Laughing Stock - Forgotten Dreams (EP)

Artrock • Progressive Rock • Pop Rock • Folk • Alternative Rock
(14:40; Digital; Apollon Records Prog, 28.08.2026)
Bei Laughing Stock muss man inzwischen ein wenig aufpassen, nicht den Überblick zu verlieren. „Life In Seven Dreams“ ist gerade einmal ein halbes Jahr alt, da schieben die Norweger mit „Forgotten Dreams“ bereits die nächste Veröffentlichung hinterher. Wobei das Wort „hinterher“ eigentlich unfair ist. Die vier Songs stammen zwar aus den Sessions zum letzten Album, wurden aber nicht wegen mangelnder Qualität aussortiert, sondern passten schlicht nicht in dessen musikalischen und konzeptionellen Fluss. Und wie sich nun herausstellt, war das vielleicht sogar ganz gut so.
Denn auf „Forgotten Dreams“ herrscht eine unglaublich luftige Leichtigkeit. Sowohl konzeptuell – es gibt ja keines – als auch musikalisch. Wo „Life In Seven Dreams“ noch seine große Geschichte erzählen wollte, dürfen diese vier Songs einfach Songs sein. Und Laughing Stock wirken plötzlich erstaunlich gelöst.
‚Not As Easy‘ schwebt knapp drei Minuten lang ziemlich schwerelos vor sich hin. Phasenweise erinnert die Atmosphäre sogar leicht an Marillions „Afraid Of Sunlight“, allerdings ohne deren mächtige Crescendi. Hier bleibt alles deutlich luftiger und zurückgenommener. Ein bisschen Talk Talk schaut ebenfalls vorbei, ansonsten passiert hier angenehm wenig Spektakuläres. Was ausdrücklich als Kompliment gemeint ist.
‚A Better Man‘ bleibt ruhig, melancholisch und akustisch. Folk, Art Pop und Prog reichen sich die Hand, ohne dass einer davon gleich die Genrepolizei verständigt.
‚The Story‘ zieht dann die Zügel etwas an und serviert einen eingängigen Pop-Rock-Song mit einer verdammt eingängigen Gitarrenfigur und einer Gesangslinie, die tatsächlich hängen bleibt. Gefährlich nah an „gefällig“, aber eben doch Laughing Stock.
‚Midnight Air‘ ist mit gut fünf Minuten der große Abschluss und für mich gleichzeitig der stärkste Song. Verträumt, nächtlich, leicht entrückt und mit einem schönen Refrain, der das Stück öffnet, ohne die Atmosphäre zu zertrampeln.
Die vier Songs wirken nicht wie übrig gebliebene Puzzleteile, sondern wie Material, das einfach keinen Platz im Konzeptalbum haben wollte. Was bei anderen Bands nach Ausschussware klingt, bekommt hier kurzerhand eine eigene EP.
Das passt erstaunlich gut zur Philosophie von Laughing Stock. Die Band hat sich ohnehin nie sonderlich dafür interessiert, ob etwas nun Pop, Rock, Folk oder Prog ist. Hauptsache, der Song funktioniert. Und hier funktioniert er – vielleicht gerade deshalb so gut, weil niemand versucht, ihm eine größere Bedeutung aufzuzwingen.
Laughing Stock sind schließlich die Summe ihrer Einflüsse. Talk Talk, XTC, Prog, Pop, Folk, Art Rock – alles darf rein, solange am Ende etwas Eigenes dabei herauskommt. Genau das gelingt auch hier wieder erstaunlich mühelos.
„Forgotten Dreams“ ist keine neue große Prog-Offenbarung. Muss es aber auch gar nicht sein. Knapp eine Viertelstunde, vier Songs, kein Konzept und erfreulich wenig musikalischer Welterklärungsbedarf. Manchmal darf Musik einfach leicht sein. Und bei Laughing Stock steht ihr das verdammt gut.
Bewertung: 11/15 Punkten

• Jan Mikael Sørensen – Gesang, Bass, Keyboards, Gitarre, Schlagzeug
• Håvard Enge – Gesang, Keyboards, Flöte
• Jan Erik Kirkevold Nilsen – Gesang, Gitarre, Keyboards
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Apollon Records Prog zur Verfügung gestellt.