SUBMASQ - Spirit Animal

Progressive Metal • Progressive Rock • Ethno-Rock • Oriental Metal
(41:57; Vinyl, CD, Digital; Willowtip; 18.09.2026)
Aus dem musikalischen Gemischtwarenladen ist ein Fachgeschäft für Progressive Metal alter Schule mit Spezialisierung auf nahöstliche Spezialitäten geworden. SUBMASQ, vormals Subterranean Masquerade, haben auf „Spirit Animal“ zwar keineswegs ihre Lust an stilistischen Seitensprüngen verloren, doch inzwischen wirkt das Sortiment deutlich geordneter. Wo „Mountain Fever“ noch munter Hardcore-Punk, Gospel, Balkanbläser, Death Metal, Symphonik und orientalische Musik nebeneinander ins Regal stellte, konzentriert sich das neue Album stärker auf die eigene Kernkompetenz.
Oud, Bouzouki, Tabla, Handpan und Streicher sind dabei keine exotische Dekoration, sondern selbstverständlich in die Kompositionen integriert. ‚Cardamom‘ macht das gleich mit dem Gastauftritt von Ron „Bumblefoot“ Thal deutlich: orientalische Instrumentierung, schwere Gitarren und ein virtuoses Solo müssen sich nicht gegenseitig die Show stehlen. ‚Monuments‘ verbindet melancholische Melodien mit Grunge-Wucht und Prog, während ‚Mechanical Prayers‘ nach düsterem orientalischem Einstieg plötzlich mit einem beinahe funkigen Refrain um die Ecke kommt.
‚Calypso‘ schlägt wieder dunklere und progressivere Töne an, ‚Anger‘ klingt zunächst erstaunlich wenig nach dem, was der Titel verspricht, und ‚Sanctified‘ setzt mit Chören und Wüstenflair einen atmosphärischen Höhepunkt.
‚Uman Inshallah‘ hält es etwas rockiger und direkter, ‚The Unlucky‘ schiebt den Metal-Anteil wieder nach vorne, bevor ‚Trust‘ das Album vergleichsweise nachdenklich ausklingen lässt. Das komplette Genre-Sortiment wird also nicht mehr bei jedem Song auf den Verkaufstresen gekippt.
Das kommt der Musik durchaus zugute. „Mountain Fever“ konnte beim ersten Durchlauf noch wie ein musikalischer Überfall wirken, bei dem ständig irgendwo ein neues Instrument, ein neuer Stil oder eine neue Emotion um die Ecke bog. „Spirit Animal“ lässt den einzelnen Ideen mehr Raum und setzt stärker auf nachvollziehbare Songstrukturen, Melodien und wiederkehrende Motive. Progressiv bedeutet hier weniger, möglichst viele Haken zu schlagen, sondern verschiedene musikalische Traditionen so miteinander zu verbinden, dass daraus etwas Eigenes entsteht. Die Überraschungen sind damit nicht verschwunden, sie müssen nur nicht mehr alle gleichzeitig stattfinden.
Thematisch bleibt SUBMASQ dabei keineswegs an der Oberfläche. „Spirit Animal“ verarbeitet autobiografisch Trauma, Sucht, bipolare Erkrankung, kollektive Erinnerung sowie die Suche nach Identität und Zugehörigkeit. Davidavi Dolevs Texte greifen diese Themen auf, ohne dass die Musik zur bloßen Begleitmusik für eine Therapiesitzung degradiert wird. Seine Stimme fungiert ohnehin mehr als weiteres Instrument im Klanggefüge: mal melodisch und beinahe weich, mal rau und growlend.
Gerade diese Verbindung aus Härte, Melodie und orientalischer Klangsprache bleibt die eigentliche Spezialität von SUBMASQ. Die Band muss 2026 nicht mehr beweisen, dass sie möglichst viele musikalische Grenzen ignorieren kann. Sie weiß inzwischen ziemlich genau, welche davon sie überhaupt noch überschreiten möchte. Das macht „Spirit Animal“ weniger überraschend als „Mountain Fever“, aber auch konzentrierter und in seinen besten Momenten überzeugender.
Der Gemischtwarenladen ist also nicht geschlossen worden. Er hat lediglich umgeräumt und wurde umbenannt. Wer früher wegen des kompletten Sortiments kam, muss vielleicht ein wenig länger stöbern; wer sich inzwischen für die Fachabteilung interessiert, bekommt dafür eine ziemlich eigenständige Auswahl geboten.
Bewertung: 11/15 Punkten

Besetzung:
• Davidavi „Vidi“ Dolev – Gesang
• Golan Farhi – Bass
• Tomer Pink – Gitarre
• Yalon Schori – Schlagzeug
• Or Shalev – Gitarre
• Shai Yallin – Keyboards, Elektronik, Handpan
Gastmusiker:
• Ron „Bumblefoot“ Thal – Gitarre
• Yatziv Caspi – Tabla
• Matan Shmueli – Percussion
• Idan Amsalem – Oud, Bouzouki
• Oren Tsor – Violine
• Noa Ayali – Cello
• Roni Fishbein – Backing Vocals
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Clawhammer zur Verfügung gestellt.