Love•Love•Love & Ølgod - Løvegod
Post Hardcore • Sludge
(42:52, Vinyl, MC, Digital, Electric Valley Records/Evil Noise Recordings; 25.09.2026)
Es gibt Split-Releases, auf denen einfach das zusammenkommt, was zusammengehört. Und manchmal wussten die Hörenden oder die Fans vorher selbst noch gar nicht, welches großartige Match ihnen hier blüht. Nun sind Love•Love•Love aus Lübeck und Ølgod aus Kiel tatsächlich schon einige Jahre gut miteinander befreundet. Eine derartige Kollaboration hätte man also im norddeutschen Untergrund schon erwarten können. Dennoch treffen hier klangliche Welten aufeinander, die einerseits sehr unterschiedlich sind, auf der anderen Seite aber auch viele Parallelen und Gemeinsamkeiten teilen. Und so darf das an hohe Lautstärken gewöhnte Gehör frohlocken, denn hier sind vier Titel von Love•Love•Love und weitere vier Stücke von Ølgod. Zusammen heißt das ganze dann „Løvegod“. Die Split erscheint auf Schallplatte bei Electric Valley Records und ist auf Kassette bei Evil Noise Recordings erhältlich.
Auf der A-Seite wüten Max (Gitarre und Gesang), Manuel (Gitarre), Maik (Bass), und Florian (Schlagzeug). Für den Titel ‚2246‘ sorgt Gastmusiker Micha mit seinen Synths für zusätzliche Atmosphäre. Love•Love•Love haben im November 2024 ihre erste EP „First Love“ veröffentlicht und führen auf „Løvegod“ ihren rasanten und düsteren Klang fort. Was oberflächlich als Post Hardcore oder Noise Rock tituliert werden kann, ist eigentlich eine vielfältige Mischung aus vielerlei Einflüssen aus den vereinten Welten des Rock, Metal und Hardcore. Schon im ersten Lied ‚Vincent‘ machen sich Anleihen aus Black und Doom Metal bemerkbar. Im weiteren Verlauf tauchen Love•Love•Love fortwährend durch die Gefilde der krachigen sowie progressiven Klänge. Eine bedrohliche Stimmung sowie die wütenden Reaktionen auf ebendiese sind dabei allgegenwärtige Elemente. Love•Love•Love lassen sich weder einschränken noch festsetzen. Und genau diese Energie macht die dynamische A-Seite sehr hörenswert.
Mit dem Umdrehen der Platte oder der Kassette ändert sich zunächst wenig an der Stimmung. Allerdings drücken sich Hannes (Bass und Gitarre), Fynn (Gesang), und Jan (Schlagzeug) deutlich anders aus. Rauchiger Stoner Doom und krachender Sludge bestimmen die musikalischen Ausführungen auf der B-Seite. Mit erfrischenden und proggigen Passagen lockern Ølgod den Klangteppich zwischen den schwerfälligen Angriffen auf. Außerdem erzeugt Gastsänger Jan Moritz Plewka im ersten Lied ‚Leeches‘ Gänsehaut der Freude beim Hören. Fast viereinhalb Jahre nach Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Debutalbums haben sich Ølgod stark weiter entwickelt und spielen ihre Stärken sehr gut aus. Die B-Seite ist insgesamt etwas monotoner, deutlich langsamer und behäbiger und von einer noch stärkeren Weltuntergangsstimmung geprägt als die erste Hälfte der Split. Und dennoch beweisen Ølgod, dass sie ordentlich Fahrt aufnehmen können und ihren Sludge- und Doom-Sound kraftvoll und selbstbewusst zum Besten geben können.
Kombiniert werden hier knapp 43 Minuten endzeitlichen Krachs dargeboten. „Løvegod“ ist eine düstere, laute, aggressive und in sich stimmige Split. Hier treffen zwei Welten aufeinander und lassen einander im schönsten Lichte ihrer finsteren Schnittmengen leuchten.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Abbildungen und Pressematerial: Qabar PR
