Villagers Of Ioannina City - Venceremos

Villagers Of Ioannina City - Venceremos (Napalm Records; 18.09.2026)

Heavy Rock • Psychedelic Rock • Progressive Rock • Folk
(1:00:15; Vinyl (2 LP), CD, Digital; Napalm Records; 18.09.2026)
Die Bewohner der Stadt Ioannina melden sich nach sieben Jahren zurück. Und weil sieben Jahre offenbar die angemessene Zeit sind, um sich Gedanken darüber zu machen, wie man eine dystopische Zukunft musikalisch am besten bekämpft, heißt das Ergebnis „Venceremos“ – spanisch für „Wir werden siegen“. Das klingt zunächst nach politischem Kampfaufruf, ist bei Villagers Of Ioannina City aber weniger Parole als konsequente Fortsetzung ihres bisherigen Weltbildes: Heimat, Natur, kosmische Spiritualität und jetzt eben Widerstand gegen eine Welt aus Kontrolle, Angst und modernen Göttern.

Musikalisch haben die Griechen ihren ohnehin ziemlich unverwechselbaren Stoner-Psychedelic-Folk-Prog inzwischen deutlich in Richtung Heavy Rock und Metal verschoben. „Venceremos“ erwischt mich damit tatsächlich auf dem richtigen Fuß, denn genau diese härtere Gangart hatte mir bei Villagers Of Ioannina City bislang gelegentlich gefehlt. Statt des starken psychedelischen Geistes von „Age Of Aquarius“ muss ich bei dieser Langrille zudem immer wieder an die clean gesungenen, melodischen Momente von The Ocean denken. Die Mischung aus wuchtigen Gitarren, psychedelischen Passagen und den unverwechselbaren griechischen Folk-Instrumenten wirkt dabei erstaunlich selbstverständlich, und die neue Ausrichtung steht der Band ausgesprochen gut.

Zwischen dem kurzen atmosphärischen ‚Alienation‘ und dem abschließenden treibenden ‚Requiem‘ wird vor allem bei ‚Home‘ und ‚Here And Now‘ klar, dass Villagers Of Ioannina City auch in langen Stücken mehr können, als einfach nur möglichst ausdauernd vor sich hinzudampfen.

‚Ghosts In The Sky‘, ‚Venceremos‘, ‚The Ruiner‘ und ‚No Fear‘ drücken dagegen ordentlich aufs Gaspedal.

Das Titellied verbindet dabei besonders schön die wuchtige Gitarrenarbeit mit psychedelischen Momenten und den griechischen Folk-Elementen, ohne dabei seinen druckvollen Rockcharakter aus den Augen zu verlieren.

Folk, Psychedelic und zunehmend metallische Gitarren greifen so selbstverständlich ineinander, dass selbst der Dudelsack irgendwann wirkt, als wäre er schon immer für Heavy Rock erfunden worden. Gerade diese Mischung macht „Venceremos“ über weite Strecken ausgesprochen packend und sorgt dafür, dass die langen Stücke trotz ihrer ausufernden Spielzeiten nicht in belanglosem Gedudel versanden.

Ganz überraschend kommt diese Entwicklung allerdings nicht. „Age Of Aquarius“ hatte bereits gezeigt, wie selbstverständlich die Griechen harte Riffs, Psychedelic Rock und ihre Folk-Elemente miteinander verbinden können, damals allerdings mit deutlich mehr kosmischem Überbau. Live konnte mich die Band 2022 weniger packen, weil mir das gemächliche Dahintreiben und die vergleichsweise statische Bühnenpräsenz damals nicht sonderlich entgegenkamen.

„Venceremos“ gefällt mir nun deutlich besser, als dieser Liveeindruck erwarten ließ. Wo „Age Of Aquarius“ noch stärker ins Spirituelle und Kosmische abdriftete, geht es hier erdiger, direkter und mit deutlich mehr Druck zur Sache. Villagers Of Ioannina City werfen ihren eigenen Sound dabei keineswegs über Bord, sondern entwickeln ihn konsequent weiter. Dudelsack und schwere Gitarren stehen dabei keineswegs gegeneinander, sondern ergeben zusammen mit dem melodischen Gesang genau jene eigenwillige Mischung, die Villagers Of Ioannina City unverwechselbar macht. Eine ausgesprochen gelungene Weiterentwicklung und für mich ein Album, das die siebenjährige Wartezeit ziemlich überzeugend rechtfertigt.
Bewertung: 13/15 Punkten


Villagers Of Ioannina City - Venceremos (Napalm Records; 18.09.2026)
Credit: Dubravka Rasic

Besetzung
Alex Karametis – Gesang, Gitarre, Synthesizer
Akis Zois – Bass
Aris Giannopoulos – Schlagzeug
Dimitris Brentas – Blasinstrumente

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von All Noir zur Verfügung gestellt.