Beartooth - Pure Ecstasy

Metalcore • Post Hardcore • Alternative Metal
(38:23; Vinyl, CD, Digital; Fearless Records/Concord/UMG; 28.08.2026)
„Pure Ecstasy“ dürfte die Beartooth-Fans wieder schön in zwei Lager sortieren. Die einen freuen sich über mehr Melodie, Elektronik, Pop-Appeal und Hard Rock mit ordentlich Wumms. Die anderen suchen den alten Metalcore-Holzhammer und stellen fest: Der liegt offenbar inzwischen irgendwo im Keller.
Dabei haben beide Seiten nicht ganz Unrecht.
Hinter der musikalischen Öffnung steckt allerdings mehr als nur der Versuch, aus Beartooth plötzlich die nächste Stadionkapelle mit Konfettikanone zu machen. Caleb Shomo hat auf „Pure Ecstasy“ einiges aufzuarbeiten – unter anderem seine Sexualität und sein öffentliches Coming-out. Da darf es dann offenbar auch musikalisch etwas befreiender zugehen. Unterstützung gab’s dabei unter anderem von Jordan Fish, während sich auch der Rest der Band stärker einbringen durfte. Shomo hat also tatsächlich nicht mehr alles selbst eingespielt. Die Hölle ist damit vermutlich nicht zugefroren, aber zumindest steht die Tür zum Proberaum jetzt für andere offen.
‚Pure Ecstasy‘ pendelt insgesamt irgendwo zwischen Beartooth-Brechstange und Stadionradio.
Der Titelsong eröffnet atmosphärisch und emotional, ‚Eyes Closed‘ kombiniert alte Metalcore-Kante mit großen Hooks und Breakdown.
‚Bullshit‘ hingegen packt noch einmal die klassische Beartooth-Abrissbirne aus. Danach wird es mit ‚Beautiful Again‘ deutlich melodischer.
‚Stadiums‘ macht seinem Namen mit maximalem Stadionfaktor alle Ehre und ‚Free‘ setzt auf große Gefühle und Pop-Appeal.
‚Sorry‘ schiebt das Ganze noch weiter Richtung Hymne, ‚Lose You To Find Me‘ übernimmt die emotionale Abteilung. ‚You‘ verbindet wieder Härte und eingängige Melodie, ‚For Me By Me‘ schickt die Genrepolizei mit noch mehr Pop und elektronischen Spielereien endgültig ins Koma. ‚I Made It‘ setzt am Ende einen erstaunlich optimistischen Schlusspunkt.
Kurz: Beartooth wollen offenbar nicht mehr nur kaputtmachen – inzwischen darf es auch gerne mal schön sein. Und genau daran werden sich die alten Fans vermutlich die Zähne ausbeißen.
Das Problem: Die neue Offenheit geht teilweise auf Kosten der alten räudigen Kante. Wer den frühen Beartooth-Sound liebt, dürfte die Kettensäge vermissen. Wer musikalische Weiterentwicklung nicht gleich als Verrat an der eigenen Jugend betrachtet, bekommt ein ordentliches, eingängiges und abwechslungsreiches Album.
Für die ganz große Ekstase reicht es bei mir allerdings nicht.
Bewertung: 10/15 Punkten

Besetzung:
• Caleb Shomo – Gesang, Gitarre, Bass
• Oshie Bichar – Bass
• Zach Huston – Gitarre
• Will Deely – Gitarre
• Connor Denis – Schlagzeug
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.