzeug und Perssons kehlig-sinistre Growls sorgen für die nötige Finsternis. Stellenweise erinnert das an Tiamat zu “Clouds”-Zeiten. ‘Sadness Will Reign’ setzt mit Gojira-Sänger Joe Duplantier einen interessanten Kontrast: Sein weit in den Hintergrund gemischter Klargesang bildet einen reizvollen Gegenpol zu Perssons Growls. Neurosis-artige Riffs und flirrende Gitarren machen den Song zudem erstaunlich eingängig.
Das kurze Instrumental ‘Landby’ sorgt mit reduzierter Instrumentierung für eine eigentümliche Endzeit-Western-Atmosphäre. Als Soundtrack zu Stephen Kings “Der Dunkle Turm” würde es bestens funktionieren. ‘Breach’ greift die ruhigere Stimmung auf und baut über zwölf Minuten zwischen Post-Rock und Prog einen ausgedehnten Spannungsbogen auf. Das gleichförmige Schlagzeug wirkt gelegentlich etwas ermüdend, melodische Gitarren und ein ungewöhnliches Solo entschädigen dafür.
‘The Rift’ bringt anschließend mit Sludge-Riffs, Groove und einer aggressiven Hardcore-Passage wieder ordentlich Druck ins Spiel. Nach diesem Ausbruch überrascht ‘A Way Back’ mit gezupften Gitarren, viel Hall und Fredrik Kihlbergs zurückhaltendem Klargesang. Die Alternative-Prog-Ballade erinnert an die stilistischen Verbindungen der 90er und gehört zu den unerwarteteren Momenten des Albums.
Auch ‘One More Day’ setzt eigene Akzente. David Eugene Edwards prägt den Song mit seiner markanten Stimme deutlich stärker als Joe Duplantier zuvor. Schwere Riffs, elektronische Elemente und melodische Gitarren verbinden sich zu einer düsteren Mischung aus Dark Folk, Gothic und Swans-artiger Monumentalität. ‘From Grey To Black’ kehrt dagegen zu aggressiven Sludge-Riffs zurück und punktet mit einer einprägsamen Melodie.
Zum Abschluss zieht ‘Burial’ noch einmal alle Doom-Register. Ein knarzender Bass und lange Spannungsbögen münden in ein monumentales Finale. Das verspielte Gitarrensolo setzt einen schönen Akzent. Inhaltlich treffen Perssons atheistische Haltung und die religiösen Bilder seiner Kindheit auf die eigene Sterblichkeit.
Die Texte verbinden innere Dämonen, kollektive Verblendung und die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit zu einem stimmigen Gesamtbild. Musikalisch bleiben Cult Of Luna ihrem schwergewichtigen Post Metal treu, erweitern das Spektrum aber um einige reizvolle Kontraste. Gelegentlich hätte dem Material allerdings etwas mehr Straffung gutgetan. Auch in seiner thematischen und emotionalen Tiefe erreicht das Album nicht ganz seinen Vorgänger. Ein starkes Werk ist “In The Shadow Of Your Shadow” dennoch – nur eben keines, das sich dauerhaft im Schatten seines Vorgängers freischwimmen kann.
Bewertung: 11/15 Punkten

Besetzung:
• Johannes Persson – Gesang, Gitarre
• Fredrik Kihlberg – Gesang, Gitarre
• Magnus Lindberg – Gitarre, Schlagzeug, Percussion
• Andreas Johansson – Bass
• Thomas Hedlund – Schlagzeug, Percussion
• Kristian Karlsson – Keyboards, Gesang
Gastmusiker:
• Joe Duplantier – Gesang (‘Sadness Will Reign’)
• David Eugene Edwards – Gesang (‘One More Day’)
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