Shipwreck Orchestra - Papers Relating To An Unattributed Journal
Chamber Prog Folk • Instrumental
(1:03:20; Digital; Eigenveröffentlichung; 11.09.2026)
Ja, der Vorgänger „Lost Maps & Long Barrows“ traf im letzten Jahr mit seiner entspannten, unaufgeregten Gangart einen Nerv bei mir. Gemütlichkeit, ein vorsichtiger Hauch Wehmut und Melancholie, aber nur ganz sanft.
Diese sanftmütige, folkloristische Musikalität, die in jedem Fall progressive, verspielte Strukturen offeriert und am Ende trotzdem eher wie ein durchgehender, fließender Strom mit vielen kleinen Details und Wiedererkennungsmomenten ein Netz spinnt, bei dem man schnell die Zeit vergisst.
Diesmal ein Album in drei Bänden, jeweils vier Songs, die auch immer Zeit bekommen, sich zu entfalten. Musikalische Ideen, die dank der Rekonstruktion verschiedenster Bausteine aus dem 19. Jahrhundert ihre ganz eigene Vitalität und Melodiösität erfahren. Ich musste schon beim letzten Album so oft daran denken, wie britisch, wie lokal diese Art Chamber Folk mit all seinen diversen Instrumentarien Bilder evoziert.
Fakt ist, die Platte, das Musizieren der Band wirkt erneut wie ein Miteinander, ein Ineinandergreifen von Melodien, wiederkehrend und friedlich, still und nur am Rande mit dynamischen Spitzen versehen. Meist langsam und verträumt, versinkt das Orchester in seinem beruhigenden Spiel ohne Hast und Tempo, entschleunigt mit warmen Akkorden und Klängen.
Eher fließt das Ganze mit einem Hauch von Jazz, Soundtrack, Folk und stillem Progressive-Sound mit viel Piano, liebevoll akzentuierten Drums still vor sich hin, und man hat wahrlich einen ganz eigenen Radius im Sound gefunden, der „very unique“, ohne viel Krampf nach Höhepunkten suchend, in sich selbst kreist.
Für mich ist das die beste Musik zum Lesen oder durch die Lande zu fahren – Wald und Flur an mir vorbeiziehen zu lassen. Diese neue Rille kommt mir etwas leichter vor, spielt sich aber mit ähnlicher Finesse wie der Vorgänger schnell ins Herz, obwohl so viel Aufregendes am Ende nicht passiert.
Gut produziert bekommen alle Instrumente ihren zünftigen Platz und man merkt das Virtuose im kleinen Moment, die Wiederholung/Wiederkehr manch eines Akkords schafft diesen wohligen, behutsamen Drehmoment, der mich so hervorragend einzulullen weiß. Vermutlich ist das genau das Geheimnis des Shipwreck Orchestra.
Bewertung: 11/15 Punkten
Surftipps:
• Bandcamp
• YouTube
• Rezensionen, Liveberichte & Interviews
Abbildungen: Shipwreck Orchestra/Bandcamp
