Graveyard - Fever
Vintage Hard Rock
(38:26; Vinyl, CD, Digital; Nuclear Blast; 09.10.2026)
Als die Vintage-Rock-Mania in den frühen Jahren des neuen Jahrtausends Einzug hielt, u. a. Rival Sons, Witchcraft, Siena Root, Kadavar neben den Schweden von Graveyard ordentlich Laune verbreiteten, gereichte es für mich zur Initialzündung, nach Jahren des Vinyl-Verdrusses endlich wieder einen neuen Player anzuschließen, um der liebevollen Sucht zu frönen.
Mit „Hisingen Blues“ oder „Lights Out“ hatten die Nordlichter gehörigen Anteil am Comeback der Schlaghosen und fuzzigen Retro-Grooves. Die zwischenzeitliche Auflösung der Band und die dann eher unspektakuläre Rückkehr führen nun zur alten Platte „Fever“.
Hm, was soll ich sagen, so sehr ich auch die alten Platten liebe und die Neue satt an vielerlei Stellen rockt, werde ich verdammt noch mal nicht so warm, wie ich es mir eigentlich von „Fever“ erhofft hab.
Mit dem Opener ‚Back From The Grave‘ geht’s eigentlich passabel los: dreckiger Fuzz, exaltierte Vocals und schön sleazy/catchy weiß man erstmal gut reinzuschneien in die neue Rille. ‚Tongue Tied‘ böllert mächtig mit Tempo, fast punkiger Attitüde und rotzigen Vocals nach vorne, hat massig Energie im Gepäck.
Mit dem an Deep Purple oder Black Sabbath angelehnten ‚A Better Cut‘ geht’s dreckig und schleppend weiter, nur will mich der Refrain, die Melodieführung nicht vollumfänglich abholen. Der schön organische, gänzlich unpolierte Sound macht Spaß und klingt nach Proberaum, und mit ‚Year Of The Horse‘ wird’s wieder ohne Umschweife scharf und geradlinig.
Ein wenig alter Punk-Vibe, MC5, The Doors oder die Stooges schwingen im Sound mit, was mir so bei den Schweden nicht in Erinnerung war. ‚A Means To An End‘ scheppert wieder simpel und straight, der Gesang nutzt immer einen Hauch Verzerrung und Effekte, aber auch hier fehlt mir in Gänze die frühere Catchyness, die Graveyard ausmachte und Bands wie Kadavar oder den Rival Sons zuletzt immer noch gut zu Gesicht stand.
‚Time To Tell‘ ist fuzziger Blues Rock, schön retro im Doors-Gewand, erreicht aber nicht die Klasse der zuletzt besseren Genre-Brüder. Nichts ist wirklich verkehrt an „Fever“, aber im Vergleich zu den begeisternden, frisch-freien Kadavar-Releases oder den zumindest kontinuierlich starken Rival Sons fehlt mir hier einfach etwas die alte Klasse, der besondere Charme der Schweden, der gerade die frühen Veröffentlichungen berechtigterweise zu den herausragenden Vintage-Rock-Erlebnissen fürs neue Jahrtausend machte.
Bewertung: 10/15 Punkten
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Nuclear Blast Records zur Verfügung gestellt.
