Andy Aquarius - Vale Of Tears

Spiritual Folk
(47:39; Vinyl, MC, CD, Digital; Eigenveröffentlichung; 25.09.2026)
Ich verehre die folkloristischen Empyrium, vergöttere die „Forest Sessions“ des Schweden Jonathan Hultén, habe mich intensiv mit der letzten Iskandr beschäftigt und freue mich umso mehr, die dazu passende neue Andy Aquarius zu besprechen.

Der Deutsch-Kroate spielte im letzten Jahr, ebenso wie Iskandr, auf dem wundervollen Ancient Echoes Festival in der Kirchenruine Wachau, und ja, beide passten perfekt an diesen mystischen Ort mit ihren spirituellen Klängen.

Mit dem „Tal der Tränen“ geleitet Dich der mittlerweile in Berlin ansässige Musiker weit hinaus an stille, entlegene Plätze, fernab von Zivilisation, sinnentleerter Kommunikation und Stress. Die stille, fragile Musik kommuniziert mit einer friedlichen Klarheit, Melancholie und auch Wahrheit, tröpfeln die Sounds wie eine klare, irgendwo versteckte Gebirgsquelle weit oben auf einem bergigen Gipfel.

Wie passend wurde diese Musik im kompletten Eremiten-Dasein innerhalb einer Woche in einer entlegenen kroatischen Kirche tief in den Bergen geschaffen, fühlt sich für den Musiker selbst wie die Reise zu seinem Ur-Ich an und koppelt nun seinen kreativen Output mit dem Außen. ‚The Opening‘ ist so direkt und konfrontativ sanft dank der einnehmenden Vocals, ‚Dante’s Lawn‘ nutzt wiederum feine synthetische Akzente zur Verdichtung.

Wie für Kopfhörer geschaffen, verzaubert der unmittelbare Klang, weiß die zaghafte, angenehm sanfte Stimme einen erzählerischen, begleitenden Tune zu erzeugen. Du wirst in die Stille geführt, alles verliert sich und reduziert sich auf diese kleine, ätherische Bubble fernab all der ohrenbetäubenden Rauschmittel, die uns jeden Tag von uns selbst entfernen wollen. Höre ich meinen Album-Favoriten ‚The Soft And Silent Pastures‘, muss ich unmerklich an so manch großartigen Moment von Brendan Perry/Dead Can Dance denken.

Genau dann, wenn die elegisch-pastoralen Synths orchestrale Nuancen entwickeln, damit Türen und Tore in eine friedliche, geheimnisvolle Anderswelt zu öffnen wissen. In diesen Abschnitten erzeugt der Musiker Licht und spirituelle Harmonie, verpackt in einfachen, leisen Arrangements, die Großes vollführen. Der Titelsong berührt unmerklich mit einem wiederkehrenden, wundervollen Akkord, ist so weit draußen im Nirgendwo und kommuniziert von alten, vergessenen Orten und Plätzen.

Diese kleinen Dynamik-Schübe gestalten das Album somit an temporären Stellen sehr zielgerichtet, und man ist mit den feingliedrigen Klängen nicht nur auf Hintergrund-Mode verschaltet, sondern kann dieser feinen, lieblichen Nischen-Musik einen direkten Zugang zu sich erlauben. Es ist erst ein paar Tage her, da sah ich den Musiker in einer Berliner Kirche spielen, und er wusste zu berühren.

Das vorsichtige, aber emotionale Spiel mit der Harfe, kleine atmosphärische Drones/Flächen hier und da im Hintergrund machen aus „Vale Of Tears“ einen Begleiter für den einsamen Gang durch die Wälder, beim Stöbern in einem alten Buch oder für’s innere Zwiegespräch. Schöne atmosphärische Platte für die Freunde leicht düsterer Folk-/Ambient-Klänge.
Bewertung: 13/15 Punkten


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Abbildungen: Andy Aquarius/Bandcamp