Green Carnation - A Dark Poem, Part III: The Messiah Complex
Dark Metal • Progressive Rock • Progressive Metal • Klassik
(38:31; Vinyl, CD, Digital; Season Of Mist; 04.09.2026)
„Light Of Day, Day Of Darkness“ liegt lange zurück, setzte seinerzeit neben Bands wie In The Woods nachhaltige Maßstäbe in Sachen dunkler progressiver Metal-Klänge aus Norwegen.
Konzeptionelle Alben sind des Machers Kjetil Nordhus Ding. Mit „A Dark Poem: The Messiah Complex“ ist man nun bereits im dritten Teil angekommen und man muss konstatieren: Die Mannen wissen einfach, wie es geht.
Inspiriert von Rimbauds tragischer Ode an Ophelia, treiben Green Carnation durch vier epische Partituren, die nach etwas Anlaufzeit wieder jede Pore anzapfen mit tragisch-schönen Melodien, orchestraler Epik und einfach zupackenden Arrangements.
Der Opener ‚Unconditional Artificial Chemistry‘ ist mit einem wunderschönen Refrain gesegnet, agiert meist im mittleren Tempo und die starke Produktion nebst orchestralen Elementen fühlt sich rund an. Der ausdrucksstarke, theatralische Gesang muss sicherlich angenommen werden, dann ist auch diese Platte ein Selbstläufer. Balladesk, atmosphärisch ist der Titelsong bebildert – dunkle Riffs, dramatische Streicher und kosmische Elemente des progressiven Rock gehen Hand in Hand.
Die detaillierte Produktion macht den Zugang zum Album so wahnsinnig leicht, sodass jede Nuance für Freunde progressiv-düsterer Metal-Klänge genauso fruchten sollte wie für den offenen Progger, der sich mit härteren Sounds anfreunden kann. Meist im entspannten Tempo entfalten sich die kunstvollen Arrangements wie von selbst.
‚Broken Souls, Common Enemies‘ nutzt mehrstimmige Arrangements, der zusätzliche Einsatz der Flöte bringt die Norweger auf liebevolle Weise wieder ganz nah an den lyrischen Prog der Siebziger. Hier wünscht man sich schnell, dass es mehr davon gäbe, fließt es so voller Wehmut und Melancholie in diesen sanften Parts.
Alles passiert so unglaublich homogen, vielleicht sogar manchmal zu glatt. Harte, trockene Riffs – dem Vintage Hard Rock nicht abgeneigt – dazu immer wieder zupackende Melodien, und diesmal bleiben bis auf ganz kurze Momente die Growls-artigen Vocals komplett draußen.
Dass sich am Ende des Albums mit knapp 17 Minuten eine düstere, orchestrale Klassik-Suite findet, verwundert nicht, auch wenn es trotz aller Qualität die Dynamik nach drei metallisch-rockigen Tracks irgendwie beeinflusst. Egal, auch dieser dritte Teil steht offenkundig für Qualität. Bin gespannt wie es bei den Norwegern weitergeht.
Bewertung: 12/15 Punkten
Besetzung:
• Kjetil Nordhus — Vocals
• Stein Roger Sordal — Bass, Rhythm Guitars, Lead Guitars, Keyboards
• Bjørn Harstad — Lead Guitars, Effects
• Endre Kirkesola — Keyboards, Synthesizers, Organs, Effects
• Jonathan Alejandro Perez — Drums
Gastmusiker:
• Ingrid Ose — Flute on “Broken Souls, Common Enemies”
• Kristiansand Symphony Orchestra and Opera Choir on “A Dark Poem – Orchestral Suite”
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Season Of Mist zur Verfügung gestellt.

