Staind - Break The Cycle (25th Anniversary Live)

Post Grunge • Alternative Metal • Nu Metal • Groove Metal
(51:57; Vinyl, CD, Digital; Alchemy Recordings; 21.08.2026)
Man kann von Post Grunge halten, was man will – ich persönlich habe bis heute nicht so ganz verstanden, was dieses Genre eigentlich genau sein soll. Staind werden jedenfalls gerne in diese Schublade gesteckt. Musikalisch bewegte man sich auf den frühen Alben irgendwo zwischen Alternative Metal, Nu Metal und Grunge, wobei durchaus auch mal Growls ausgepackt wurden. Und dann war da Aaron Lewis. Dessen Klangfarbe erinnerte mich schon immer stark an Maynard James Keenan von Tool, gepaart mit einer ordentlichen Portion Layne Staley. Für mich eine ziemlich magische Mischung.
Nun ist ausgerechnet das Album, das für mich bis heute den Klassikerstatus der Band besitzt, zum 25. Jubiläum noch einmal als Liveversion aufgelegt worden. „Break The Cycle“ war 2001 das dritte Studioalbum und zugleich der große Durchbruch. Fünffach Platin allein in den USA, Nummer eins der Billboard 200 und mit ‚It’s Been Awhile‘, ‚Fade‘, ‚Outside‘, ‚For You‘ und ‚Epiphany‘ gleich eine Armada erfolgreicher Singles. Staind tauchten allerdings erst auf dem öffentlichen Radar auf, als die große Grunge-Hochzeit längst vorbei war. Dass die Platte deutlich zugänglicher ausfiel als das noch wesentlich härtere „Dysfunction“, dürfte dem Erfolg nicht geschadet haben.
Und genau diese Mischung funktioniert für mich bis heute. Staind fehlen zwar die kompositorischen Finessen von Tool – komplexe Rhythmen, ungewöhnliche Taktarten oder ausufernde Spannungsbögen sucht man hier vergeblich. Dafür sind sie geradliniger, eingängiger und massenkompatibler. Schwere Gitarren, melancholische Melodien und emotionale Texte ergeben ein ziemlich effektives Gesamtpaket.
Inhaltlich wird nicht gerade mit Watte geworfen: familiäre Konflikte, Verletzungen, Schuld und Selbstzweifel. ‚Fade‘ ist dafür ein Musterbeispiel: düstere Gitarrenriffs und Lewis‘ dramatischer Gesang. ‚It’s Been Awhile‘ und ‚Outside‘ zeigen die melodischere Seite, während ‚For You‘ oder ‚Waste‘ schwerer im Magen liegen. Keine akademische Gefühlsforschung, sondern Schmerz direkt auf die Tapete geklatscht. Und irgendwie funktioniert das.
Die neue Liveversion hat allerdings ein kleines Problem: Sie fühlt sich kaum wie ein klassisches Livealbum an. Aufgenommen wurde während der Corona-Zeit in einer leeren Halle in Holyoke, Massachusetts. Zuschauer? Fehlanzeige. Kein Mitsingen, kein Jubel, kein kollektives Ausrasten. Ein Rock-Gottesdienst, zu dem man vergessen hat, die Gemeinde einzuladen.
Dafür sitzt musikalisch alles ziemlich satt. Die Gitarren drücken, die Rhythmussektion packt zu und Lewis klingt keineswegs nach pflichtbewusstem Abarbeiten alter Hits. Gerade ‚Fade‘ und ‚For You‘ bekommen ordentlich Nachdruck. Die Songs werden nicht neu interpretiert, sondern einfach mit etwas mehr Muskelmasse versehen.
Dass ausgerechnet ‚Warm Safe Place‘ 2026 durch TikTok eine kleine Renaissance erlebt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Ein Vierteljahrhundert nach Veröffentlichung braucht es also die Kurzvideo-Generation, um einen weniger offensichtlichen Song wieder auszubuddeln. Die Welt ist schon ein seltsamer Ort.
Für mich bleibt „Break The Cycle“ ein Klassiker. Nicht wegen musikalischer Neulandexpeditionen, sondern weil Staind hier ihre Mischung aus Härte, Melodie, Atmosphäre und emotionaler Direktheit verdammt gut getroffen haben. Die Liveversion ist kein Pflichtkauf, aber eine durchaus druckvolle Gelegenheit, diesem alten Brocken noch einmal ordentlich Strom zu verpassen.
Bewertung: 11/15 Punkten

Besetzung:
• Aaron Lewis – Gesang, Rhythmusgitarre
• Mike Mushok – Gitarre
• Johnny April – Bass
• Sal Giancarelli – Schlagzeug
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Starkult Promotion zur Verfügung gestellt.