Poppy Ackroyd - Liminal

Modern Classical • Piano
(40:35; Vinyl, CD, Digital; One Little Indian; 05.05.2026)
Im Rahmen des legendären Denovali-Label-Fests durfte ich die sehr sympathische Britin bereits einmal vor vielen Jahren in der Berliner Passionskirche erleben. Ein wundervolles Erlebnis seinerzeit und ganz ließ mich der Musik-Katalog seither nie wieder los.

Mit ihren warmen, stets berührenden Kompositionen aus Piano Pop, Modern Classical und Chamber-Sounds hat sich die Künstlerin schnell einen eigenen Sitzplatz in vordersten Reihen gesichert, berührt sie mit ihren immer melancholisch, gar soundtrackartigen Klängen auf so vielfältige Weise.

Nun ja, meist waren die früheren Aufnahmen der Künstlerin eher minimaler Natur – Violine und Piano gaben den puristischen Weg vor. Viele persönliche Veränderungen, Umzug, Familiengründung und Verluste geben dem neuen Album „Liminal“ eine zumeist tiefere Ebene. Die dazu passenden Orchestrierungen, Verdichtungen hier und da – auf meist subtile Weise angereichert – zeigen ein nebulöseres Prozedere – manch ein Score-Einfluss hier und da wird sich ebenfalls nicht leugnen lassen. Um so schöner, wie ich persönlich meine, gibt es der aufkeimenden, zarten Melancholie einen Hauch mehr an Größe.

Die verhuschte, etwas kreativ versponnene junge Künstlerin, die ich seinerzeit noch erlebte, ist ebenso längst in den Untiefen und Wirren des Lebens angekommen und Songs wie das suchende ‚Continuum‘ oder das zart besaitete ‚Shimmer‘ sprechen ihre ganz eigene sensible Sprache. Ich bin kein ausgewiesener Hörer in Sachen Modern Classical, aber Freunde von u.a. Federico Albanese und Co. werden sich mit „Liminal“ wohl schnell anfreunden können.

Mich berührt die Musik auf „Liminal“, einfach das Richtige für einen frühsommerlichen Abend. Poppy ist eine Musikerin – einmal live erlebt – die man gerne hineinlässt mit ihrer sensitiv verspielten Art, ihrem Talent, sehr spezielle Sounds und Melodien zu kreieren. Romantisch, entrückt, fragil und minimal, nur diesmal mit manch orchestralen Score-Momenten noch etwas aufgehübscht.
Bewertung: 12/15 Punkten


Surftipps:
Homepage
Bandcamp
YouTube
Wikipedia

Abbildungen: Poppy Ackroyd/Bandcamp