Bees Made Honey In The Vein Tree - In Between Strides

Heavy Shoegaze • Post Rock • Psychedelic Doom Rock
(38:05; Vinyl, CD, Digital; Magnetic Eye Records; 18.09.2026)
Mit „Aion“ hatte man vor knapp drei Jahren einen epischen, 80-minütigen Brocken serviert, der dank seiner vielen Stilistika und Stimmungen ein üppiges Mahl für Nischen-Freunde versprach. „In Between Strides“ kommt diesmal mit der Hälfte an Songs und Laufzeit an den Start, birgt aber, so viel vorweg, ähnlich stimmungsvolle Qualitäten.

Die Schwaben treiben gerne zwischen den Stilen, und wenn man so nach und nach tiefer und tiefer in das Album steigt, wirkt die Schlagseite Richtung Shoegaze/Psych fürs Erste präsenter und hätte aus meiner Sicht auch gerne mit vollständiger Konsequenz aufgetan werden können.

Hier und da musste ich an die Ukrainer von Somali Yacht Club denken, die diese Schnittmenge aus Stoner, Post und schwebender Shoegazerei auch so vortrefflich zu bedienen wussten und dies alles mit maximal aufgeladener Atmosphäre.

Mit ‚Departure‘ driften die Mannen voll perlender Akkorde sanft hinein in die Scheibe – samtene, zarte Vocals schauen weit hinüber Richtung Shoegaze/Dream Pop, aber auch Dredg höre ich in den Phrasen heraus – ein ausschließlich positiv gemeinter Vergleich. Man nimmt sich gehörig Zeit, nutzt ambiente, experimentelle Räume, die behutsame Pausen schaffen, sodass sich das Aufbäumen im weiteren Verlauf des Stücks so richtig schön intensiv anfühlt, dabei ordentlich mit Masse auffüllt. ‚Respite‘ ist dann ruhig, verträumt, akustisch, melancholisch entrückt.

Mit ‚Clutching At Straws‘ geht’s tief zurück in die frühen Neunziger, wo britische Bands wie Ride und vor allem Slowdive mit dem schönsten und romantischsten Gitarren-Pop in einem Meer von Wolken musizierten, den Begriff Shoegaze zu einer festen Instanz für die Indie-Kids machten. Ich liebe diesen Sound hier und hätte 70 Minuten darin baden können, so bleibt es bei einer sehr temporären, aber perfekt gelungenen Verbeugung vor den Genre-Größen.

‚Elisa‘ taucht danach erstmal ordentlich weg – Kaskaden von Nebel, Meer und psychedelischen Driften darf auch in diesem zehnminütigen Grower tief in Stimmungen baden, saugt Referenzen vom Slowdive’schen Trip-Rock-Meisterwerk „Pygmalion“.

Großartig, wie man sich hier in Sachen qualitativ hochwertigem Post/Shoegaze verkauft, und mit dieser tief schürfenden Atmosphäre wäre ich gerne aus dem Album hinausgeträumt, wäre das eher Heavy-Stoner-Psych-orientierte ‚Return/Precipice‘ am Ende nicht ein so inkonsequenter Weckruf mit aus meiner Sicht zu viel Blick nach hinten. Klar, ein gutes Stück Psychedelic Doom Rock, aber mich holt es dann ein wenig von meiner Wolke runter.

Insgesamt diesmal auf Album-Länge mit viel weniger Stoner/Psych/Doom, dafür musiziert man wesentlich näher am verträumten Shoegaze mit ordentlich Rausch und auch Rock. Wenn man dann mal richtig konsequent in Sachen sphärischer Stimmung bleibt, wäre es hier für mich vermutlich zu einer vollen Punktzahl gekommen. Schöne Platte allemal.
Bewertung: 12/15 Punkten


Besetzung:
Simon Weinrich – guitar, vocals, Rhodes piano
Marc Dreher – drums, vocals, Rhodes piano
Lucas Dreher – guitar
Christopher Popowitsch – bass

Gastmusiker:
Luis Deffner – Piano on ‚Elisa‘

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von All Noir zur Verfügung gestellt.