Uncle Acid & The Deadbeats - Shapes Of Midnight

Uncle Acid & The Deadbeats - Shapes Of Midnight (Killer Candy Records/Redeye; 18.09.2026)

Doom Metal • Psychedelic Rock • Hard Rock • Glam Rock • Heavy Psych
(45:01; Vinyl, CD, Digital; Killer Candy Records/Redeye; 18.09.2026)
Uncle Acid & The Deadbeats waren noch nie besonders gut darin, sich auf eine Schublade festnageln zu lassen – und „Shapes Of Midnight“ macht diese Angelegenheit nicht gerade einfacher. Doom Metal ist weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Sounds, kommt hier aber deutlich weniger bleischwer daher, als man es vom Genre erwarten könnte. Stattdessen schiebt sich ein ausgesprochen eigenständiger Mix aus Psychedelic Rock, Hard Rock und Glam Rock nach vorn, der treibend, melodisch und erstaunlich eingängig daherkommt. Dazu kommt eine düstere Welt aus Horrorbildern, Machtmissbrauch, Angst und Vergeltung, die sich lose an Edgar Allan Poes „The Masque Of The Red Death“ anlehnt.

Schon ‚House By The Grave‘ zeigt, wohin die Reise geht: treibende Riffs, fuzzy Gitarren, Orgel und melodische Gesangslinien, die sich ziemlich unverschämt schnell im Hirn festsetzen. Friedhof, Hexerei und schwarze Vögel liefern die Horrorfolie, hinter der sich Schuld und Vergeltung verbergen. Gegen Ende bricht der Song noch in einen wilden, jamartigen Teil aus, bevor ‚When Evil Wakes‘ mit einem klassischen Gitarrensolo nachlegt.

‚When Evil Wakes‘ verbindet seine düstere Atmosphäre mit ziemlich direkten Seitenhieben auf Macht, Propaganda und gesellschaftlichen Rückschritt. ‚Don’t Let It Control You‘ warnt davor, sich von Hass und Manipulation vereinnahmen zu lassen und bringt gleichzeitig die vielleicht unmittelbarste Hook des Albums.

‚Psycho On The Loose‘ landet mit seinem Intro irgendwo zwischen Iron Maiden und Synthwave und verbindet den Horrortrip mit einer gehörigen Portion Rock’n’Roll.

‚I Won’t Sleep (’Til You’re Gone)‘ zeigt die melodischere und beinahe poppige Seite, während der Text mit Geldgier, Korruption und einem ziemlich widerlichen Machtmenschen abrechnet. ‚The Other Side Of The Sky‘ taucht tiefer in Galgen, Henker und Verrat ein, ‚Sleep No More‘ bündelt schließlich noch einmal die düstere Mischung aus Angst, Manipulation und Vergeltung. Die Horroroptik bleibt dabei stets präsent, ohne dass die Songs zu bloßen Soundtracks für ein Spukhaus werden.

Nach dem stilistischen Ausflug von „Nell’ Ora Blu“ wirkt die Rückkehr zu Gitarren, Fuzz und analogem Rockinstrumentarium keineswegs wie ein Rückschritt. Die Erfahrungen mit Synthesizern und Soundtrack-Ästhetik haben vielmehr neue Farben in den alten Uncle-Acid-Kosmos geschmuggelt. Aufgenommen wurde live auf Band in den Abbey Road Studios, mit altem EMI-Equipment und einer entsprechend organischen Produktion.

Für mich funktioniert „Shapes Of Midnight“ gerade deshalb so gut, weil Uncle Acid Doom, Psychedelic Rock, Hard Rock, Glam Rock und NWOBHM zu einem eigenständigen, treibenden und ausgesprochen melodischen Sound verbinden, bei dem die Hooks ebenso hängen bleiben wie die fuzzy Gitarren und verspielten Orgeln. Auch textlich steckt unter der Horroroberfläche mehr als bloße Gruselfolklore: Macht, Manipulation, Angst und Vergeltung ziehen sich als roter Faden durch die Platte. Ein paar längere Passagen könnten etwas zwingender auf den Punkt kommen, aber das sind eher kleine Kratzer als echte Schwächen.

Unterm Strich entfaltet „Shapes Of Midnight“ seine Wirkung weniger über bleierne Schwere als über Riffs, Melodien und Atmosphäre. Doom ist da, aber eben nicht als tonnenschwere Dauerbelastung – die Songs treiben, bleiben im Ohr und machen schlicht Spaß. Ganz oben im Uncle-Acid-Katalog landet es bei mir zwar nicht, insgesamt ist das aber ein eigenständiges und kurzweiliges Album.
Bewertung: 12/15 Punkten


Uncle Acid & The Deadbeats - Shapes Of Midnight (Killer Candy Records/Redeye; 18.09.2026)
Credit: Karin Hunt

Besetzung:
Kevin Starrs – Gesang, Lead-Gitarre
George Hudson – Rhythmus-Gitarre, Gesang
Jus Smith – Bass
Jon Rice – Schlagzeug
Rachel Burnett – Keyboards, Gesang

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.