Reinhard Lakomy – AËR
Elektronische Musik
(56:34; CD, Digital, Vinyl; Lacky Musik / Mosaik Music Promotion; 28.08.2026)
Es ist erst ein paar Monate her, dass der 2013 verstorbene Reinhard Lakomy hier vorgestellt wurde, denn im Zuge von Wiederveröffentlichungen seiner Alben, die in die Zeit fielen, als er sich mit der Elektronischen Musik beschäftigte, wurde sein Live-Album „Palastrepublik“ vorgestellt. Nun ist das nächste Album in neuer Form auf dem von Monika Lakomy weiter geführten Lacky Musik Label erschienen, nämlich das Studio-Album „Aër“, das 1991 auf dem Erdenklang-Label erschien. Die Trackliste ist unverändert, aber die Neuauflage wurde mit einem anderen Cover versehen.
Ein Credo des Musikers lautete: „Elektronik bietet über das normale Orchesterspektrum hinaus völlig neue Klänge – Klänge, die mit einem traditionellen Orchester nicht zu erreichen
sind“.
Der Auftakttrack ‚Stille mit italienischen Gedanken‘ kommt noch etwas süßlich daher, erinnert bisweilen an die „Bilitis“-Filmmusik. Doch das ist jetzt nicht die Art elektronischer Musik, die hier durchweg zu erwarten ist. Es tauchen melancholische Passagen auf, die an den griechischen Großmeister Vangelis erinnern, dann aber auch temporeiche Arrangements. Besonders stark wird es immer dann, wenn er sich obiges Zitat zu Nutze macht und in pompös-orchestralen Bereichen unterwegs ist. Dass auch mal klassisch Anmutendes auftaucht, verwundert kaum. Man teste mal das beachtliche ‚Balkan-Interludium‘ an.
Sehr stark ist das pompöse Titelstück, der darauffolgende abschließende Titel ‚Abschied‘ ist recht melancholisch geraten und bietet ein emotionales Highlight zum Ausklang eines hörenswerten Albums des gebürtigen Magdeburger Musikers. Überhaupt fällt die zweite Hälfte des Albums etwas spannender aus.
Fun-Fact am Rande: Lakomys Interesse an neuen Klangwelten wurde durch Treffen mit Tangerine Dream Gründer Edgar Froese intensiviert und brachte ihn dazu, sich ausgiebig mit elektronischer Klangerzeugung zu beschäftigen und letztendlich auch dazu, dass er von Froese Moog-Modular-System erwarb, das vorher in Besitz eines gewissen Mick Jagger war.
Knapp nach der Wende in einer turbulenten Zeit erschienen, kam dieses Album seinerzeit nicht wirklich zur Geltung und die Hoffnung ist, dass die aktuelle Neuauflage mehr Fans erreichen kann und möglicherweise neue Fans, speziell aus der EM-Szene, hinzugewonnen werden können.
Bewertung: 9/15 Punkten
Besetzung:
Reinhard Lakomy – keyboards
Surftipps:
• Wikipedia
• Rezensionen, Liveberichte & Interviews
Abbildungen: Mosaik Music Promotion
