Sigh - Goh-Ka

Sigh - Goh-Ka (Peaceville/Tonpool; 04.09.2026)

Avantgarde Metal • Black Metal • Progressive Metal • Symphonic Metal
(58:18; Vinyl (2 LP), CD, Digital; Peaceville/Tonpool; 04.09.2026)
Die verrückten Japaner sind wieder da. Obwohl … eigentlich sind sie gar nicht verrückt. Zumindest nicht auf „Goh-Ka“. Es sei denn, man bezeichnet ein Album als wahnsinnig geil, das Prog und Black Metal derart selbstverständlich miteinander verheiratet. Vielleicht ist das hier sogar das beste Sigh-Album.

Dabei könnte das Konzept kaum besser zur Musik passen. „Goh-Ka“ handelt von Tod, Vergänglichkeit und Karma und nimmt sich dafür die buddhistischen Kuso-Zu-Darstellungen vor, auf denen der menschliche Körper in neun Stadien vor sich hin zerfällt. Klingt nach einem richtig gemütlichen Abend. Sigh machen daraus allerdings keine Trauerfeier, sondern eine musikalische Reise zwischen Schönheit und Verfall.

Gerade dieses Wechselspiel ist großartig. Eben noch tiefschwarzer Black Metal, im nächsten Moment schwebt man durch die Traumwelten des 70er-Prog. ‚Anzenshokon‘ zeigt ziemlich exemplarisch, wie das funktioniert: japanische Folklore, hymnenhafter Black Metal und plötzlich diese wunderbar entrückte Atmosphäre, die beinahe bei King Crimsons „Epitaph“ vorbeischaut. Warum auch nicht?

Überhaupt ist „Goh-Ka“ ein musikalischer Gemischtwarenladen, bei dem erstaunlicherweise nichts auseinanderfällt. Prog, Black Metal, Psychedelic, Folk, Klassik, Elektronik und was Sigh sonst noch so aus den Schubladen ziehen, ergeben ein erstaunlich stimmiges Ganzes. ‚Unputenpu‘ bringt psychedelische Farben ins Spiel und bekommt mit dem Gastsolo von Mikael Åkerfeldt gleich noch einen kleinen Opeth-Bonus verpasst.

Das elfminütige ‚Kuso-Shi 8 And 9 / Mettaijakujo‘ kippt zum Schluss dann sowieso noch einmal den kompletten Sigh-Katalog über den Hörer.

Und genau deshalb funktioniert die Platte so gut: Sigh klingen nach fast 40 Jahren immer noch wie Sigh. Keine Selbstkopie, kein Alterswerk, kein „Wir machen jetzt mal was Bodenständiges“. Stattdessen Tod, Verfall, Karma und jede Menge musikalische Eskalation. Kann man machen.
Bewertung: 13/15 Punkten


Sigh - Goh-Ka (Peaceville/Tonpool; 04.09.2026)

Besetzung:
Mirai Kawashima – Gesang, Bass, Keyboards, Sampling, Programming
Dr. Mikannibal – Gesang, Saxophon, Shamisen
Nozomu Wakai – Gitarre

Gastmusiker:
Frédéric Leclercq – Bass
Mike Heller – Schlagzeug
Mikael Åkerfeldt – Gitarrensolo bei ‚Unputenpu‘

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von cmm zur Verfügung gestellt.