Dan Heide - Change

Nordic Art Pop
(47:10; Vinyl, CD, Digital; Apollon Records; 28.08.2026)
Den Norweger kennt man von seiner Arbeit bei Zeromancer und Ljungblut (Seigmen), und mit dem persönlichen „Change“ präsentiert dieser erstmalig eigene Solo-Songs. Im meist getragenen Ambiente – zwischen Singer/Songwriter, skandinavischem Slow-Pop und synthetischen New-Wave-Einflüssen – treiben die meist ruhigen, emotionalen Songs durch ein Meer aus Melancholie, ohne in den großen Schmerz zu gehen.

Mit dem wunderschönen, zerbrechlichen ‚Are You All Right‘ steigt der Norweger zünftig ein, berührt mit sensiblem Refrain und schöner Melodie. Der dann folgende Titelsong erinnert mich auf liebliche Weise an die Arbeiten von Kim Ljung (Seigmen) mit Ljungblut, soll heißen: perlende Gitarren, tonnenweise Melancholie und tiefe Emotionen … wundervoll das Ganze, und auch der verstorbene Martin Hall (RIP) ist hier nicht weit weg mit seinen stillen Art-Pop-Kompositionen.

‚I byen et sted‘ macht genau da weiter mit weichen Drums, gehauchten Vocals, zerbrechlichen Akkorden und einem sich sanft aufbrechenden Refrain. Ja, dieses frühe Dreiergespann hat es richtig in sich und weiß mir eine Gänsehaut nach der anderen zu verpassen. Der vereinzelt norwegische Gesang passt zur stimmungsvollen Traurigkeit natürlich hervorragend. Die Songs bleiben aber ohne große Brüche und tiefe Kanten, ein eher sanftes Driften und Sehnen muss an dieser Stelle reichen.

Ein siebenminütiges Dylan-Cover von ‚The Times They Are A-Changin‘ im Americana-Folk-Habitus wirkt auf mich eher wie ein unnötiger Fremdkörper. Ich habe beim Hören von „Change“ einige wohlwollende Déjà-vus, denke hier und da mal an die ruhige Seite von Kent oder Madrugada (‚The Night Sky‘) – auch die Balladen eines David Judson Clemmens kommen mir manchmal in den Sinn.

In ‚Close to Me‘ wird es mit seinen synthetischen Wave-Pop-Phrasen fast nostalgisch, fällt mir bei diesem feierlichen Song immer wieder ‚Vienna‘ von Ultravox ein. ‚Sometimes‘ ist simpel, melancholisch und die Arrangements/Melodien haben was von ‚Streets Of Philadelphia‘ von Bruce Springsteen

Mit wieder norwegischen Vocals hat der alternative Folk-Pop von ‚Dine Øyne‘ speziellen nordischen Charme, auch die Dänen von Love Shop werden zu einem kurzen Flashback. ‚Every Now And Then‘ groovt mit atmosphärischen Drums, vielen Effekten und Streichern wieder nah an Seigmen’schen Gefilden, und mit ‚In God’s Country‘ geht’s unaufgeregt, still und sanft sphärisch, balladesk aus dem Album heraus.

Etwas dunkel angetaucht, empfängt den Hörer „Change“ mit einem schönen, emotionalen Art-Pop-Release aus dem hohen Norden, welches gerade in den Abendstunden eine spezielle, romantisch-verträumte Aura entwickelt. Der richtig überbordende Moment fehlt mir zwar für den ganz großen Wurf, die Zugehörigkeit zum Dunstkreis obiger Bands ist allein schon Grund, genauer hinzuhören.
Bewertung: 11/15 Punkten


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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Apollon Records zur Verfügung gestellt.