Lonely Robot - An Ending

Lonely Robot - An Ending (Tigermoth Records/Just For Kicks, 11.09.2026)

Progressive Rock • Neo Prog • Artrock • AOR • Konzeptalbum
(55:14; Vinyl (2 LP), CD, Digital; White Knight Records/Just For Kicks, 11.09.2026)
John Mitchell schließt mit „An Ending“ nicht nur das Kapitel Lonely Robot, sondern gleich den kompletten Erzählkreis, der 2015 mit „Please Come Home“ begann. Der einsame Astronaut schaut noch einmal auf den kleinen blauen Punkt, die Menschheit, ihre Widersprüche – und irgendwann auch auf sich selbst. Statt Weltraumexplosion gibt’s zum Abschied Akzeptanz und Frieden. Passt. Auch musikalisch ist das hier weniger finaler Raketenstart als gemütlicher Rückflug durchs Lonely-Robot-Universum.

Denn Mitchell wäre nicht Mitchell, würde er zum Finale plötzlich den Prog neu erfinden. Atmosphärischer, melodischer Prog zwischen Art Pop, AOR und Neo Prog, große Melodien, dezenter Bombast und natürlich diese unverkennbare Stimme samt Gitarrenarbeit. Alles sehr Lonely Robot, alles sehr Mitchell. Die „Mitchell Of The Same“-Warnleuchte blinkt also auch zum Abschied gelegentlich.

‚This World Window‘ setzt den Abschiedsgruß, ‚Show The Way‘ blickt noch einmal hinaus, während ‚Back To The Middle‘, ‚In Ocean Light‘ und ‚Ad Astra‘ ziemlich zuverlässig das liefern, was man erwartet.

‚Twin Suns‘ und ‚The River‘ bringen Wärme und Eingängigkeit, ‚Rearview‘ etwas mehr filmische Spannung, ‚Bending Light‘ die melancholische Seite. Das Problem: Vieles davon ist gefällig, atmosphärisch und handwerklich tadellos – aber eben auch erstaunlich vertraut. Die großen Melodien bleiben nicht immer so nachhaltig hängen, wie man es von den besseren Lonely-Robot-Stücken kennt, und der ganz große emotionale oder musikalische Sog stellt sich nur punktuell ein.

Zumal Mitchell die Rückschau nicht nur lyrisch behauptet. ‚The Iron Sea‘ schlägt musikalisch die Brücke zum ersten Album, bevor ‚Oblique‘ den Astronauten schließlich bei der Erkenntnis ankommen lässt, dass Heimkehr nicht zwangsläufig Rückkehr bedeutet. Und das passt auch auf Mitchell selbst: Seit dem Start von Lonely Robot ist er mit Bands wie Legacy Pilots, It Bites, Frost* und Asia längst musikalisch weitergezogen. Vielleicht fehlt dem Album gerade deshalb ein wenig das Gefühl, hier noch einmal etwas wirklich Neues von ihm zu hören.

So ist „An Ending“ ein stimmiger und atmosphärisch gelungener Abschluss, aber kein herausragendes Finale. Die Stärken sind klar: starke Produktion, unverwechselbare Handschrift, schöne Melodien und eine insgesamt schlüssige Dramaturgie. Dem gegenüber stehen die geringe stilistische Überraschung, einige eher gefällige als zwingende Songs und das Gefühl, dass Lonely Robot hier Bekanntes bündelt, statt noch einmal über sich hinauszuwachsen. Als Abschied funktioniert das – als eines der besten Lonely-Robot-Alben eher nicht.
Bewertung: 11/15 Punkten


Besetzung:
John Mitchell – Gesang, Gitarren, Bass und Keyboards
Craig Blundell – Schlagzeug

Gastmusiker:
Jez Fielder – Gitarren (tracks 8, 9)

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Just For Kicks zur Verfügung gestellt.