System Of A Down, Queens Of The Stone Age, Acid Bath, 10.07.26, Düsseldorf, Open Air Park

Stau, Schweiß und System-Chaos

Als System Of A Down den neu geschaffenen Open Air Park Düsseldorf als erste Band überhaupt einweihten, war bereits im Vorfeld klar gewesen, dass hier nicht irgendein Konzert stattfinden würde. Gemeinsam mit Queens Of The Stone Age und den reformierten Kult-Sludge-Metallern Acid Bath lockten die Kalifornier 80.000 Fans auf das neue Gelände direkt neben Arena und Messe. Nur zwei Deutschland-Konzerte und insgesamt lediglich eine Handvoll Europa-Termine hatten ausgereicht, um Besucher aus nahezu allen Himmelsrichtungen anzuziehen. Dass ein einzelner Konzertabend damit fast die Dimension eines komplett ausverkauften Rock am Ring erreichte, war selbst in Zeiten gigantischer Stadionproduktionen bemerkenswert.

Der Veranstalter hatte eindringlich die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln empfohlen. Ein Rat, der sich zumindest ab Düsseldorf als goldrichtig erwies. Von Köln aus entwickelte sich die Anreise hingegen zu einem kleinen Endgegner. Menschenmassen am Hauptbahnhof, Zugausfälle ohne Ende und am Ende eine Kombination aus Regionalexpress und S-Bahn, die statt einer entspannten Anreise gut zwei Stunden verschlang. Hinzu kam meine eigene Autofahrt nach Köln, für deren letzte fünfzehn Kilometer ich mehr als eine Stunde benötigte. Der Konzerttag begann also weniger mit Vorfreude als vielmehr mit einer Lektion in Geduld.

Immerhin verlief der anschließende Fußmarsch von der U-Bahn-Station zum Gelände angenehm entspannt. Kurios wurde es allerdings an der Sicherheitskontrolle. Zwar wurde ich gründlich kontrolliert, doch mein Ticket interessierte offenbar niemanden. Irgendwann stellte ich fest, dass ich mich bereits mitten auf dem Festivalgelände befand. Vielleicht war das der erste Praxistest für das neue Gelände. Vielleicht hatte man mein Gesicht einfach als vertrauenswürdig eingestuft. Ich tippte auf Ersteres.

Der Open Air Park selbst hinterließ dagegen einen zwiespältigen Eindruck. Das Areal wirkte letztlich wie ein riesiger Parkplatz mit Bühne. Drei gestaffelte Stehplatzbereiche sowie drei Tribünen sollten den Menschenmassen Herr werden, doch insbesondere aus den hinteren Bereichen war von der Bühne kaum etwas zu erkennen. Selbst die beiden großen Videoleinwände verschwanden teilweise hinter Menschenmengen und Absperrungen. Die Tribünen boten zwar etwas mehr Übersicht, lagen dafür aber gefühlt in einem anderen Postleitzahlengebiet. Wenigstens entschädigte der überraschend ausgewogene Sound für die suboptimale Sicht. Gerade bei einem Konzert dieser Größenordnung war das alles andere als selbstverständlich.

Weniger erfreulich präsentierten sich dagegen die Getränkepreise. 7,50 Euro für Softdrinks oder ein Bud von Anheuser-Busch sorgten selbst bei sommerlichen Temperaturen nur bedingt für Glücksgefühle. Positiv fiel dagegen auf, dass kostenloses Trinkwasser an mehreren Stationen verfügbar war – eine Selbstverständlichkeit, die leider längst noch nicht überall selbstverständlich war. Auch Merch- und Essensstände waren ausreichend vorhanden, sodass sich lange Wartezeiten weitgehend vermeiden ließen.

Ein kleines Kuriosum lieferte schließlich der Düsseldorfer Flughafen. Das Gelände befand sich direkt unter einer Einflugschneise, weshalb die ersten Maschinen mit beeindruckender Lautstärke über das Publikum hinweg donnerten. Nach kurzer Zeit änderte sich jedoch die Flugroute. Plötzlich glitten die Flugzeuge lautlos seitlich am Konzertgelände vorbei und boten dabei fast schon die bessere Aussicht auf die Bühne als ein Teil der zahlenden Besucher. Vielleicht wollte man den Passagieren einfach noch schnell zeigen, was sie gerade verpassten.

