Flowers Must Die - Tystnad
Space Rock • Psychedelic Rock
(44:40; Vinyl, Digital; Rocket Recordings; 25.09.2026)
Mit maximal offenem Visier, verrückten kosmischen Abfahrten und auch mal schrillen Bläsern offerieren die Schweden mit ihrer neuen Rille Mut zur Lücke. Ein verrückter Parcours aus wildem Space Rock, unruhigen Jams, psychedelischen Tänzen und krautiger Hypnotik weiß auch hier, ähnlich The Cosmic Dead, Nepal Death oder Kungens Män, bei mir direkt in die offenen Arme zu fallen. Der Gesamtsound ist very organisch, kratzbürstig, voller schriller Flöten, fast ritueller Harmonien und klingt schwer nach Zusatzstoffen. Zu ruhig wird es nie, irgendetwas ist immer am Köcheln.
Ich liebe diesen wilden psychedelischen Stoff, mochte die früheren Releases und kann mit „Tystnad“ – was für Stille steht – sehr viel anfangen. Wenn die Band sich wie im Titelsong in stoischer Monotonie verliert, dem krautigen Flow Auslauf verpasst, dann synchronisiert man sich als Fan der Materie hervorragend mit dem Gehörten. Im Opener flirren wirre Stimmen im Hintergrund, ‚Raka Vägen..‘ weiß mit schrägen Female-Vocals und monotonen Rhythmen einige strange Trance-Momente zu erzeugen.
Abgefahrene Tempo-Steigerungen, provokante Streicher, überdrehte folkloristische Harmonien gibt es eh die ganze Zeit als Beilage gratis dazu. Das hat alles mehr von psychedelisch-rituellem Jam als durchkomponierter Song-Harmonie, aber sind wir mal ehrlich, so mag man die Chose als Genre-Fan eh nur umso mehr. ‚Nåja‘ bleibt im überdrehten Mode, aufmüpfige Vocals, Grooves und ein wildes Saxophon müssen erstmal verarbeitet werden, aber: Es ist maximal hypnotisch, fiebrig und macht Laune.
Im folgenden ‚Mantra‘ wird es kosmisch – flirrende Elektronica-/Drone-Teppiche, ein sich windender Organismus und erneut ekstatischer Freak-Out werden jeden Easy-Listening-Psycher etwas mehr herausfordern. Auch hier gelingt es der Band, mit besonders einnehmenden weiblichen Vocals und transzendenter Melodik eine Brücke aus schräg und umarmend herzustellen. Der Abschluss ‚Lycka At Ålla..‘ driftet entspannt groovy zwischen Santana und Pink Floyd aus dem Album hinaus – feine Percussion und atmosphärische Akkorde finden hier ein trippiges Auskommen miteinander.
„Tystnad“ ist insgesamt alles andere als still oder leise, bewegt sich mit unruhiger Hypnotik, kosmischer Vibration und organisch rockender Dynamik durch den ganz eigenen Kosmos, wird jedem Freund zwischen Space, Jam – und Psych mit Kurzweil und spannender Dramaturgie zu unterhalten wissen und nein, die Materie wird auch hier nicht neu erfunden. Spaß macht mir die Rille auf alle Fälle, wissen kleine schräge Details und atmosphärische Gimmicks die berühmte Balance zu finden.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Abbildungen: Flowers Must Die/Bandcamp
