Musa Dagh - Endurance

Noise Rock • Alternative Rock • Post Hardcore • Post Punk
(41:47; Vinyl, CD, Digital; Hayk Records/Cargo; 11.09.2026)
Musa Dagh haben ein bemerkenswertes Verhältnis zur personellen Kontinuität. Oder besser: Sie haben keins. Nach dem selbstbetitelten Debüt von 2021 und „No Future“ von 2023 ist „Endurance“ bereits die nächste Inkarnation der von Aren Emirze angeführten Versuchsanordnung. Und hinter den wechselnden Namen steckt durchaus musikalisches Gewicht: Emirze kennt man als Kopf der Frankfurter Noise-Rocker Harmful und aus seinem akustischeren Projekt Emirsian, Aydo Abay kam von Blackmail und war später mit Abay unterwegs, Thomas Götz trommelte bei den Beatsteaks, und auf „No Future“ saß Sascha Madsen von Madsen hinter dem Schlagzeug. Nun stehen Sandra „Safi“ Fink und Martin „Dog“ Kessler neben Emirze. Safi ist mit ihrem eigenen Projekt zwischen Post Punk, Noise Rock und Avantgarde unterwegs, Kessler spielte unter anderem bei H-Blockx und Abwärts und war auch im Umfeld von Nina Hagen aktiv. Ein echtes Who Is Who der deutschen Musikszene also.
„Endurance“ zeigt Musa Dagh druckvoller und unmittelbarer als bisher. Vor allem der Bass verpasst dem Sound ordentlich Schub und sorgt für ein wesentlich körperlicheres Fundament. Dazu kommt Safi, deren rauer und emotionaler, zwischen fast gehauchtem Flüstern und hardcoreartigen Screams pendelnder Gesang dem bisherigen Klangbild eine neue Farbe gibt. Die schrägen Melodien, Noise-Ausbrüche und unverkennbaren 90er-Anleihen sind trotzdem weiterhin da. Die teils live eingespielten Songs verleihen dem Album zusätzliche Lebendigkeit und Direktheit. Die neue Besetzung wirkt dabei weniger wie ein Ersatz für das alte Musa Dagh als wie eine konsequente Weiterentwicklung.
‚Hollow Rooms‘ wächst vom atmosphärisch-zurückhaltenden Einstieg zum Hymnischen.
‚Beggars Banquet‘ bricht anschließend aggressiv, eingängig und voller Spannung los.
‚Lights Of The Shadows‘ setzt mit Dissonanz, Melodie und deutlicher Indie-Schlagseite einen fast sanften Kontrapunkt.
‚Human Factor‘ ist dagegen geradliniger Noise Rock. ‚Not Even A Name‘ bildet mit Akustikgitarre, spärlicher Instrumentierung und geflüstertem Gesang einen gelungenen Ruhepol, während ‚Guillotine‘ als Noise-Rock-Abrissbirne mit Punk-Attitüde das andere Extrem auffährt. ‚Fragments‘ legt noch eine Schippe Punk und (Post) Hardcore drauf und profitiert vom Livecharakter; dass Aren Safi beim Gesang unterstützt, hätte durchaus öfter passieren dürfen.
‚Goddine‘ gießt Energie in Noise Rock, ‚Denier‘ bremst anschließend zum schleppendsten Stück des Albums herunter und lebt vom Kontrast zwischen Melodie und Noise. ‚One Way Or The Other‘ setzt mit einem prägnanten Riff und eingängiger Gesangs- und Gitarrenlinie im Refrain einen passenden Schlusspunkt.
„Endurance“ ist eine deutliche Weiterentwicklung von Musa Dagh: weniger schrammelig, melodischer und gleichzeitig härter, mit mehr Tiefe und Druck. Der neue Bass, Safis wandelbarer Gesang und Kesslers Schlagzeug verändern den Sound spürbar, ohne seine kantige Grundhaltung aufzugeben. Nicht jeder Moment zündet dabei gleichermaßen, doch die neue Besetzung gibt Musa Dagh genügend neue Facetten, um „Endurance“ zu mehr als einer bloßen Fortsetzung der bisherigen Alben zu machen.
Bewertung: 11/15 Punkten

• Aren Emirze – Gitarre
• Sandra „Safi“ Fink – Gesang, Bass
• Martin „Dog“ Kessler – Schlagzeug
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.