Dragonflies - Dragonflies

Dragonflies - Dragonflies (Dark Horse/H.O.T./BMG; 18.09.2026)

Artrock • Electronica • Trip-Hop • Psychedelic Rock
(38:18; Vinyl, CD, Digital; Dark Horse Records/H.O.T./BMG; 18.09.2026)
Bei Dragonflies ist das Namedropping schnell erledigt: Beatles-Sohn, Radiohead-Produzent, dazu ein Strokes-Gitarrist und ein Drummer mit halbem Alternative-Rock-Telefonbuch. Überraschenderweise klingt „Dragonflies“ aber überhaupt nicht nach Supergroup-Selbstbeweihräucherung. Dhani Harrison und Nigel Godrich bauen stattdessen eine eigene Klangwelt, in der Piano, Percussion, Synthies, Gitarren und Streicher erstaunlich entspannt zusammenfinden.

Art Rock, Electronica, Trip-Hop und psychedelische Klangflächen geben die Richtung vor. ‚Slower‘ eröffnet mit Piano, elektronischen Texturen und Harrisons entrücktem Gesang. Das Schlagzeug von Joey Waronker hat dabei für meine Ohren fast etwas Jazziges und gibt dem Stück einen angenehm organischen Puls.

‚Setting Sun‘ bringt mit Bass und Rhythmus etwas mehr Bewegung, während ‚Straight Line‘ das akustische und elektronische Material wunderbar zart miteinander verzahnt.

‚Heart Or Head‘ bleibt im Schwebezustand, bevor ‚Ophelia‘ deutlich trippiger wird und mit einem megaeingängigen Chorus zum echten Ohrwurm mutiert. ‚The Weight‘ setzt anschließend wieder stärker auf den Rhythmus.

‚In Between‘ bündelt dann vieles, was „Dragonflies“ ausmacht: Joey Waronkers knisternde Percussion, Maurice Talbots plätscherndes Piano, ausgefranste Synthies und David Campbells Streicher greifen ineinander, ohne nach zusammengeklebtem Studiohandwerk zu klingen. Nick Valensis Gitarre setzt dabei immer wieder kleine Akzente. Nigel Godrichs Studioerfahrung zeigt sich weniger in großen Produktionskunststückchen als in dieser Selbstverständlichkeit.

Und ja, manches verliert sich im Schwebezustand. Wer musikalischen Biss braucht, könnte hier nervös werden. Mir gefällt genau das: „Dragonflies“ muss nicht ständig irgendwohin eskalieren, sondern darf durch den eigenen Klangkosmos schwirren. Wie Libellen, die scheinbar mühelos durch die Luft gleiten, kein großes Aufheben um sich machen und gerade dadurch ihre Magie entfalten.

‚End Of World‘ setzt zum Schluss noch einen drauf – oder besser: einen runter. Knapp sieben Minuten langsam ausfransender Raum, Piano, Streicher, Synthies und Naturgeräusche, dazu eine Atmosphäre, die mich an Post Rock Hollis’scher Prägung denken lässt. Kein Weltuntergang mit Feuerwerk, eher sanftes Verschwinden im Nebel.

„Dragonflies“ lebt weniger von einzelnen großen Songs als von seinem Gesamtklima. Die verschiedenen Einflüsse schauen immer mal wieder um die Ecke, ohne dass Dhani Harrison und Nigel Godrich daraus bloß Resteverwertung basteln. Ein Album, das lieber schwebt als stampft – und damit ziemlich genau weiß, was es will.
Bewertung: 11/15 Punkten


Besetzung:
• Dhani Harrison – Gesang, Gitarre
• Nigel Godrich – Bass, Produktion
• Joey Waronker – Percussion
• Nick Valensi – Gitarre
• Maurice Talbot – Keyboards

Gastmusiker:
• David Campbell – Streicherarrangements

Surftipps:
• Homepage
• YouTube
• Wikipedia
• Rezensionen, Liveberichte & Interviews

Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Starkult zur Verfügung gestellt.