President - Blood Of Your Empire

President - Blood Of Your Empire (Atlantic Records, 04.09.2026)
Eugène Delacroix, The Battle of Poitiers

Metalcore • Alternative Metal • Industrial Metal • Electronic Rock • Pop
(37:16; Vinyl, CD, Digital; Atlantic Records, 04.09.2026)
President sind eines dieser seltsamen Phänomene, bei denen man sich fragt, ob hier gerade eine Band entsteht oder bereits eine perfekt durchinszenierte Marke existiert. Masken, Geheimniskrämerei, ein fiktives Präsidenten-Image, religiös aufgeladene Symbolik und ein Sound, der sich aus Metalcore, Djent, Pop, R&B, Industrial, Elektronik und Rap bedient – alles wirkt bis ins kleinste Detail geplant. Es ist keine billige Kopie irgendwelcher Erfolgsrezepte, sondern eher eine bis zur Perfektion ausgearbeitete Fälschung, bei der man sich irgendwann fragt, ob die Unterscheidung überhaupt noch eine Rolle spielt. Nach der EP „King Of Terrors“ folgt nun mit „Blood Of Your Empire“ das Debütalbum – und President treiben ihr Konzept musikalisch noch weiter.

Die Sleep-Token-Schlagseite ist dabei durchaus noch hörbar, tritt aber deutlich stärker in den Hintergrund. Vor allem die ultraharten Djent-Riffgewitter, die bei Sleep Token häufig das Fundament bilden, sind weniger präsent. Dafür lugt Bring Me The Horizon umso deutlicher um die Ecke – allerdings vorzugsweise in deren maximal auf Mainstream gebürsteter Variante. Von Deathcore keine Spur. Stattdessen wird munter zwischen metallischer Wucht, Pop-Appeal, R&B-Grooves, Industrial-Kälte, elektronischen Klangflächen und sogar Rap-Anleihen gewechselt. Besonders ‚Doom Loop‘ und ‚Dark Heaven‘ machen deutlich, welchen Stellenwert die Elektronik inzwischen einnimmt.

Überhaupt sind die stilistischen Sollbruchstellen diesmal noch deutlicher ausgeprägt. President springen zwischen Härte, Melodie, Atmosphäre und Eingängigkeit hin und her, als hätte man sämtliche musikalischen Schubladen gleichzeitig aufgezogen und beschlossen, aus jeder etwas mitzunehmen. Das macht „Blood Of Your Empire“ experimenteller und weniger homogen als „King Of Terrors“, gleichzeitig aber auch noch stärker auf den großen Markt schielend. Ein durchaus bemerkenswerter Spagat, der musikalisch häufig funktioniert, mich persönlich aber nicht immer mitnimmt.

Auch beim Gesang hat sich etwas getan: Mehr natürlicher, melodischer Gesang sorgt für zusätzliche Zugänglichkeit und bildet einen reizvollen Kontrast zu den härteren Passagen. Überhaupt beherrscht President dieses Spiel mit den Gegensätzen ausgesprochen gut. Nur will sich bei mir das Gefühl nicht ganz abschütteln lassen, dass hier sehr viel gemacht und vergleichsweise wenig entstanden ist.

‚Angel Wings‘ eröffnet das Ding atmosphärisch und melodisch, bevor ‚DOOM LOOP‘ mit Elektronik, Pop-Appeal und ordentlich Druck schon mal die Genrepolizei auf den Plan ruft.

‚dark heaven‘ setzt noch einen drauf und vermischt Metalcore mit Trap-Beats und elektronischem Firlefanz – gewöhnungsbedürftig, aber durchaus spannend.

‚Pink Noise‘ spielt ebenfalls mit poppigen Momenten und heftigen Ausbrüchen, während ‚Mercy‘ wieder deutlich mehr auf die PRESIDENT-Kernkompetenzen setzt: dicke Gitarren, düstere Atmosphäre, fette Dynamik.

‚Sleepwalker‘ punktet mit Groove und einem ziemlich eingängigen Refrain, ‚Dionysus‘ kennt man bereits von der EP und liefert entsprechend wenig Überraschendes. ‚This Will Divide Us‘ nimmt ordentlich Tempo raus und gibt den Piano- und Gefühlskobold, bevor ‚Hate Figure‘ mit Rap, Metal und Elektronik endgültig sämtliche Schubladen aus dem Keller holt. ‚White Devil‘ beendet die Veranstaltung schließlich mit Piano, Synthies, Gebrüll und ordentlich Drama.

Und genau da liegt für mich das Problem. Die Produktion ist makellos, die Songs sind durchdacht, die Kontraste sitzen und die einzelnen Zutaten wurden offensichtlich mit großer Sorgfalt ausgewählt. Trotzdem wirkt mir das Gesamtkonstrukt persönlich zu künstlich, zu perfekt und an manchen Stellen schlicht zu kalkuliert. Wo andere Bands mit ähnlichen Mitteln trotz aller Hochglanzästhetik noch etwas Unberechenbares, Eigenwilliges oder Menschliches ausstrahlen, bleibt bei President immer ein kleiner Sicherheitsabstand. Man sieht die Fäden der Inszenierung – und sobald man sie einmal gesehen hat, lässt sich dieser Eindruck nur schwer wieder abschütteln.

Ob die extreme stilistische Offenheit nun tatsächlich Ausdruck künstlerischer Eigenständigkeit ist oder doch eher ein gepflegtes Verlorengehen zwischen allen Stühlen, darf jeder für sich entscheiden. Die Reibungsflächen wirken jedenfalls bewusst gewählt. Ob aus künstlerischer Inspiration, strategischer Kalkulation oder einer ziemlich cleveren Mischung aus beidem, sei dahingestellt. Bei mir überwiegt am Ende allerdings der Eindruck einer perfektionierten Fälschung: beeindruckend in ihrer handwerklichen Ausführung und faszinierend in ihrer Konsequenz, aber eben auch mit jener künstlichen Oberfläche, die verhindert, dass „Blood Of Your Empire“ emotional wirklich zu mir durchdringt. Für ein Album, das so offensichtlich auf emotionale Wirkung aus ist, bleibt bei mir diesbezüglich erstaunlich wenig hängen.
Bewertung: 10/15 Punkten


President - Blood Of Your Empire (Atlantic Records, 04.09.2026)

Besetzung:
The President
Heist
Protest
Vice

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Head Of PR zur Verfügung gestellt.