The Flower Kings - Hope

The Flower Kings - Hope (InsideOut Music/Sony Music; 23.10.2026)

Progressive Rock • Symphonic Rock • Retro Prog
(57:15; Vinyl (2LP), CD, CD + Blu-ray, Digital; InsideOut Music/Sony Music; 23.10.2026)
Mit The Flower Kings bin ich bislang nie so richtig warm geworden, und “Hope” wird daran kaum etwas ändern. Auf Album Nummer 18 fährt die schwedische Prog-Institution wieder das große Besteck auf: ‘World Spinning – The Final Curtain’ bringt es auf knapp 19, ‘The Gods Of Rome’ gar auf fast 30 Minuten. Dazwischen sollen zwei kürzere Nummern verhindern, dass die Sache vollends aus dem Ruder läuft. Inhaltlich geht es um Liebe, Vergänglichkeit, Gier und Machtmissbrauch – also um die üblichen Verdächtigen.

‘World Spinning – The Final Curtain’ macht gleich zu Beginn deutlich, wohin die Reise geht: melodischer Retro-Prog, ausladende Instrumentalpassagen und genügend Wendungen, um die knapp 19 Minuten zu füllen. Die einzelnen Ideen haben durchaus ihren Reiz, und handwerklich gibt es wenig zu beanstanden. Nur entwickelt sich daraus für mich nicht die erhoffte Sogwirkung. Kaum scheint sich ein Gedanke zu einer Richtung zu verdichten, öffnet sich schon die nächste musikalische Abzweigung. Das hält die Nummer in Bewegung, lässt sie aber zugleich etwas zerfasert wirken. Statt die Spannung über die gesamte Länge konsequent aufzubauen, reiht das Stück für mich zu viele musikalische Ideen aneinander. Dass die einzelnen Teile kaum fließend ineinander übergehen, verstärkt den Eindruck, dass sie eher nebeneinanderstehen, als sich zu einem überzeugenden Ganzen zu verbinden. Interessant bleibt das durchaus, nur fehlt mir mitunter das Gefühl, dass die Musik an dieser Stelle unbedingt weiterführen muss.

‘In A World Of Fools’ macht es mir mit seiner kompakteren Form leichter. Die Melodik ist zugänglich, der hymnische Charakter unverkennbar, und der Song kommt schneller auf den Punkt. Allerdings wird mir der Wohlklang auf Dauer etwas zu süßlich serviert; irgendwann ist auch die schönste Melodie satt gehört. Das Instrumental ‘Mars & Minerva’ lockert den Ablauf auf und bietet Raum für das versierte Zusammenspiel, bleibt bei mir aber eher als Zwischenstation denn als eigenständiger Höhepunkt hängen.

Mit ‘The Gods Of Rome’ hebt sich der Vorhang für das knapp halbstündige Finale, dessen musikalische Wurzeln bis zu einem älteren, ursprünglich orchestralen Projekt von Roine Stolt zurückreichen. Der Einstieg gibt sich zunächst entspannt und melodisch, bevor Gesang, Gitarre und Keyboards das Material nach und nach ausweiten. Die wechselnden Stimmungen und Klangfarben sorgen durchaus für Abwechslung: Mal stehen verträumte Passagen im Vordergrund, dann wird es verspielter, rhythmisch beweglicher oder mit Akkordeon und Violine auch einmal ungewohnt farbig. Gerade im Zusammenspiel blitzt immer wieder auf, wie viel musikalisches Können hier versammelt ist. Gegen Ende zieht die Band noch einmal größere Bögen, mit markanten Gesangslinien und ausladenden Instrumentalpassagen, die dem Stück einen entsprechend opulenten Abschluss verleihen.

Trotz dieser Vielfalt will sich bei mir jedoch kein durchgehender Spannungsbogen einstellen. Die einzelnen Abschnitte haben ihre eigenen Reize, wirken aber nicht immer wie notwendige Schritte auf dem Weg zu einem gemeinsamen Ziel. Wo andere möglicherweise in den wechselnden Motiven und ausgedehnten Soli aufgehen, verliere ich zwischendurch den Faden. Fast 30 Minuten sind eine Menge Zeit, und nicht jede musikalische Idee gewinnt dadurch automatisch an Gewicht. So bleibt ‘The Gods Of Rome’ für mich ein ambitioniertes Stück mit zahlreichen schönen Momenten, dessen Umfang den kompositorischen Zusammenhang aber nicht durchgehend trägt.

Der Wechsel zwischen Roine Stolt und Hasse Fröberg am Mikrofon gehört längst zur DNA der Band und bringt Farbe ins Klangbild. Auch instrumental blitzt immer wieder auf, was die versierten Schweden können. Nur scheint hier nicht jede Idee zu wissen, wann es genug ist. Was als Detailreichtum gedacht sein mag, wird für mich stellenweise zur ausgedehnten Ehrenrunde.

Wer auf sonnigen, melodischen Retro-Prog mit symphonischem Einschlag steht, wird bei “Hope” vermutlich bestens versorgt. Ich bleibe eher Zaungast: Es gibt genug zu entdecken, aber zu selten das Gefühl, dass all die Einfälle tatsächlich auf ein gemeinsames Ziel zusteuern.
Bewertung: 9,5/15 Punkten


The Flower Kings - Hope (InsideOut Music/Sony Music), 23.10.2026)
Credit: Tobias Andersson

Besetzung
• Mirko DeMaio – Schlagzeug, Percussion
• Hasse Fröberg – Gesang, E-Gitarre, Akustikgitarre
• Lalle Larsson – Piano, Keyboards
• Michael Stolt – Bass, Moog-Bass, Gesang
• Roine Stolt – Gesang, E-Gitarre, 6- und 12-saitige Akustikgitarre, Keyboards, Percussion

Gastmusiker
• Jannica Lund – Hintergrundgesang (2)
• Juraj Stieranka – Violine (4)
• Aliaksandr Yasinski – Akkordeon (4)

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.