Acid Bath

Vom Opener Acid Bath bekam ich aufgrund des Verkehrschaos leider überhaupt nichts mit. Gerade angesichts ihres Kultstatus und der erst Ende 2024 erfolgten Wiedervereinigung nach fast drei Jahrzehnten Pause war das durchaus ärgerlich. Die Sludge-Metal-Legenden aus Louisiana hatten in den 1990er Jahren mit „When The Kite String Pops“ und „Paegan Terrorism Tactics“ zwei Alben veröffentlicht, die bis heute als Meilensteine des NOLA-Sounds gelten. Andererseits konnte man schlecht etwas bewerten, das man nicht gesehen hatte. Also blieb lediglich die Erkenntnis, dass der Stau an diesem Tag der deutlich erfolgreichere Headliner gewesen war.

Besetzung:
Dax Riggs
Sammy Duet
Mike Sanchez

Acid Bath Setlist Open Air Park Düsseldorf, Dusseldorf, Germany 2026


Queens Of The Stone Age

Auch bei Queens Of The Stone Age kam ich deutlich zu spät. Und selbst das, was ich zunächst mitbekam, rauschte komplett an mir vorbei. Nach stundenlanger Anreise, brütender Hitze, Hunger, Durst und einer gehörigen Portion Erschöpfung musste ich mich erst einmal sortieren. Hinzu kam der vollständige Zusammenbruch des Mobilfunknetzes, wodurch das Treffen mit meinen Begleitern zu einer überraschend anspruchsvollen Schnitzeljagd wurde. Immerhin führte mich der Zufall dabei direkt in die Arme eines Bekannten aus Zoetermeer. Die Welt war manchmal wirklich erschreckend klein.

Erst gegen Ende ihres Auftritts war mein Akku wieder ausreichend geladen, um mich auf den unverwechselbaren Desert- und Stoner-Rock von Josh Homme einzulassen. Die geistigen Nachfolger der legendären Kyuss gehörten seit Jahrzehnten zu den prägenden Vertretern dieses Sounds, und spätestens mit dem 2002 erschienenen „Songs For The Deaf“ – auf dem ausgerechnet Dave Grohl hinter dem Schlagzeug Platz genommen hatte – hatten sie Rockgeschichte geschrieben.

Mehr brauchte es an diesem Abend eigentlich auch gar nicht. ‚Go With The Flow‘, ‚No One Knows‘ und das grandiose Finale mit ‚A Song For The Dead‘ reichten vollkommen aus, um sämtliche Strapazen der Anreise für einige Minuten vergessen zu machen. Plötzlich passte alles zusammen. Die flirrende Sommerhitze, die schweren Gitarrenriffs und dieser unverwechselbare Groove, den kaum eine andere Band so lässig aus dem Ärmel schüttelte wie Queens Of The Stone Age. Stoned – ganz ohne Rauchware.

Besetzung:
Josh Homme
Troy Van Leeuwen
Jon Theodore
Michael Shuman
Dean Fertita

Queens of the Stone Age Setlist Open Air Park Düsseldorf, Dusseldorf, Germany 2026


System Of A Down

Die Band betrat unter lautem Jubel und zum Intro ‚Soldier Side‘ die Bühne – worauf, wie hätte es auch anders sein können, ‚B.Y.O.B.‘ folgte. ‚Bring Your Own Bomb‘ war tatsächlich nichts anderes als ein musikalischer Bombeneinschlag, mit dem Serj Tankian, Daron Malakian, Shavarsh „Shavo“ Odadjian und John Dolmayan ihren Auftritt eröffneten. Gerade erst auf dem Gelände angekommen, wurde unsere kleine Dreiergruppe bereits innerhalb der ersten Minuten auseinandergerissen, denn die ersten Moshpits bildeten sich schon beim ersten Song – selbst im hintersten Teil des Festivalareals.

