Chanel Beads - Your Day Will Come

Chanel Beads - Your Day Will Come (Jagjaguwar/Cargo; 26.06.2026)

Dream Pop • Hypnagogic Pop • Experimental Pop • Art Pop
(42:28; Vinyl, CD, DVD, Blu-ray, MC, Digital; Jagjaguwar/Cargo; 26.06.2026)
Manchmal plätschert ein Album. Und manchmal ist das genau das Konzept. „Your Day Will Come“ von Chanel Beads klingt wie ein beruhigender Herbstregen, der gegen die Fensterscheibe tickt, während man mit einer Tasse Tee im Warmen sitzt und draußen der Welt beim Nasswerden zusieht. Also weit entfernt von chinesischer Wasserfolter.

Shane Lavers und seine Mitstreiter Maya McGrory und Zachary Paul basteln aus Dream Pop, Lo-Fi, Post-Punk und elektronischen Klangsplittern ein Kaleidoskop aus Gefühlen. Nichts davon ist wirklich negativ, vieles allerdings verdammt nachdenklich und melancholisch. Die Musik bleibt ätherisch, entrückt und schwer zu fassen. Fragile Schönheit auf Sicherheitsabstand. Gitarren flirren dabei immer wieder verdächtig nah an The Cure vorbei, während sich Stimmen, Violine und elektronische Texturen zu einem Klangbild verbinden, das eher erinnert als erzählt.

Das Entscheidende: Die einzelnen Songs wollen sich gar nicht unbedingt festhalten lassen. Kaum meint man, eine Struktur erkannt zu haben, ist sie schon wieder im Nebel verschwunden. ‚Song For The Messenger‘, ‚Tyler Richard‘ oder ‚Silver Cup‘ funktionieren deshalb weniger als klassische Singles denn als Stationen eines konstanten Gefühlsstroms. A constant flow of feelings, könnte man sagen. Die 14 Stücke sollten als Ganzheit gehört werden – und genau darin liegt gleichzeitig das Problem.

Denn was als entrückter Albumfluss beginnt, kann sich nach einigen Durchläufen auch schlicht als Plätschern entpuppen. Die diffuse Schönheit hat ihren Preis: Vieles bleibt atmosphärisch interessant, aber erstaunlich wenig wirklich hängen. Klare Konturen lösen sich schneller auf, als man sie greifen kann, und irgendwann fragt man sich, ob man gerade noch aufmerksam zuhört oder bereits sehr angenehm wegdämmert.

Das ist Popmusik, die vermutlich niemals Gefahr laufen wird, aus Versehen zur Massenware zu werden. Dafür ist sie viel zu diffus, zu offen und an den Rändern erfreulich wenig zugespachtelt. Die Presseinfo spricht von ausgefeilteren Strukturen und einer klanglichen Weiterentwicklung gegenüber dem Debüt. Das mag stimmen, ändert aber wenig daran, dass „Your Day Will Come“ seine Wirkung vor allem als Gesamtstimmung entfaltet und weniger über einzelne Songs. Schön anzuhören, schwer zu packen – und gelegentlich eben auch schwer auseinanderzuhalten.
Bewertung: 11/15 Punkten


Besetzung:
• Shane Lavers – Gesang, Produktion, Keyboards, Gitarren, Schlagzeug, Akkordeon, Synthesizer, Sounddesign
• Maya McGrory – Gesang, Gitarre
• Zachary Paul – Violine, Keyboards, Bass

Gastmusiker:
• Isaac Eiger – 6-String-Bass, Gitarre
• Adam Markiewicz – Violine, Gesang
• Marilu Donovan – Harfe
• Mari Rubio – Pedal-Steel-Gitarre, Gitarre
• Anastasia Coope – Gesang
• Bella Litsa – Gesang
• Tchad Cousins – Gitarre, Percussion
• Zachary Schwartz – Violine

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Starkult zur Verfügung gestellt.