HULDER - Verbolgen

Atmospheric Black Metal • Cascadian Black Metal
(48:33; Vinyl, CD, Digital; Season Of Mist; 07.08.2026)
Der pazifische Nordwesten, ein Land aus Regen, Bergen, Wäldern und schroffen Felsen der Küste, gilt seit jeher als Brutstätte für extreme Musik. Dort, wo die Wolken anscheinend tiefer hängen als anderswo, entstanden Bands wie Agalloch und Wolves in the Throne Room – Bands, die eine neue Schublade aufstießen: Cascadian Black Metal.

Anfang der 2000er-Jahre wuchs die Szene zu einem eigenen, pechschwarzen Ökosystem heran, das unaufhörlich neue, hochkarätige Bands hervorbrachte. Uada etwa – und natürlich HULDER, die 2018 als Ein-Frau-Projekt aus dem Nebel trat.

Dass Marliese „Marz“ Beeuwsaert ursprünglich aus Belgien stammt, ist vielleicht einer der Gründe, warum HULDERs Musik nicht nur nach feuchtem Tannenmoos klingt, sondern auch nach der kalten, schneidenden Klarheit europäischer (genauer: skandinavischer) Tradition. Die Riffs sind frostig, die Melodien alt und unversöhnlich – und damit deutlich anders als das, was die großen Cascadian‑Bands einst prägten.

„Verse In Oath“, der Vorgänger von 2024, war ein Werk aus Düsternis, Rätselhaftigkeit und Wildheit – authentisch, unverfälscht und frei von jedem Anflug von Kitsch.

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Auf „Verbolgen“ kommt eine neue Kraft hinzu: Necreon alias Sam Osborne (Funebrarum), nun fest als Bassist und Backgroundsänger im Kern der Band verankert. Er war schon zuvor Teil des HULDER‑Kosmos, doch diesmal ist seine Präsenz unüberhörbar. Er legt sich wie ein Schatten unter Hulders Riffs und Gesang, auch wenn sein Bass im dichten Gitarrengeflecht immer wieder verschwindet.

Ansonsten sind als Gäste mit dabei: Keld, der mit der Hurdy Gurdy ein Instrument bedient, das der Autor erstmal googeln musste, um dann festzustellen, dass es sich dabei um eine Drehleier handelt. Vapula und Vrolok teilen sich die Knüppelsektion, und Ianuaria ist für die wunderbare folkige Flötenmelodie in ‚The Glow of Dawn‘ verantwortlich, die wie ein Lichtstrahl durch eine alte Waldlichtung fällt.

Das dritte Album ist stimmig und geschlossen. Die Atmosphäre bleibt skandinavisch kühl, doch immer wieder brechen epische Momente hervor, die wie Sonnenstrahlen durch eine winterliche Wolkendecke schneiden. Stücke wie ‚Den Nacht Zijn Lied‘ und ‚View from Nemeton‘ wechseln zwischen triumphalen Augenblicken und purer Aggression, ohne je den inneren Kompass zu verlieren. Trotz seiner Treue zur eigenen Stimmung wird „Verbolgen“ nie langatmig; es bleibt in Bewegung, bleibt wach, bleibt gefährlich.

Vor allem aber ist es eine Weiterentwicklung. Der Vorgänger war reduzierter, fast asketisch, doch „Verbolgen“ geht tiefer. Die Dringlichkeit und Kampflust sind noch da, aber die antike, folkloristische Note ist stärker ausgeprägt, und die epischen Gitarrenschichten greifen mühelos ineinander – Rhythmus, Melodie, Solo: alles wie Zahnräder eines alten, wiedererweckten Mechanismus.

Mit neun Songs und 49 Minuten Spielzeit ist „Verbolgen“ ein deutlich komplexeres Album geworden als „Verse In Oath“. Ein Album, das man nicht hört, sondern betritt.
Bewertung: 12/15 Punkten


Besetzung:
Hulder — Vocals, Electric Guitars, Keys, Acoustic Guitars
Necreon — Bass, Vocals

Gäste:
Keld — Hurdy Gurdy, Electric Guitars, Keys
Vapula — Drums (tracks 4, 5, 8, 9)
Vrolok — Drums (tracks 2, 3, 6, 7)
Ianuaria — Session Flute

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Alle Abbildungen stammen von Season Of Mist.