Dass System Of A Down seit „Mezmerize“ aus dem Jahr 2005, also seit mittlerweile über 20 Jahren, kein weiteres Studioalbum mehr aufgenommen hatten, hatte seine Gründe. Kreative Differenzen zwischen den Bandmitgliedern, insbesondere zwischen Serj Tankian und Daron Malakian, hatten immer wieder verhindert, dass neues gemeinsames Material entstand. Zwar blieb die Freundschaft der Musiker bestehen, doch musikalisch fanden sie bislang nicht mehr zusammen. Somit griff die Band weiterhin auf lediglich fünf Studioalben zurück – ergänzt durch die 2020 erschienene Doppel-Single ‚Protect The Land‘ und ‚Genocidal Humanoidz‘, die anlässlich des Konflikts in Arzach veröffentlicht worden war.

Fünf Alben, die inzwischen allesamt Klassikerstatus besaßen und deren Songs – mit wenigen Ausnahmen – noch immer Hitpotenzial hatten. Und so blieb ‚B.Y.O.B.‘ nicht die einzige Bombe, die an diesem Abend zündete. Insgesamt spielten System Of A Down 29 Stücke in knapp zwei Stunden – und nahezu jeder einzelne Song wurde von den Fans ekstatisch gefeiert.

Von der eigentlichen Performance der vier Musiker bekam man aufgrund der Dimensionen des Open-Air-Geländes hauptsächlich über die digitalen Anzeigen etwas mit. Doch das reichte vollkommen aus, um die Bühnenpräsenz der Band spürbar werden zu lassen. Daron Malakian entpuppte sich dabei als der eigentliche Kommunikator des Abends, denn ihm oblagen die Ansagen und die Interaktion mit dem Publikum, während Serj Tankian sich vollständig auf seinen Gesang konzentrieren konnte.

Doch erst im Zusammenspiel mit Malakians Stimme erreichte Tankians Leistung ihre ganze Wirkung. Die beiden Stimmen ergänzten sich perfekt und bildeten eines der markantesten Merkmale des System-Of-A-Down-Sounds: aggressive Ausbrüche, melodische Passagen und ein Wechselspiel, das bis heute unverwechselbar geblieben war.

Bereits bei ‚Prison Song‘ entstanden die ersten Circle Pits, bei ‚Violent Pornography‘ hallte lautstarkes Gegröle über das Gelände und bei dem tief unter die Haut gehenden ‚Aerials‘ wurden die ersten emotionalen Elefantentränen vergossen.

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Das anschließende ‚I-E-A-I-A-I-O‘ vom „Steal This Album!“-Album, das für mich bislang eher ein unscheinbarer Song gewesen war, entwickelte sich durch die lautstarke Beteiligung des Publikums überraschend zu einem der Höhepunkte des Abends.

Mit ‚Genocidal Humanoidz‘ fand anschließend auch eines der beiden neueren Stücke seinen Weg ins Set. Für einen kurzen Moment flammte erneut die Frustration darüber auf, dass eine Band mit solch einer kreativen Energie eigentlich keine neue Musik mehr veröffentlichte.

‚Needles‘ und ‚Deer Dance‘ heizten die Moshpits weiter an, bevor ‚Radio/Video‘ eine der außergewöhnlichsten Szenen des Abends bot. Zwischen armenischer Folklore und purem System-Of-A-Down-Chaos wurde getanzt, gepogt und gefeiert. Progressivität in Reinform – ohne jemals in die klassische progressive Schublade passen zu wollen.

Mit ‚Hypnotize‘ zeigten System Of A Down einmal mehr ihre gesellschaftskritische Seite. ‚ATWA‘ und ‚Bounce‘ ließen anschließend das Publikum beben und den Schweiß von nackten Männeroberkörpern rinnen. Wer an diesem Tag Angst vor Körperkontakt oder Körperflüssigkeiten gehabt hatte, war definitiv am falschen Ort gewesen.

Das nicht wirklich schlechte, aber vielleicht nicht von jedem favorisierte „’Suggestions‘ diente mir als Gelegenheit, mich mit Getränken einzudecken. Eine weise Entscheidung, denn das anschließende Doppelpack aus ‚Psycho‘ und dem Übersong ‚Chop Suey!‘ verlangte sämtliche Energiereserven ab und verwandelte die aufgenommene Flüssigkeit unmittelbar wieder in Schweiß.

