Evergrey - Architects Of A New Weave

Evergrey - Architects Of A New Weave (Napalm Records; 05.06.2026)

Progressive Metal • Progressive Power Metal
(53:03; Vinyl, CD, Digital; Napalm Records, 05.06.2026)
„Architects Of A New Weave“ macht für mich zunächst ziemlich viel richtig. Evergrey wissen noch immer ziemlich genau, wie man düsteren, melodischen und ordentlich drückenden Progressive Metal mit großen Refrains, schweren Gitarren und einer gehörigen Portion Melancholie zusammenbaut. Tom S. Englunds Gesang funktioniert dabei ebenso gut wie die eingängigen Melodien, und auch die neue Besetzung wirkt bereits erstaunlich gut eingespielt.

Trotzdem habe ich meine Fragezeichen. Mir persönlich fehlt mal wieder das progressive Element. Die letzten Alben bauen zunehmend auf den gleichen Stärken auf, und natürlich funktioniert diese Formel weiterhin. Aber um aus der eigenen Diskografie wirklich herauszustechen, bedarf es für mich inzwischen doch etwas mehr. Evergrey bewegen sich mittlerweile ziemlich sicher innerhalb ihrer selbst definierten Komfortzone. Die Produktion ist mir teilweise etwas zu glatt und bombastisch geraten, und auch die zusätzlichen Keyboards und orchestralen Elemente bringen nicht immer einen wirklichen Mehrwert.

Nach dem kurzen Intro ‚Welcome To The Pattern‘ ist ‚The Shadow Self‘ der erste echte Song – und gleichzeitig einer der besten des Albums. Düster, melodisch, mit ordentlich Druck und genau dieser typischen Evergrey-Dramatik gelingt hier ein ziemlich überzeugender Einstieg. Auch der Titeltrack ‚Architects Of The New Weave‘ gehört mit seinen sägenden Gitarren und dem eingängigen Refrain zu den Pluspunkten.

Am meisten heraus sticht für mich allerdings ‚The World Is On Fire‘. Eigentlich ein ziemlich typischer Evergrey-Song, wäre da nicht dieser Gitarrensound, der verdammt nahe am Djent kratzt. Genau solche kleinen Ausbrüche aus der bewährten Formel hätte ich mir gerne häufiger gewünscht.

Mir persönlich hat es besonders ‚Heaven‘ angetan, dessen Refrain sich ziemlich nachhaltig in meinen Gehörgängen festgesetzt hat. Auch an anderer Stelle gibt es immer wieder diese typischen Evergrey-Momente, bei denen Melodie, Pathos und Englunds Stimme perfekt ineinandergreifen.

Danach fällt das Album für mich allerdings etwas ab. Es gibt Uptempo-Nummern wie ‚Leaving The Emptiness‘

und Balladen wie das schmachtende, leicht schwülstige ‚Longing‘, aber nichts davon sticht wirklich heraus. Selbst das mit Mikael Stanne eingesungene ‚A Burning Flame‘ ist letztlich nicht mehr als ein kleiner bunter Farbtupfer.

Lediglich ‚Call Off Your Lions‘ setzt noch einmal einen wirklich starken Akzent und schafft es nachhaltig, sich in meinen Gehörgängen festzusetzen.

Und ganz am Ende steht dann noch das ruhige, melanmcholische ‚The Prophecy‘, das das Album emotional ordentlich ausklingen lässt. Kein großes Finale mit Feuerwerk, sondern eher ein resigniertes, aber trotzdem hoffnungsvolles Ausatmen.

Unterm Strich ist „Architects Of A New Weave“ für mich ein ordentliches bis gutes Evergrey-Album, mehr aber auch nicht. Die großen Melodien, die melancholische Atmosphäre und die Mischung aus schweren Riffs und pathetischen Refrains sind schließlich genau das, wofür ich Evergrey schätze. Eine Rückkehr zu den raueren, progressiveren und unberechenbareren Glanzzeiten ist das allerdings nicht. Evergrey erfinden sich hier nicht neu, sondern bauen ihren inzwischen ziemlich klar definierten Sound weiter aus. Das funktioniert, und einige Songs bleiben durchaus hängen. Für mehr als den soliden Mittelfeldplatz in der Evergrey-Diskografie fehlt mir allerdings das gewisse Etwas – vor allem eben das progressive Moment, das die Band früher immer wieder so besonders gemacht hat.
Bewertung: 11/15 Punkten


Evergrey - Architects Of A New Weave (Napalm Records; 05.06.2026)
Credit: Patric Ullaeus

Besetzung:
Tom S. Englund – Gesang, Gitarre
Henrik Danhage – Gitarre
Rikard Zander – Keyboard
Simen Sandnes – Schlagzeug
Johan Niemann – Bass

Gastmusiker:
Mikael Stanne – Gesang (‚A Burning Flame‘)

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Alle Abbildungen stammen von Napalm Records.