Hajduk - Mir

Atmospheric Dark Folk
(37:01; MC, Digital; Eigenveröffentlichung; 23.09.2026)
Wenn Black Metaller hier und da konsequent zur Akustischen greifen, kommen, wie im Falle Grift oder Ofdrykkja, so einige fantastische Kleinode um die Ecke.

Mit den Bulgaren von Hajduk verhält es sich ähnlich, und wer generell Bands wie Of The Wand and The Moon, Tenhi oder slawischem Neo Folk wie Scivias oder Cawatana seine Ohren schenkt bzw. lieh, der bekommt gerade eine vorsichtige Vorstellung davon, was ihn bei den stimmungsvollen Bulgaren so erwartet.

Der stolze slawische Gesang, ein Album-Titel, der das Wort Frieden nutzt (so glaube ich jedenfalls), ein sehr pastoraler, herbstlicher Klang und fertig ist eine Platte, über die es nicht viele Informationen gibt, die es aber am Ende wohl nicht braucht, zählt doch die Musik selbst. Weit weg von Städten, Alltags-Lärm und Menschen findet sich diese Musik in der unberührten Natur, ja in der abendlichen Stille wieder.

Mit einfachen Mitteln, vielen simplen, vollmundig neofolkigen Arrangements, elegischen Synths und stolzen Vocals spaziert es sich perfekt durch den zwar noch sommerlichen Wald, aber seien wir mal ehrlich, der Herbst greift nach einem, und diese melancholischen Folk-Klänge sind schnell die perfekte Untermalung für den stillen Walk durch die waldigen Schatten. Emotional, friedlich, kraftvoll wehmütig durchschreitet die Band mit einnehmenden Melodien und gehörig Melancholie ihre ganz eigenen Pfade, nutzt mal hintergründige weibliche Chöre, durchdringende Streicher, mehrstimmig in Hall getauchte theatralische Gesänge, mal flüsterndes Geraune, orchestrale Pinselstriche, und so verliert man sich schnell im Dickicht dieser dunklen, sanftmütig-pathetischen Songs.

Hajduk spielen auf nicht mal 40 Minuten eine berührende, niemals perfekte Musik, die im richtigen Moment dank der beseelten Arrangements durch die Gipfel blicken lässt, moosige Flächen und stille abendliche Waldstimmungen suggeriert. Die Musik ist komplett in der Heimatsprache, die flächigen, sehr atmosphärischen Synths haben einen sehr erhabenen Touch, der durch traditionelle Streicher und, na klar, heimatnahe, traditionelle Melodien eine sehr eigenwillige Melancholie erzeugt, die mich gerade allein beim Durchschreiten der Wälder auf ganz direkte Weise zu umarmen weiß.

Freunde dunkler, intimer Folk-Klänge, die bei dieser Art Sound schnell an verlassenen, nebligen Plätzen landen, den Geruch feuchter Erde wahrnehmen, das Echo naturnaher Black-Metal-Atmosphären lieben – hier aber von Screams, Growls und harten Gitarren nichts zu hören gibt – sollten diesen Bulgaren mehr als ein Ohr schenken, wissen die melancholisch-pathetischen Songs mit schönen herbstlichen Arrangements, einer liebevollen Einfachheit tiefe Spuren in den feuchten Waldboden zu zeichnen.
Bewertung: 13/15 Punkten

Surftipps:
• Bandcamp
• Rezensionen, Liveberichte & Interviews

Abbildungen: Hajduk/Bandcamp