The Mantra Discord - Collecting Sentiments Of A Derailed Past
Cinematic Post Rock
(33:50; Digital; Eigenveröffentlichung; 24.07.2026)
Der Protagonist im Cover schaut bereits ins Licht, nur sind da noch immer die gefährlichen toxischen Fänge, die ihn davon abhalten wollen, endlich wieder zum freien Atmen zurückzufinden. Eher kurze Songs – die typischen pastoralen, in die Höhe blickenden Post-Rock-Riffs –, ein hoffnungsvoller Klang und fertig ist ein nicht mal 40 Minuten langer Trip.
Vorsichtig alternative Riffs und Melodien – die auch zu Bands wie The Appleseed Cast passen würden – geben dem Album den vorsichtigen Hauch des Individuellen – somit würde ich hier nicht mal von einem lupenreinen Genre-Werk sprechen.
Den Glanz, die Melancholie und die schönen Melodien gibt es natürlich trotzdem zuhauf, nur hätten diese öfter hier und da ruhig mehr Laufzeit vertragen können. Der titelgebende Track bekommt exemplarisch mit über sechs Minuten die Möglichkeit, sich wunderschön aufzufächern. Dramatik und Epik sind hier omnipräsent, orchestrale und wuchtige, rockige Phrasierungen machen für den Freund derlei Klänge gefühlt alles richtig. Hier bricht man so richtig vollmundig durch die Wolkendecke, sehr atmosphärisch das Ganze.
‚An Elegant Descent‘ oder das ambiente Piano-Stück ‚Eternity Erased‘ zeigen auf positive Weise, dass das Duo aus Kalifornien die perlenden, emotionalen Stille-Momente einer Band wie Hammock ebenfalls im Repertoire hat. Hier macht sich natürlich die Hilfe im Mastering von keinem Geringeren als Taylor Deupree spürbar, dessen tiefschichtige Drone/Ambient-Alben ich seit Jahren mit Vorliebe verschlinge.
Aber auch hier meine ich, hätte es mehr als nur Zwischen-Intermezzi von zwei bis drei Minuten sein dürfen. Zu schön klingt all das Gehörte und ist dann leider zu schnell wieder vorbei. Mahlende Akkorde, sanfte Steigerungen/Verdichtungen in der Abfolge machen ‚Years On Repeat‘ zu einem zugreifenden Stück mit einiges an lichtvoller Kraft. Im abschließenden Zweiteiler ‚Vanishing From The Mountains‘ wird es phasenweise richtig schön düster, vibrieren die Gitarren fast Blackgaze-artig.
Anmutige Synth-Spuren, große Melodien fahren cineastisch die große Emotionspalette auf, nur passen aus meiner Sicht die seltsamen Metal-Parts, die etwas unwirsche Doublebass nicht ganz ins anmutige Setting. Wie immer natürlich alles reine Geschmackssache, die mich nicht davon abhält, diese Platte zu mögen, da diese Störgeräusche zum Glück ein temporäres Schauspiel bleiben.
Bewertung: 11/15 Punkten
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Abbildungen: The Mantra Discord/Bandcamp
