Castanarc - Forged By The Sun

Neo Prog
(37:46; CD, Vinyl, Digital; Eigenproduktion (Khepra Records)/Just for Kicks; 08.06.2026)
Castanarc gehört zu der Garde an Neo-Prog-Bands, die auf eine lange Geschichte zurückblicken können, ohne jedoch nennenswerten Bekanntheitsgrad erreicht zu haben, was im vorliegenden Fall daran liegen dürfte, dass ihre Musik eben nicht spektakulär war, sondern eher in etwas seichterem Fahrwasser unterwegs war bzw. ist. Das muss aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass diese Formation nichts Erwähnenswertes zu Stande gebracht hätte. Zum ersten Mal ist nun auch auf unseren Seiten etwas über diese Band zu lesen, das haben sie sich mit diesem feinen Album auch redlich verdient.

Das Debüt aus dem Jahre 1984, „Journey To The East“, dürfte sicherlich für den ein oder anderen Pendragon- oder Pallas-Fan eine interessante Erweiterung der eigenen Sammlung sein. Danach wurden die Neo-Prog-typischen Elemente etwas zurückgeschraubt, ohne jedoch an eigener Identität zu verlieren.

Nach langer Pause (über 20 Jahre) kamen sie plötzlich 2021 mit „The Sea Of Broken Vows“ zurück, kurz zuvor hatten sie mit Reissues ihrer alten Alben schon für die ersten Lebenszeichen gesorgt. Und man hatte sich offenbar etwas vorgenommen, denn bei diesen Aktionen sollte es nicht bleiben, die Band machte weiter und veröffentlicht nun eine halbe Dekade später „Forged By The Sun“.

Der Kern der Band ist erhalten geblieben, nämlich die Urmitglieder Mark Holiday (Gesang) und Keyboarder David Powell, und auch Neil Duty erledigt wieder seine Pflichten an der Gitarre (er war zwischenzeitlich ausgestiegen). Die Stimme von Holiday ist von jeher das Markenzeichen von Castanarc, denn seine angenehme, weiche Stimme passt perfekt zur Musik der Band.

Etwas verblüffend ist die Tatsache, dass es lediglich drei Songs auf diesem Album gibt. Okay, die Gesamtlaufzeit ist etwas dürftig ausgefallen, aber mit zwei Longsongs ist man so gar nicht in der Tradition früherer Alben, der Vorgänger hatte beispielsweise ausschließlich 3-6-minütige Titel im Programm.

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Das Highlight ist dann auch gleich der Opener, das über 18 Minuten lange Titelstück. Und es lässt sich festhalten: Castanarc können auch Longtracks. Und erstaunlicherweise kommen hier auch tatsächlich gleich in zwei Passagen Erinnerungen an Yes auf, zu Beginn in Sachen Gesangsarrangement, im weiteren Verlauf dann auch an den Keyboards. Und damit sind dann auch gleich wieder die beiden Hauptfaktoren genannt. Doch auch die Gitarre liefert gelegentlich kleine, feine Einlagen ab, steht aber selten im Vordergrund.

Und auch die beiden anderen Songs können das Niveau halten und ergeben insgesamt ein wunderschönes, melodisches Neo-Prog-Album ohne Ecken und Kanten.

Leider hat Bassist Pete Robinson die Veröffentlichung nicht mehr erleben dürfen. Ihm und dem ehemaligen Bassisten Dave Richie sowie einer langjährigen Begleiterin der Band ist dieses Album gewidmet.

Es sei darauf hingewiesen, dass der Rezensent – aus welchen Gründen auch immer – Castanarc schon von Beginn an mochte und sich in der Bewertung ein Sympathiepunkt eingeschlichen haben könnte.
Bewertung: 11/15 Punkten


Besetzung:
Mark Holiday – vocals
David Powell – keyboards / vocals
Neil Duty – guitars / vocals
Pete Robinson – bass
Charlie Morgan – percussion

Gastmusiker:
Dave Holley – guitar [3]

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Abbildungen: Castanarc