Gorod - The Ember Gone

Gorod - The Ember Gone (Base Productions/Season Of Mist; 28.08.2026)

Technical Death Metal • Progressive Metal • Tech Metal
(43:54; Vinyl (2LP), CD, Digital; Base Productions/Season Of Mist; 28.08.2026)
„The Ember Gone“ – der Titel klingt nach abgebranntem Ende, Gorod klingen dagegen erstaunlich lebendig. Ich bin auf neuem Terrain unterwegs: Den Namen Gorod kannte ich natürlich, den einen oder anderen Song hatte ich auch schon einmal gehört, aber „The Ember Gone“ ist das erste Album, mit dem ich mich wirklich bewusst auseinandersetze. Vergleiche mit früheren Alben fallen deshalb aus.

Und der erste Eindruck überrascht: weniger Death Metal als erwartet. Die Growls von Julien „Nutz“ Deyres sind zwar da, ansonsten stehen für mich Rhythmik und Groove im Mittelpunkt. Verdammt technisch, aber keineswegs verkopft und schon gar nicht unzugänglich. Dazu kommt rauchig-dunkler Cleangesang, der zwischen dem Gebrüll für willkommene Abwechslung sorgt. Zwischen Groove und Growls perlen immer wieder melodische Gitarrenlinien von Mathieu Pascal und Nicolas Alberny hervor, während die Fingerakrobatik gerne mal vom Tech Metal in Richtung Jazz abbiegt.

Das funktioniert über weite Strecken erstaunlich geschmeidig. ‚Signs‘ legt druckvoll mit Technik, Melodie und Dynamik los, ‚Devise‘ bleibt trotz komplexer Strukturen angenehm zugänglich. ‚Forgiveness‘ verbindet melancholische Atmosphäre mit brutalen Ausbrüchen und gehört für mich zu den Höhepunkten.

‚Regret‘ macht anschließend das progressive Monster – inklusive orientalischer Melodien und ausreichend rhythmischer Haken, um sich darin gepflegt zu verheddern.

‚Crimson‘ darf als instrumentales Technik-Schaufenster herhalten, während ‚Ignite‘ zeigt, dass Eingängigkeit und Fingerakrobatik durchaus miteinander können. Und dann kommt ‚Ember‘: knapp zwei Minuten Verschnaufpause zwischen Akustik-Prog, Ambient und Jazz, in denen der Metal praktisch vor die Tür geschickt wird. Sehr smooth.

‚Remains‘ zieht anschließend noch einmal die Härteschraube an, bevor angespacte bis beinahe fiepende Keyboardklänge auf akustische Gitarren treffen und das Album erstaunlich geschmeidig ausklingt. Kein pompöses Finale, eher ein gepflegtes „War’s das schon?“.

Überhaupt ist „The Ember Gone“ ein erstaunlich expressives Album. Mathieu Pascal, Nicolas Alberny, Benoit Claus und Karol Diers können ihre technische Kompetenz jederzeit demonstrieren, müssen sie aber nicht permanent wie ein Pfau auf dem Parkplatz vorführen. Groove, Melodie, Atmosphäre und jazzige Ausflüge stehen mindestens gleichberechtigt daneben. Nicht jeder Moment bleibt dabei gleichermaßen hängen, aber gerade die musikalische Offenheit macht die Platte interessant.

Für mich definitiv ein Album für Entdecker. „The Ember Gone“ hat ziemlich viel von dem, was ein Prog-Album ausmacht – technische Finesse, Offenheit, überraschende Wendungen und musikalische Neugier – ohne tatsächlich eine klassische Prog-Metal-Platte zu sein. Ein ziemlich überzeugender Einstieg ins Gorod-Universum.
Bewertung: 11/15 Punkten


Gorod - The Ember Gone (Base Productions/Season Of Mist; 28.08.2026)
Credit: Leonor Ananke

Besetzung:
Mathieu Pascal – Gitarre
Nicolas Alberny – Gitarre
Benoit Claus – Bass
Julien „Nutz“ Deyres – Gesang
Karol Diers – Schlagzeug

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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.