Llueven Animales - Sifo Curso

Trip Rock • Psychedelic • Instrumental • Post Rock
(1:03:53; Digital; Eigenveröffentlichung; 02.10.2026)
Instrumentaler Trip Rock aus Chile, ganz nach meinem Geschmack. Und ja, die Chilenen haben ja auch hier und da seit vielen Jahren starke Vertreter innerhalb ihrer psychedelischen Prog-Szene. Fünf epische Songs zwischen sechs und zwanzig Minuten sind erst mal eine Ansage, bürgen aber natürlich noch lange nicht für Qualität. Irgendwo zwischen den Tiefen der frühen Godspeed-You!-Black-Emperor-Aufnahmen und weitläufigen psychedelischen Nebelfeldern passiert hier einiges, um so richtig schön ins Träumen und Driften zu kommen. Spannende Auf-und-ab-Momente, Piano, Ambient, Stille und dann wieder diese wabernd-trippigen Klangmalereien, die dank guter Produktion und toller Bassläufe Kopfkino-Momente ohne Ende bescheren. Mit ’nem Hauch Melancholie, der absolut perfekten Schnittmenge aus pastoraler postiger Glückseligkeit, etwas psychedelischer Rauchware und progressiven Abfahrten gibt es hier über die Laufzeit des Albums viele richtig starke Rausch-Momente.

Vorsichtig heimatliche Folk-Anklänge in den Akkorden des Openers ‚Miss Rubinstein‘ lull(en) erst mal liebevoll ein, gehen dann irgendwann in voller Schönheit durch die imaginäre Decke. Der Sound federt warm und massig, die Details sind hervorragend in Szene gesetzt, und mit diesem dichten Fundament saugt man den Hörer ins dramatische Szenario. Wirklich fordernde Dissonanzen und progressive Experimente bleiben zum Glück draußen. Trotzdem hat das dank der dynamischen Ausrichtung und der cineastischen Inseln maximale musikalische Breitwand-Wirkung, sofern man Lust und Zugang zu dieser Art zügellosen Trip Rock hat. Scharfe, schleifende Gitarren-Akkorde und kratzige Crescendi gibt’s nichtsdestotrotz, nur werden diese dank der Score-affinen Ambient-/Drone-Abfahrten so richtig schön kontrastiert.

‚Primero, las flores‘ ist mit 17 Minuten ein perfektes Beispiel und kommt am Ende noch einmal richtig satt in Fahrt. Das epische Drone-Finale ‚Ganso Húngaro‘ ist mit seiner sinistren Melodik ein maximal surreales David Lynch-Stillleben, hat so viel Nacht und Tristesse im Gepäck und entwickelt dann innerhalb seiner 20 Minuten einen intensiven Sog, wie er leidenschaftlicher nicht zupacken könnte. Das ist sehr nah am Debüt der Kanadier von GY!BE und berührt meine Synapsen auf mannigfaltige Weise. „Sifo Curso“ ist instrumentale Musik für nächtliche Autofahrten, bei denen schwach am Firmament/Horizont das erste Licht des Tages ruft. Aus vielen Fragmenten und Zutaten wird ein teilweise sehr düsteres Szenario moduliert, das den Hörer trotz der langen Laufzeiten – oder gerade deshalb – so richtig auf die „Road to Nowhere“ schickt.
Bewertung: 13/15 Punkten


Besetzung:
• Andrés J. Barquín
• Nicolás Pozo
• Víctor Escobedo
• Sebastián Rodríguez
• Joaquín Rodríguez

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Abbildungen: Llueven Animales/Bandcamp