Sheryl Crow - Pick You Up

Sheryl Crow - Pick You Up (Old Green Barn Productions LLC-Thirty Tigers/OPEN;09.10.2026)
Credit: Tyson Grumm

Americana • Roots Rock • Folk Rock • Country Rock
(25:03; Vinyl, CD, Digital; Old Green Barn Productions LLC/Thirty Tigers/OPEN;09.10.2026)
Früher kam es des Öfteren vor, dass ich ein Album aufgrund seines Plattencovers nicht blind, sondern taub gekauft habe – insbesondere dann, wenn die Kunstwerke aus dem Hause Hypnosis oder von Roger Dean stammten und damit eine gewisse Wahrscheinlichkeit für Progressive Rock bestand. Heute passiert mir das kaum noch. Manchmal lasse ich mich allerdings dazu hinreißen, eine Rezension zuzusagen, bevor ich überhaupt hineingehört habe, wenn das Artwork entsprechend vielversprechend aussieht.

So geschehen bei Sheryl Crows „Pick You Up“. Die US-Amerikanerin, die mit Alternative, Country und Americana groß geworden ist, schmückt ihr zwölftes Studioalbum mit Tyson Grumms surrealem Gemälde „The Elephant Who Forgot The Ocean“. U-Boot, Elefant, Pinguine – das sieht nun einmal eher nach Progressive Rock als nach Americana aus. Entsprechend lag die Hoffnung auf einer Art The-Decemberists-Variante nahe, bei der Americana, Prog und Artrock zusammenfinden.

Diese Hoffnung erfüllt „Pick You Up“ allerdings nicht. Das Album ist zwar deutlich gitarrenorientierter als Crows üblicher Pop Rock, arbeitet stellenweise mit längeren Spannungsbögen und Crescendi und klingt insgesamt etwas erdiger und weniger glatt produziert. Von Progressive oder Artrock kann trotzdem keine Rede sein.

Das irreführende Cover ist dabei gar nicht als musikalischer Hinweis gedacht. Crow gefiel Grumms Bild, sie fragte ihn, ob sie es für ihr Album verwenden dürfe, und kaufte das Original anschließend sogar. Musikalisch bleibt sie bei Americana, Roots Rock und Folk Rock. ‚Flat Earth‘ bringt etwas Blues und Gewicht ins Spiel, ‚Freight Train‘ bewegt sich entspannt zwischen Folk und Country Rock, ‚Freedom Bus‘ erinnert am ehesten an den klassischen Crow-Rock der 90er. Dazwischen sorgen akustische Gitarren, Pedal Steel, Hammond und ein angenehm organischer Bandsound für Abwechslung.

Mit sieben Songs und knapp 25 Minuten ist „Pick You Up“ allerdings schnell wieder vorbei. Ursprünglich als EP gedacht, wirkt das Album entsprechend eher wie eine konzentrierte Sammlung von Songs als wie ein größerer musikalischer Entwurf. Inhaltlich geht es um Einsamkeit, Verbundenheit, gesellschaftliches Chaos und die Hoffnung, darin trotzdem etwas Positives zu finden. Das passt zur Musik, verlangt ihr aber auch keine großen interpretatorischen Verrenkungen ab.

Handwerklich ist „Pick You Up“ durchaus ordentlich, an das Songwriting ihrer großen Hits aus den 90ern reicht das Album allerdings nicht heran. Die wirklich markanten Melodien und Songs, die auch nach dem Ende der knapp 25 Minuten noch im Gedächtnis bleiben, fehlen diesmal. Das schöne Versprechen, das das Cover gemacht hatte, kann die Musik damit naturgemäß nicht einlösen.
Bewertung: 9/15 Punkten


Sheryl Crow - Pick You Up (Old Green Barn Productions LLC-Thirty Tigers/OPEN;09.10.2026)
Credit: Dove Shore

Besetzung:
• Sheryl Crow – Gesang, Akustische Gitarre, Bass, Wurlitzer, Hammond B3, Mellotron
• Jeff Trott – Akustische und elektrische Gitarre, Slide-Gitarre, Mellotron
• Fred Eltringham – Schlagzeug, Percussion
• Tim Smith – Begleitgesang, Bass, E-Gitarre
• Russ Pahl – Pedal Steel
• Jennifer Gunderman – Piano, Hammond
• Audley Freed – E-Gitarre

Gastmusiker:
• Jesse Welles – Gesang, Akustische Gitarre

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.