Pattern-Seeking Animals - Grimalkin

Melodic Progressive Rock • AOR • Symphonic Rock • Art Rock
(48:24; Vinyl, CD, Digital; Giant Electric Pea; 21.08.2026)
Pattern-Seeking Animals haben sich seit ihrem selbstbetitelten Debüt 2019 kontinuierlich von der anfänglichen Spock’s-Beard-Nähe emanzipiert. Was damals noch wie eine besonders melodische Seitenbewegung aus dem Umfeld der kalifornischen Prog-Institution wirkte, entwickelte sich über „Prehensile Tales“, „Only Passing Through“, „Spooky Action At A Distance“ und „Friend Of All Creatures“ zu einer ausgesprochen eigenständigen Spielart des melodischen Progressive Rock. Die großen Hooks, ausgefeilten Gesangsharmonien und detailreichen Arrangements blieben dabei ebenso Konstanten wie die Vorliebe für zugängliches Songwriting. Mit „Grimalkin“ ist nun endgültig ein Punkt erreicht, an dem die Verbindung zu Spock’s Beard eigentlich nur noch biografischer Natur ist. Musikalisch hat dieses Album mit der (teils) ehemaligen Wirkungsstätte von Ted Leonard, Dave Meros, Jimmy Keegan und John Boegehold nun wirklich nichts mehr zu tun.
Stattdessen tendiert „Grimalkin“ sogar wieder etwas stärker in Richtung AOR und Melodic Rock als in Richtung klassischen Progressive Rock. Die progressive Grundierung bleibt zwar erhalten, wird aber ausgesprochen selbstverständlich mit Artrock, sinfonischen Elementen und teilweise regelrecht filmischen Klangwelten verbunden. Das bekommt man gleich beim eröffnenden ‚Maybe All A Dream‘ zu hören, das mit seinen wechselnden Stimmungen und der beinahe märchenhaften Atmosphäre deutlich macht, dass sich hinter der eingängigen Oberfläche durchaus einiges an kompositorischer Substanz verbirgt. Komplexere Passagen verkommen dabei niemals zum Selbstzweck. Melodien, Refrains und Atmosphäre verbleiben stets im Mittelpunkt.
Überhaupt ist die Vielzahl an Klangfarben eine der großen Stärken von „Grimalkin“. Mellotron und Synthesizer treffen auf Streicher, Mandoline, Flöte und sogar melancholische Trompeten. Dazu kommen die charakteristischen Gesangsharmonien, die dem Material trotz der unterschiedlichen Instrumentierungen einen erstaunlich homogenen Rahmen geben. Nichts wirkt hier wie ein nachträglich aufgesetztes Gimmick, vielmehr fügt sich selbst die ungewöhnlichere Instrumentierung ganz selbstverständlich in die Songs ein. Besonders heraus sticht dabei das knapp fünfminütige ‚Traveler On The Wrong Road Home‘, dessen melancholische Trompeten bei mir sogar leichte Assoziationen an die soundtrackartigen Kompositionen eines Chuck Mangione wecken. Mit ‚Break Away‘ oder dem ruhigeren ‚Things I Don’t Do‘ zeigt die Band zudem, wie selbstverständlich sie inzwischen zwischen rockigerem Material und beinahe balladesken Momenten wechseln kann.
Und genau hier liegt gleichzeitig die kleine Krux dieses Albums. So geschmackvoll, ausgefeilt und souverän die Kompositionen auch sind, mir fehlen ein wenig die Ecken und Kanten. „Grimalkin“ ist komplex genug, um nicht im 08/15-Weichspülbrei zu versinken, bleibt aber über weite Strecken ausgesprochen gefällig. Ein paar mehr Reibungspunkte, unerwartete Wendungen oder wirklich fordernde Passagen hätten dem Album durchaus gutgetan. Gerade weil Pattern-Seeking Animals ihre musikalischen Möglichkeiten mittlerweile so souverän beherrschen, hätte ich mir gelegentlich etwas mehr Mut zum Risiko gewünscht.
Das ändert allerdings wenig daran, dass „Grimalkin“ ein sehr gelungenes Album geworden ist. Pattern-Seeking Animals haben ihre eigene musikalische Sprache längst gefunden und verbinden darauf ausgesprochen gekonnt melodischen Prog, AOR, Melodic Rock und Artrock mit einer bemerkenswerten klanglichen Detailfülle. Wer seine Musik lieber über starke Melodien, hervorragende Arrangements und atmosphärische Momente als über demonstrative instrumentale Virtuosität definiert, dürfte hier bestens aufgehoben sein.
Bewertung: 10/15 Punkten

Besetzung:
• Ted Leonard
• John Boegehold
• Jimmy Keegan
• Dave Meros
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Pattern-Seeking Animals/Giant Electric Pea zur Verfügung gestellt.