Blossom Cult - Home

Progressive Metal • Alternative Rock
(52:36; CD, Digital; Eigenveröffentlichung; 01.05.2026)
Nach einer ersten EP bescheren uns Blossem Cult mit „Home“ ein aufwändiges Debüt, bei dem inhaltlich, quantitativ und auch qualitativ ordentlich geklotzt wurde. Im Intro ‚Red Pill‘ darf der gute Gunnar Kaiser (RIP!) zu Wort kommen.

Das nenne ich mal ein Statement in diesen sozial desorientierten Zeiten, in denen die Angst vor politisch unkorrekten Formulierungen zu viele Jahre auf der Tagesordnung stand.

Die jungen Musiker starteten eben genau in diesen „Strange Times“, und „Home“ stellt wohl mehr als einmal die Frage, wie sehr wir die Worte Heimat oder Zuhause formulieren dürfen, ohne dass die Gefahr droht, sofort in irgendeiner politischen Ecke zu enden.

Musikalisch passiert auf dieser Stunde Musik sehr viel: dynamische Prog-Metal-Abfahrten, Djent-Riffs, Halbballaden, orchestrale Melodien und der ständige Wechsel von cleanen zu harschen Vocals garantieren durchgehend einiges an Abwechslung.

‚Wake Up‘ feat. Zach Ansley groovt hymnisch und kraftvoll, fast opereske Parts weisen ganz klar Richtung Symphonic Metal. In ‚Open Arms‘ finden sich satte Riffs, schwelgerisch-cineastische Parts, die mit modernem Metal, alternativen Gesangsphrasen und eingängigen Texturen schnell im Ohr hängenbleiben.

‚Paint The Sky‘ startet sanft und balladesk mit feinen melancholischen Vocals, bricht dann in progressive Hard-Rock-Passagen auf, die von mehrstimmigen Vocals getragen werden. Da ist ’ne Menge Offenheit und Kreativität im Sound der Jungs, man packt gehörig viel in die Songs, was als absolutes Kompliment zu verstehen ist. Der dringliche Enthusiasmus ist in jeder Sekunde zu spüren, nur finde ich nicht immer jede Melodie auf den Punkt gesungen.

Ein Hauch Elektronik, Sprach-Samples frischen den zeitgemäßen Metal-Sound jederzeit auf. In ‚No More Heroes‘ schleicht man heavy drückend durch die Strophe, ein Hauch Grunge und Nu Metal ist auch hier herauszuhören. Später geht es straighter und rockiger zu – Streicher und pralle Riffs gibt es auch hier inklusive. Wo die Gesangslinien manchmal etwas unpräzise klingen, macht es die Band immer mit Euphorie und Leidenschaft wett. Mein Gott, die Luft nach oben für die Zukunft muss es ja für junge Bands geben, oder?

Mit symphonischen, gar Death-Metal-/Djent-affinen Riffs schleppt sich ‚Hal To The I‘ durch verquere, schräge Rhythmik, selbst spitze hohe Schreie bleiben nicht aus. Die Band findet aber immer wieder in diese melodisch-hymnischen Passagen zurück, und der Refrain sitzt auf alle Fälle. Progressiv ist die Chose auf alle Fälle, man packt einiges in die verschiedenen Parts und würzt somit ständig die Songs, die letztlich nicht einmal Überlänge besitzen.

Verschachtelt groovt/rifft ‚Traitor‘ düster durch die Gänge, etwas Porcupine Tree geht tatsächlich immer. ‚Moon‘ vereint balladeske Heavyness, die pathetisch-theatralisch mit exaltiertem Gesang und schweren Streichern Tiefe offeriert. Prominente Unterstützung seitens Andreas Kübler und Leo Margarit (Pain Of Salvation) gibt es im epischen ‚End Of The Line‘. Auch hier Streicher/Riffs satt – mir wird das am Ende fast etwas zu dick aufgetragen. Ähnlich dem Pathos bei Leprous muss man diese gewisse Offenheit mitbringen; diese Art Theater bleibt eben Geschmacksache.

So ist auch in ‚Waltz Of The Beyond‘ zu viel hoch dosierter Zucker im Gesang vorhanden. Dies ist mir persönlich manchmal echt zu dicke, sorry Jungs. „Home“ ist schlichtweg engagiert, ambitioniert, frisch und dynamisch, mit wahnsinnig vielen Ideen und Melodien, die nicht immer auf treffsichere Vocals treffen. Trotzdem macht das Album Laune, ist kraftvoll produziert und lässt für die Zukunft einiges erwarten.
Bewertung: 10/15 Punkten


Besetzung:
Janos Romualdo Krusenbaum – Vocals, Guitars, Keyboards
Max Trockenberg – Guitars, Backing Vocals
Elias Bauer – Keyboards, Backing Vocals
Maurice Hoch – Bass
Peter Robers – Drums

Surftipps:
Homepage
Bandcamp
YouTube
Rezensionen, Liveberichte & Interviews

Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Bad Dog Promotion zur Verfügung gestellt.