The Keening - Devotion

Doom Metal • Folk • Post Rock • Gothic Rock
(41:26; Vinyl, CD, Digital; Relapse Records; 16.10.2026)
The Keening verfeinern auf „Devotion“ ihre Mischung aus Doom, Folk und kammermusikalischer Schwermut, ohne sich weit aus dem selbst gezimmerten Trauerpalast herauszuwagen. Gegenüber „Little Bird“ wirkt das Songwriting fokussierter, die Arrangements sind noch feiner verwoben, allerdings bleiben größere postmetallische Ausbrüche diesmal weitgehend aus. Während das Debüt seine dunklen Klanglandschaften häufiger zu cineastischen Spannungsbögen ausweitete, setzt der Nachfolger stärker auf Verdichtung und Zurückhaltung.
Die vierteilige Titelsuite beginnt mit ‚Golden Thread‘ zurückhaltend und melancholisch, ehe ‚Fitful Sleep‘ die unterschwellige Unruhe verstärkt. ‚The King‘ zieht die musikalischen Schatten mit kräftigeren Gitarren und mehr Druck länger, bevor ‚O Mother‘ wieder in fragile, kammermusikalische Gefilde zurückkehrt.
‚A Little Bit Of Blood‘ wächst vom akustischen Einstieg zur eindringlichen Hymne und resoniert verdammt stark mit mir. Der Song gehört schon jetzt zu meinen persönlichen Liedern des Jahres und wird einen festen Platz in meiner Playlist neben ‚The Light Will Stay On‘ von The Walkabouts finden – musikalisch grundverschieden, emotional aber aus einer ähnlich melancholischen, zugleich tröstlichen Ecke.
Das zarte ‚Time Travel‘ setzt auf fein verwobene Arrangements, während ‚The Murder Of Anna Brown‘ den Reigen mit dunklem Folk und zurückhaltender Schwere beschließt.
Dass Rebecca Vernon das Album ihrem verstorbenen Vater widmet und darin die widersprüchlichen Seiten von Hingabe zwischen Liebe und Sucht auslotet, passt zur Musik. Die emotionale Wirkung entsteht vor allem aus subtilen Verschiebungen, intimen Momenten und der sorgfältigen Verzahnung der Instrumente. Wer am Debüt gerade dessen eruptive Kontraste schätzte, dürfte auf „Devotion“ gelegentlich jene Momente vermissen, in denen die behutsam aufgebauten Arrangements aus ihrer Zurückhaltung ausbrechen.
Bewertung: 12/15 Punkten

Besetzung:
Rebecca Vernon
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