Polymoon - Mariposa Magic!

Polymoon - Mariposa Magic! (Vesperian; 04.09.2026)

Psychedelic Post Gaze • Psychedelic Rock • Progressive Rock • Shoegaze • Space Rock
(45:34; Vinyl, CD, MC, Digital; Vesperian/Metal Blade Records; 04.09.2026)
Caterpillar – die Raupe. Chrysalis – die Puppe. Mariposa – der Schmetterling. Die Entwicklung von Polymoon geht also offensichtlich voran. Und tatsächlich erscheint die Band aus Tampere auf ihrem neuesten, dem insgesamt dritten Studioalbum farbenfroher als zuvor. Was auf „Caterpillars Of Creation“ noch zaghaft aus dem Kokon kroch und sich auf „Chrysalis“ zunehmend zu einer eigenen Klangwelt entwickelte, breitet auf „Mariposa Magic!“ nun die Flügel aus. Und die ist nicht nur ziemlich psychedelisch eingefärbt, sondern auch durchaus proggy und verdammt gazy.

Noch stärker als schon beim Vorgänger muss ich bei Polymoon an Amplifier denken. Deren klangliche Verwandtschaft drängt sich immer wieder auf, wenn schimmernde Gitarren, weitläufige Klangflächen und hypnotische Melodien ineinandergreifen. In den deftigeren, rockigeren Passagen kommt dann zusätzlich Motorpsycho um die Ecke. Besonders ‚I End, You Begin‘ zeigt diese Seite von Polymoon: Hier darf es ordentlich drücken und riffen, ohne dass die Band dabei ihren psychedelischen Grundcharakter über Bord wirft. Beides steht Polymoon ausgesprochen gut.

Dabei bleibt das Quintett seinem selbst kreierten Psychedelic Post Gaze treu. Ein Begriff, der ungefähr so eindeutig ist wie die Bedienungsanleitung eines finnischen Toasters, die Musik aber tatsächlich ganz ordentlich beschreibt. Psychedelic Rock, Shoegaze, Space Rock und Modern Prog werden hier nicht fein säuberlich voneinander getrennt, sondern zu einem ziemlich farbenprächtigen Klanggemälde vermischt. Schimmernde Gitarren, Synthesizer, hypnotische Rhythmen und immer wieder ausufernde Passagen sorgen dafür, dass die sieben Stücke weniger wie einzelne Songs als wie unterschiedliche Zustände derselben Reise wirken.

‚Ultra Bloom‘ eröffnet diese Reise mit viel Atmosphäre und lässt die Klangwelt langsam wachsen. Polymoon nehmen sich Zeit, ihre Melodien aus den Flächen herauszuschälen, ohne dabei in gepflegte psychedelische Nabelschau abzudriften. ‚I End, You Begin‘ setzt anschließend einen deutlicheren Kontrapunkt und zeigt die rockigere Seite der Band. Hier darf es auch mal ordentlich drücken, während ‚Velvet Rain‘ wieder stärker auf schwebende Klangfarben setzt.

‚Lost In Sound, Found In Color‘ könnte man beinahe als programmatische Zusammenfassung des Albums betrachten. Der Titel sagt schließlich schon ziemlich genau, was hier passiert: Man verliert sich im Sound und findet sich irgendwo zwischen den Farben wieder. Sehr viel treffender kann man diese Musik kaum beschreiben. ‚Welcome To Another Dimension‘ macht dann ebenfalls keinen Hehl daraus, dass der normale musikalische Aufenthaltsort inzwischen verlassen wurde. Gerade die Gesangsharmonien erinnern hier immer wieder an Anadale, den Sänger von Jolly – eine Assoziation, die mir bereits auf „Chrysalis“ durch den Kopf ging und sich auf „Mariposa Magic!“ erneut aufdrängt.

Mit ‚Glass House, Mortal Rooms‘ folgt der längste Track des Albums. Über sieben Minuten hinweg darf sich die Musik entwickeln, wachsen und immer wieder ihre Gestalt verändern. Das funktioniert gerade deshalb so gut, weil Polymoon trotz aller psychedelischen Ausflüge nie die Melodie aus den Augen verlieren. Auch in den ausgedehnteren Passagen gibt es immer etwas zu entdecken, statt einfach nur minutenlang Klangnebel zu versprühen.

‚Harvest Of Stars‘ beschließt die Reise schließlich mit einem weiteren ausufernden, kosmischen Klangbild und lässt den Schmetterling noch einmal ordentlich mit den Flügeln schlagen.

Produziert wurde „Mariposa Magic!“ von Juho Vanhanen, der bereits am Debüt „Caterpillars Of Creation“ beteiligt war und ansonsten vor allem als Frontmann von Oranssi Pazuzu bekannt ist. Eine durchaus passende Wahl, denn die Klangwelt von Polymoon darf inzwischen ruhig etwas kräftiger, dunkler und zugleich farbenprächtiger ausfallen. Die Band klingt dabei keineswegs so, als müsse sie sich noch auf die Suche nach ihrer Identität machen. Im Gegenteil: Das Quintett wirkt inzwischen ausgesprochen souverän in seinem eigenen kleinen Universum.

Besonders angenehm ist, dass trotz des ganzen psychedelischen Überbaus immer wieder richtig schöne Melodien auftauchen. Genau diese leicht entrückte, melodische Komponente sorgt dafür, dass Polymoon trotz aller Klangflächen und psychedelischen Ausflüge erstaunlich zugänglich bleiben. „Mariposa Magic!“ wirkt dabei insgesamt noch offener und abwechslungsreicher als „Chrysalis“. Die Musik schwebt, wächst, explodiert gelegentlich und zieht sich anschließend wieder in flächige Passagen zurück. Und irgendwo dazwischen sitzen dann eben Amplifier und Motorpsycho und schauen interessiert zu.

Auch der Albumtitel passt deshalb hervorragend. „Mariposa Magic!“ klingt zunächst nach esoterischem Wellnessprogramm mit Räucherstäbchen und Klangschale, beschreibt aber erstaunlich gut, was Polymoon hier veranstalten. Die Musik ist tatsächlich magisch – zumindest dann, wenn man sich auf diese Art von psychedelischer Klangreise einlassen kann. Und farbenfroh ist sie definitiv. Vielleicht sogar deutlich farbenfroher, als man es von einer Band erwartet hätte, deren bisherige Entwicklung immerhin schon von Raupe über Puppe bis zum Schmetterling geführt hat.

Polymoon sind damit auf ihrem dritten Album endgültig aus dem Kokon heraus. „Mariposa Magic!“ ist die bisher reifste und zugleich offenste Veröffentlichung der Finnen und zeigt eine Band, die ihren eigenen Klangkosmos nicht einfach nur erweitert, sondern ihn mit ordentlich Farbe bepinselt. Freunde von Modern Prog, Psychedelic Rock, Shoegaze und Space Rock sollten sich also ruhig einmal hineinfallen lassen. Schlimmstenfalls bleibt man 45 Minuten lang im Klangkokon hängen. Und ehrlich gesagt gibt es schlechtere Orte.

Wer Amplifiers Kraken mochte, dem dürfte auch Polymoons Schmetterling gefallen.
Bewertung: 13/15 Punkten (FF 13, RB 13)


Polymoon - Mariposa Magic! (Vesperian; 04.09.2026)
Credit: Paulie Moore

Besetzung:
Kalle-Erik Kosonen – Gesang
Jesse Jaksola – Gitarre, Synthesizer
Otto Kontio – Gitarre
Marco Menestrina – Bass
Tuomas Heikura – Schlagzeug

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.