Arthur Brown - Nature

Psychedelic Rock • Pop • Chamber Cabaret Folk
(35:30; Vinyl, CD, Digital; Prophecy Productions; 04.09.2026)
‚Fire‘, die weltberühmte Hymne des selbsternannten God Of Hellfire, Arthur Brown, ist bald 60 Jahre alt. So verrückt – und dieser umtriebige 84-jährige Poet steht bis zuletzt noch auf der Bühne, um seine Shows zwischen Rock, Theater und fast rituellem Zirkus zu zelebrieren.

Ich hatte im letzten September das Vergnügen, diesem Spuk live beizuwohnen, und wahrlich: Respekt, Arthur Brown, was dieser Mann energetisch nebst maskierter Band auf die Bühne brachte, ist wahrlich jeden nötigen Respekt wert.

Brown spricht von „Nature“ als seinem Meisterwerk, führten ihn verschiedenste Punkte innerhalb der letzten Jahre vor Entscheidungen, die letztlich dazu führten, dass er sich mit seiner Partnerin Claire Waller anstatt wie geplant in den Staaten in den Weiten des britischen North York Moors seinen Platz zum Leben auserkoren hat.

Nah bei den Ahnen – sind hier Vater, Großvater und Urgroßvater beerdigt – fand der Barde Platz für Inspiration. Sei es der Klang des Windes, die oftmals düsteren Geschichten manch kleinen Fischerortes, der britische Musiker blieb offen für die Vielfalt an Schwingungen und Energien, die „Nature“ zu einem vitalen Psych-Rock-/Pop-Album machen, bei dem man nie einen fast 85-jährigen Musiker dahinter vermuten würde.

Ob das Knistern des Feuers, Schritte auf dem Waldboden oder das Strömen des nahestehenden Flusses – all diese Dinge integriert der Musiker und Visionär auf „Nature“ und wird nie müde, dem Geheimnis unseres Seins auf der Spur zu bleiben. Improvisierte Klänge, welche in kreativer Zusammenarbeit mit Freund/Produzent Isaac McInnis, aber auch mit Unterstützung des langjährigen Band-Mitglieds Dan Smith entstanden, schaffen den Rahmen zwischen Avantgarde, Psych, experimentellem Space Pop uvm.

Ich werde hier überhaupt nicht versuchen, Schubladen finden zu wollen, dem Einfallsreichtum, dem Anderssein sind hier alle Tore geöffnet. Strange, abgefahrene, sphärische Freak-Outs wie ‚The Source‘ stehen schwer eingängigen Spoken-Word-Elementen, stillen Piano-Fragmenten und Chamber-Pop-/Folk-Kompositionen gegenüber und all das ist so erfrischend anders, unkonventionell, natürlich temporär freaky, ohne sich jemals in puren Avantgardismen zu verlieren. Lässig rocken Songs wie ‚Bursting The Hubble‘, machen gehörig Spaß und diesen hört man dem Oldie hier auch noch vernehmlich an.

Das ist alles auf der Höhe der Zeit inszeniert, atmet natürlich den Wahnsinn und das Chaos des verrückten kultigen Trash/Vintage Rock. ‚Water On Stone‘ ist mit seiner Dramatik mehr Theater, Kabarett und Performance Art und hat mich auf strange Art an so manch Alterswerk eines David Bowie erinnert … wunderschön! Die zwei Schluss-Tracks und persönlichen Lieblinge ‚Open Hearts‘ und ‚Enough‘ – theatralisch, kosmisch und wehmütig melancholisch – sind ein Meer voller Emotionen … ist hier irgendwie ein kleiner Abschied innerhalb dieser schönen Melodien rauszuhören. Singt der Prophet hier zu uns aus den unendlichen Weiten des Raumes? Es klingt beinahe so …

Diese Welt auf „Nature“ ist eine in sich geschlossene, ein bisschen verrückt, märchenhaft, energetisch, verwunschen und sie lullt im richtigen Moment mit purem Eskapismus hervorragend ein. Ein fantastisches Spätwerk: inspirierend, extraordinär, warm und hoffnungsvoll. Danke, Arthur Brown, für diesen sympathisch positiven Trip! Man sieht sich beim Prophecy Fest die Tage.
Bewertung: 12/15 Punkten


Besetzung:
Arthur Brown – Vocals
Dan Smith – Instruments

Gastmusiker:
Sam Walker – drums, steel pans, percussion backing vocals on track 1 & 4
Claire Waller – scissors, recorder on track 1 & 7
Paul Elliott – drums, percussion on track 2

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Prophecy Productions zur Verfügung gestellt.