Pure Reason Revolution - Terrifying Angels

Progressive Rock • Alternative Rock • Electronic
(50:02; Vinyl, CD, Digital; InsideOut Music/Sony Music, 25.09.2026)
Nach dem eher gemütlichen „Coming Up To Consciousness“ drehen Pure Reason Revolution auf „Terrifying Angels“ wieder am Härteregler. Grungige Gitarren, druckvolle Riffs und düstere Elektronik sorgen für ordentlich Wucht, ohne dass die Platte plötzlich zum Metal-Album mutiert. Bruce Soord hat beim Mix einen verdammt guten Job gemacht: Druckvoll, aber mit genügend Luft für Atmosphäre und Melodie.
Dabei geht die Band ihren Weg konsequent weiter. Nach „Eupnea“, „Above Cirrus“ und „Coming Up To Consciousness“ wird der PRR-Kosmos nicht neu erfunden, sondern um ein paar Ecken erweitert. Die Electronica sind weiterhin da, allerdings längst nicht so derb wie auf „Amor Vincit Omnia“ und „Hammer And Anvil“. Dafür darf es wieder ordentlich krachen.
Personell ist die Reunion-Phase inzwischen ebenfalls abgeschlossen. Chloë Alper, deren Ausstieg nach der Rückkehr der Band zunächst noch wie eine offene Baustelle wirkte, ist endgültig raus. Annicke Shireen hat ihren Platz inzwischen fest eingenommen und muss sich längst nicht mehr am Vorgängerinnenbonus messen lassen. Die mehrstimmigen Gesangsharmonien funktionieren weiterhin prächtig – und gehören nach wie vor zu den großen Trümpfen der Band.
Auch bei den Gästen wird inzwischen geklotzt. Mariusz Duda und Kristoffer Gildenlöw steuern Bass bei, dazu kommen unter anderem Paul Mullen und Kenneth Fitzgerald. Das passt zum mittlerweile ziemlich offenen Arbeitsansatz von Jon Courtney: Pure Reason Revolution sind längst kein abgeschlossenes Vierer-Puzzle mehr, sondern lassen sich von unterschiedlichen Mitspielern füttern, ohne dabei ihre eigene Handschrift zu verlieren.
Und trotzdem fließt das Album wunderbar. Trotz des Abwechslungsreichtums halten sich Härte und Atmosphäre prächtig die Waage. Gerade die langen, atmosphärischen Stücke finde ich prächtig: Die Band nimmt sich Zeit, Spannung aufzubauen, ohne sich darin zu verlieren.
Auch optisch geht es einen kleinen Schritt zurück. Nach den drei tierischen Motiven von „Eupnea“, „Above Cirrus“ und „Coming Up To Consciousness“ steht nun die Berliner Quadriga auf dem Cover. Die steinernen Figuren erinnern auffällig an die beiden Skulpturen von „The Dark Third“. Rückblick mit Ansage, musikalisch aber keine Rolle rückwärts.
Inhaltlich drehen sich die Texte um die dunkle Seite der Erlösung: Die titelgebenden Engel können retten und zerstören, Liebe und Erinnerung haben ihre Schattenseiten, Feuer und Licht treffen auf Abgrund und Dunkelheit. Vieles bleibt fragmentarisch und surreal – passt also ziemlich gut zur Musik.
‚Spin Like Fire‘ eröffnet griffig und grungig, ‚Black-Arrow Acrobats‘ verbindet Atmosphäre mit ordentlich Gitarrendruck, ‚Haywire Heart‘ ist nach 2:42 Minuten schon wieder Geschichte. Der Titeltrack nimmt sich zwölf Minuten, ‚Rumination Ruin‘ zieht die Schrauben an, ‚Below Radiance‘ sorgt mit Piano für etwas Luft und ‚Hold Your Wrath‘ darf zum Schluss fast 15 Minuten lang noch einmal alles zusammenwerfen.
Persönlich bin ich froh, dass Pure Reason Revolution die gemütlichen Gefilde wieder ein Stück verlassen haben. „Terrifying Angels“ ist kein nostalgischer Rückfall und auch kein Versuch, „The Dark Third“ neu aufzunehmen. Die Band macht einfach weiter – nur mit mehr Druck, starken Harmonien und einer ziemlich gelungenen Balance aus Härte und Atmosphäre.
Bewertung: 13/15 Punkten

Besetzung:
• Jon Courtney – Gesang, Gitarre, Bass, Keyboards, Percussion, Programming
• Greg Jong – Gitarre
• Annicke Shireen – Gesang
• Ravi Kesavaram – Schlagzeug
Gastmusiker:
• Mariusz Duda – Bass
• Kristoffer Gildenlöw – Bass
• Paul Mullen – Gitarre, Bass, Keyboards
• Paul Damian Hogan – Keyboards
• Augustine Rampolla – Bass
• Kenneth Fitzgerald – Piano
• Nate Smith – Schlagzeug
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