Kronstad 23 - Dødehavet

Jazzy Progressive Rock • Afrobeat • Instrumental
(37:13; Vinyl, Digital; Batov Records;29.05.2026 )
Völlig ohne Anlauf spaziert man mit dem schwer entspannten Opener ‚Menigheten‘ schön Late-Night-jazzy in dieses doch wesentlich offenere, leichtere Album hinein.

Der Vorgänger „Sommermørket“ hatte in jedem Fall eine deutlich düstere Schlagseite. „Dødehavet“ ist so viel leichter, gewiefter, sommerlicher, verbindet Funk, Afrobeat, Prog Rock und diese Leichtfüßigkeit in Sachen Jazz, dass man wie automatisch in bessere Stimmungen hinübergleitet.

Das organische Spiel zwischen Gitarre, Bass und Drums ist ’n Träumchen, balanciert mit so viel Nonchalance zwischen Jam und durchdachten Arrangements. ‚Stratosfæren‘ schimmert mit so viel Atmosphäre, spätabendlicher Attitude, chillig akzentuierten Jazz-Drums und diesen jederzeit großartigen Akkorden in die Nacht hinein – Santana trifft The Amazing … einfach nur wunderschön.

Verspielte Tracks wie ‚Bolwerk‘ verzaubern mit eher zurückgelehntem Tempo, vertrackter Rhythmik und dieser Jam-Attitüde, die hier mal wieder wie immer im nordischen Prog-Spiel einfach nur Spielwitz, Melancholie und Experiment miteinander tänzeln lässt.

Mit Saxophon, afrikanischer Rhythmik, Balkan Beat und Soul irritieren Songs wie ‚Rabalder‘, aber irgendwann siegt der Wahnwitz und ich lasse mich maximal darauf ein. Die hypnotischen Grooves, der wirklich großartig abgemischte Sound, all die Bläser in ‚Høytrykk‘ machen einfach Laune. ‚Myrra‘ ist dann mit seinen Rhythmen und Bläsern schon sehr jazzy für meine Verhältnisse. Da stoße ich etwas an meine Grenzen … anyway. ‚Svartmagi‘ könnte direkt aus einem alten Filmklassiker entliehen sein mit all seiner Dramatik und Melodik.

Der Retro-/Vintage-Charme, das Gefühl, einer Platte aus den ganz frühen 70ern zu lauschen, führt zur endlosen Dauerschleife. Das Projekt aus Bergen darf bei dieser Qualität gern im einjährigen Modus veröffentlichen – ich liebe es! Auch wenn ich das Nordische, etwas Dunklere des Vorgängers mehr feiere, kann auch hier nur mit einer höheren Benotung honoriert werden … Punkt!
Bewertung: 12/15 Punkten


Besetzung:
Øyvind Arnodd Vie Berg – Keys, Perc
Alexander Tøsdal Tveit – Guitar, Sitar
Inge Weatherhead Breistein – Sax
Hans Christian Dalgaard – Drums, Perc
Eirik Rømcke – Bass
Håvar Skaugen – Sax on Svartmagi
Ivar Thormodsæter – on Høytrykk

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Abbildungen: Kronstad 23/Bandcamp