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‚Lonely Day‘ lud anschließend zum Schwelgen ein, bevor ‚Lost In Hollywood‘ zum lautstarken Mitsingen annimierte.

Bei ‚Tentative‘ holte Daron Malakian zu einer längeren Ansage aus und widmete den Song den Kindern in Gaza, den im Januar 2026 getöteten Protestierenden im Iran sowie den Menschen im Libanon und im Sudan. Hier zeigte die Band erneut ihre politische Haltung und machte deutlich, dass System Of A Down auch nach all den Jahren noch immer etwas zu sagen hatten.

Langsam bewegte sich der Abend auf seinen Höhepunkt zu. Mit ‚Spiders‘ folgte ein weiterer Bandklassiker und Fanliebling. Einige Zuschauer hatten sich passend dazu Spinnennetze ins Gesicht gemalt – und die Erwartungen der Fans an dieses Stück wurden nicht enttäuscht. Man lag sich in den Armen und feierte einen dieser seltenen Momente, in denen ein Konzert zu einem gemeinsamen Erlebnis wurde.

‚Forest‘ stand dem in nichts nach und setzte die emotionale Wucht nahtlos fort. Zwischen brachialer Energie, Melancholie und völliger musikalischer Unberechenbarkeit zeigte sich erneut, warum System Of A Down auch nach Jahrzehnten eine der leidenschaftlichsten Fangemeinden besaßen.

Ihre humoristische, ja fast dadaistische Seite zeigten die Armenisch-US-Amerikaner anschließend mit dem grotesken ‚Cigaro‘. „My cock is much bigger than yours! With the feeling so pure“ – eine Zeile, die exemplarisch für den absurden, überzeichneten und zugleich gesellschaftskritischen Humor der Band stand.

Ein kleiner Kontrapunkt nach all den Hits – und doch kaum mehr als ein kurzes Interlude vor zwei der größten Stücke der Band und dem krönenden Abschluss eines wirklich unvergesslichen Abends.

Bei ‚Toxicity‘ war das Publikum noch einmal zum Einstimmen eingeladen, was für mich zu einem wahrhaft emotionalen Moment wurde. Tausende Stimmen vereinten sich zu einem der bekanntesten Refrains der Bandgeschichte.

Und mit ‚Sugar‘ präsentierte das Quartett noch einmal seinen gesamten musikalischen Wahnwitz in Reinform. Zwischen brachialen Riffs, hektischen Rhythmuswechseln und Serj Tankians unverwechselbarer Stimme bündelte der Song all jene Elemente, die System Of A Down zu einer der einzigartigsten Bands der vergangenen Jahrzehnte gemacht hatten.

Dass es danach nicht mehr weiterging, war vielleicht genau richtig so. Völlig verausgabt konnte man am Ende fast dankbar sein, dass System Of A Down seit Jahren kaum noch neue Musik veröffentlicht hatten – mehr wäre zu diesem Zeitpunkt schlicht nicht mehr möglich gewesen. Und auf keines der gespielten Lieder hätte wohl jemand verzichten wollen, denn echte Filler gab es an diesem Abend keine.

Anschließend holte einen die Realität eines Festivalabends wieder ein. Die Füße schmerzten, die Schlangen vor der U-Bahn waren lang und der Geruch in den völlig überfüllten Waggons hätte vermutlich selbst den härtesten Metal-Fan an seine Grenzen gebracht. Doch all das spielte letztlich keine Rolle mehr. Irgendwann lag man erschöpft im Bett – mit müden Knochen, klingelnden Ohren und dem zufriedenen Gefühl, einen dieser seltenen Konzertabende erlebt zu haben, über die man noch viele Jahre später sprechen würde.

Besetzung:
Serj Tankian
Daron Malakian
Shavarsh „Shavo“ Odadjian
John Dolmayan

System of a Down Setlist Open Air Park Düsseldorf, Dusseldorf, Germany, Europe/UK Stadium Tour 2026


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